Montag, 28.09.2015

Die Automobilbranche sucht laufend nach Möglichkeiten, um Einsparungen im Einkauf zu realisieren. Das Bild zeigt die Fertigung von Mercedes-Benz Cars in Düsseldort.

Bildquelle: Mercedes-Benz Cars

Einkauf
Qualitätsanspruch vor Kostendruck

Einsparungen im Einkauf durch Innovationen bei Mercedes-Benz

Der Einkauf bei Mercedes-Benz Cars versteht sich nicht als Kostendrücker. Ein Top-Down-Hammer passt nicht zu uns, sagt Einkaufschef Klaus Zehender im zweiten Teil des Interviews mit Markt und Mittelstand.

Weniger Einsatz von Material durch gemeinsame Workshops mit Lieferanten ist erfolgversprechender als simple Kostendrückerei. Bei Mercedes-Benz Cars sollen Lieferanten Ideen liefern, Innovationen vorantreiben. „Wir hören unseren Lieferanten gerne zu“, sagt Einkaufsleiter Klaus Zehender gegenüber Markt und Mittelstand. Das entstehe durch Unternehmergeist und den könne man nicht verordnen.
 

OEMs geben jährliche Preissenkungen vor. Zulieferer fühlen sich dadurch unter Druck gesetzt. In welchem Umfang fragt Mercedes-Benz jährliche Preissenkungen an bei den Lieferanten?
Unsere Zusammenarbeit ist primär nicht durch eine Diskussion um Kosten geprägt, sondern durch das, wofür Mercedes-Benz steht: Innovationsführerschaft und Spitzenqualität. Wirtschaftlichkeit fordern wir vor allem als technische Effizienz ein. Da hören wir gerne unseren Lieferanten zu; zum Beispiel organisieren wir zu diesem Zweck gemeinsame technische Optimierungsworkshops.

Ein Beispiel aus der Praxis?
Auf diesem Weg haben wir bei bestimmten Abgasanlagen durch die hervorragenden Ideen des Lieferanten – darunter konstruktive Änderungen für weniger Materialeinsatz, eine Verringerung der Edelmetallbeladung und die Verwendung anderer Metalllegierungen - rund ein Drittel Kosten sparen können. Da wurde also kein Preis gedrückt, sondern auf Basis von Lieferantenvorschlägen die Konstruktion der Abgasanlage zunehmend optimiert. Ich glaube auch nicht, dass ein Top-Down-Hammer zu unseren Qualitäts- und Innovationszielen passen würde. Denn Innovation und Qualität entstehen vor allem durch den Unternehmergeist, den Erfindungsreichtum und die Begeisterung unserer Zulieferer - das können Sie nicht verordnen.

Würden Sie dann sagen, die Lieferanten jammern zuviel?
Wir sind als Einkauf auf allen Ebenen laufend im intensiven Dialog mit unseren Zulieferern, den ich als eine begeisternde Zusammenarbeit beschreiben würde. Ich selbst habe zum Teil pro Tag bis zu drei Gespräche mit Lieferanten; dort erlebe ich eine kreativ-quirlige Stimmung, eine Aufbruchsstimmung.

Also können Sie das Spannungsfeld OEM/Zulieferer aus Ihrer Sicht so nicht bestätigen?
Meine gesamte Mannschaft erlebt Lieferanten, die gerne mit uns arbeiten und mit durchdachten Vorschlägen kommen, an welchen Stellen sie gerne noch mehr Wertschöpfung abdecken würden. Mercedes-Benz wirkt dabei gewissermaßen als Gravitationsfeld für Lieferanten: Das liegt vor allem an unserer Wachstumsdynamik, die es den Lieferanten ermöglicht, mit uns entsprechend mitzuwachsen – nicht nur in der Stückzahl, sondern auch in der Regionalisierung in den Wachstumsmärkten.

Einkauf beeinflusst Produkte im Frühstadium

Klaus Zehender, Einkaufsleiter bei Mercedes-Benz Cars

Bildquelle: Mercedes-Benz Cars

Der Einkauf ist bei Mercedes Benz Cars in den Vorstandsrang gerückt. Welche Zwischenbilanz kann man ziehen?
Der Schulterschluss im Bereichsvorstand ist sehr eng, das crossfunktionale Zusammenspiel gehört bei uns schon lange zum Standard. Als Einkauf sind wir sowohl Innnovationsscanner als auch Qualitätssicherer, die mit der ganzheitlichen Sicht auf alle kaufmännischen und qualitätstechnischen Belange einen zentralen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. So zum Beispiel, wenn wir mit Blick auf die Lokalisierungsfähigkeit bestimmter Technologie- oder Designausprägungen entscheidende Akzente bei der frühzeitigen Produktbeeinflussung setzen.

Gibt es ein konkretes Projekt oder Ergebnis?
Das sind natürlich vor allem unsere zukünftigen Fahrzeuge, über die wir aus Wettbewerbsgründen noch nicht viel verraten können. Bekannt ist, dass wir entlang unserer Wachstumsstrategie bei Mercedes-Benz bis 2020 das Angebot für unsere Kunden um  mindestens zehn weitere, ganz neue Modelle noch erweitern. Gleichzeitig bauen wir unser globales Produktions- und Beschaffungsnetzwerk konsequent aus. Für etablierte wie für neue Lieferanten bieten sich damit hervorragende Chancen, von unserer Wachstumsdynamik zu profitieren.

Info

Einkauf in der Automobilbranche

Im ersten Teil des Interviews („Lokaler Einkauf: Automobilbranche legt zu“) auf www.marktundmittelstand.de thematisiert Klaus Zehender, Einkaufsleiter bei Mercedes-Benz Cars die Lokalisierungsstrategie des Automobilherstellers.