Dienstag, 19.08.2014
Größere Konzerne wie DHL sind vom Fachkräftemangel im Einkauf noch nicht so stark betroffen.

Bildquelle: DHL Global Forwarding Seefracht

Größere Konzerne wie DHL sind vom Fachkräftemangel im Einkauf noch nicht so stark betroffen.

Einkauf
Wenige Lehrstühle für Einkauf in Deutschland

Fachkräfte im Einkauf schwieriger zu finden

Offene Stellen im Einkauf bleiben oft über Monate nicht besetzt, weil keine geeigneten Bewerber vorhanden sind. Doch der Einkauf ist im Wandel, in manchen Branchen agiert der Einkäufer heute auf Augenhöhe mit dem Vorstand.

Der Einkauf hat zunehmend Probleme damit, offene Stellen zu besetzen. In Österreich liegt die Besetzungsdauer für Vakanzen im Einkaufsbereich bereits bei über sechs Monaten. Mehr als ein Viertel der Betriebe berichtet davon, dass die Probleme bei der Besetzung offener Positionen im Einkauf schwerwiegender seien als für andere offene Stellen. Dies ergab eine Studie von Penning Consulting und dem Forum Einkauf des Österreichischen Produktivitäts- und Wirtschaftlichkeitszentrum.

Auch in Deutschland wird es zunehmend schwieriger, offene Stellen im Einkauf zu besetzen. „Eine validierte Statistik liegt uns nicht vor. Unserer Erfahrung nach liegt die Besetzungsdauer von vakanten Positionen im Einkauf bei rund drei bis vier Monaten – je nach Spezialisierungsgrad“, sagt Stephan Penning, Geschäftsführer von Penning Consulting.

Fachkräftemangel im Einkauf trifft Mittelstand

Verstärkt wird der Fachkräftemangel im Einkauf dadurch, dass es in Deutschland nur vier Lehrstühle mit dem Schwerpunkt Einkauf gibt. Dies macht sich in der Praxis, vor allem unter kleinen und mittelständischen Betrieben, bemerkbar. Insbesondere Mittelständler berichten von Schwierigkeiten, Einkäufer mit Berufserfahrung zu finden. Im Maschinenbau mangelt es an Industriekaufleuten mit einer Zusatzqualifikation im Einkauf sowie an Wirtschaftsingenieuren, die sich auf Einkäuferstellen bewerben.

Größere Konzerne wie DHL sind dagegen noch nicht so stark vom Fachkräftemangel im Einkauf betroffen. CPO Michael Nießen von DHL bestätigt, dass noch genügend Bewerbungen bei ihm eingehen. Allerdings liegt der Altersdurchschnitt bei Mitte 40 im Einkauf bei DHL, es dürften damit in den kommenden Jahren zunehmend Stellen zu besetzen sein.

Je stärker sich der Einkauf in Richtung strategischer Einkauf entwickelt, desto interessanter dürfte er auch für zukünftige Bewerber sein. Viele junge Hochschulabsolventen stellen sich unter einem Einkäufer noch immer den operativen Bestellabwickler vor. Je nach Branche hat sich hier in den vergangenen Jahren jedoch einiges verändert. „Automobilsektor und Maschinenbau arbeiten sehr häufig mit komplexen Lieferketten – seit vielen Jahren. Darum finden sich hier häufig bereits sehr gut ausgebildete Einkäufer, die in der Vergangenheit auch immer wieder Trends für die Entwicklung von Einkauf- und Supply-Chain-Management gesetzt haben. Hier ist davon auszugehen, dass nahezu alle Einkaufschefs auf Augenhöhe mit dem Top-Management sind“, führt Penning aus.

Geringe Akademikerquote im Einkauf

In Österreich hat nur knapp die Hälfte der Einkaufsleiter einen Hochschulabschluss, unter den strategischen Einkäufern nur jeder fünfte. Dies erschwert die Kommunikation auf Augenhöhe mit dem Vorstand. Auch in Deutschland bemängeln viele Einkaufsleiter, dass sie in die strategischen Aufgaben des Unternehmens nicht eingebunden seien. Penning: „Jeder vierte Einkaufsleiter in Deutschland ist heute noch immer kein Business Partner auf Augenhöhe für den Vorstand.“ Mit einem Anteil von 25 Prozent liegt die Akademisierungsquote in Deutschland noch unterhalb der österreichischen.