Mittwoch, 09.01.2013
Einkauf
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Groß-Einsparungen im Einkauf möglich machen

Einige Konzerne haben Groß-Einsparungen im Einkauf angekündigt. Seit einem Jahr spart die Deutsche Telekom im Einkauf über ein Joint Venture. So lernen Mittelständler von den Strategien der Großen.

Eine Reihe großer deutscher Unternehmen wie ZF Friedrichshafen, Adidas, Siemens oder Daimler ringen im Einkauf um volumenträchtige Einsparungen. ZF Friedrichshafen will innerhalb von zwei Jahren 500 Millionen Euro einsparen; die Daimler AG eine Einsparung über 5 Milliarden in fünf Jahren. „Das Thema ist mit den Konjunkturwellen verknüpft“, sagt Professor Gerhard Heß von der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg. Während Sparen gerade in konjunkturellen Flauten im Einkauf immer wieder zum Thema wird, ist der Druck in der Telekommunikationsindustrie besonders ausgeprägt. Durch die massiven Produktivitätssprünge verschärft sich der Druck auf die Preise.

Sinkenden Margen im Kerngeschäft begegnet die Telekom mit einer neuen Einkaufspolitik. Ende 2011 hat sie gemeinsam mit France Télékom das Einkaufs-Joint-Venture BuyIn gegründet. An der Spitze des Joint Ventures steht Volker Pyrtek. Erklärtes Ziel war eine Einsparung über 1,3 Milliarden Euro pro Jahr über einen Zeitraum von drei Jahren nach Gründung; davon sollen 400 Millionen Euro auf die Deutsche Telekom  entfallen. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Volker Pyrtek und weicht damit der Frage nach einer konkreten Zahl nach einem Jahr Laufzeit  des Joint Ventures aus. Ein dreistelliger Millionen-Euro-Betrag sei jedoch bereits eingespart worden.

Volker Pyrtek von der Deutschen Telekom verantwortet im direkten Einkauf ein Einkaufsvolumen von 14 Milliarden Euro für 45 Landesgesellschaften von Deutscher Telekom und France Télécom. Einsparungen hat er vor allem über das Endgerätegeschäft realisiert.

Tipp 1 für den Einkauf: Produktportfolio ausdünnen

Dort wurde das Produktportfolio von über 130 Geräten im Quartal auf rund 80 reduziert. Nach und nach nimmt sich sein Team von insgesamt 250 Mitarbeitern die Netzinfrastruktur-Verträge vor. Zusammen mit der Technik wird die Beschaffung über Länder und Gruppen hinweg harmonisiert und gebündelt.

Tipp 2 für den Einkauf: Lieferanten beteiligen

Ein weiterer Baustein für Groß-Einsparungen im Einkauf ist die Zusammenarbeit mit den Lieferanten. Gemeinsam werden die Herstellkosten bei den Vorlieferanten analysiert oder die Lieferanten an der Entwicklung von Produkten beteiligt.
Viele Unternehmen aus dem Mittelstand schrecken jedoch davor zurück, mit dem Lieferanten nicht nur jährlich über Skonto oder marginale Stellschrauben zu sprechen, sondern sich aktiv in die Lieferkette einzumischen, um eine Einsparung zu realisieren. Dabei kann das viel Geld sparen. Bei einem mittelständischen Unternehmen aus dem Maschinenbau reduzierten sich die Kosten für Gussteile jährlich um 350.000 Euro.
Diese Gussteile für Maschinenbetten haben ein Gewicht zwischen 8 und 12 Tonnen. Aus den Gussteilen musste Formsand mit einem Presslufthammer gelöst werden. Der Sand konnte durch zu kleine Öffnungen der Gussteile nicht effizient entfernet werden – davon wusste der Konstrukteur aber nichts. Er hatte die Produktion vorher noch nie gesehen. Eine neue Konstruktion reduzierte Gewicht und Bearbeitungszeit der Gussteile im Unternehmen. Pro Teil sprang eine Einsparung von über 20 Prozent heraus.
„Die Zusammenarbeit zwischen Einkauf, Vertrieb, Technik und Lieferant ist entscheidend, um wirkliche Einsparpotenziale zu finden“, bekräftigt Steffen Eschinger, Geschäftsführer von Eschinger Consulting. Oft sei der Einkauf intern isoliert. Eine Wertanalyse erfordert Flexibilität im Denken, insbesondere der Vertrieb der Lieferanten ist oft ein Hemmschuh.  

Tipp 3 für den Einkauf: Global Sourcing

BMW hat diese Rosskur schon hinter sich gebracht. 2011 – ein Jahr früher als geplant – meldete Einkaufsvorstand Herbert Diess, dass die Einsparung von 4 Milliarden Euro in dem Unternehmen bereits erfolgt sei. Erreicht wurde dies im Einkauf durch den altbekannten Hebel Global Sourcing – in diesem Fall vor allem durch eine Verlagerung des Einkaufsvolumens in Richtung Asien, insbesondere nach China. Wenn sich dort die Löhne weiter so stark nach oben entwickeln, wird auch BMW noch einmal über einen Strategiewechsel nachdenken müssen.
Mercedes setzt darauf, neue Modelle mit bereits fertigen Modulen zu realisieren. Volkswagen wendet die Modulstrategie bereits seit vielen Jahren an. Beim Blick über den Tellerrand lässt sich also viel lernen – auch im Mittelstand. Volker Pyrtek bringt es auf die Kurzformel: „Der Einkauf im Elfenbeinturm ist nicht überlebensfähig.“

Tipp 4 für den Einkauf: Unbequemes wagen

Bleibt bei allen Bemühungen und Anstrengungen im Unternehmen noch die Frage: „Wie setze ich das intern durch? „Manche Einkäufer legen ihre Einkaufskonditionen ungern offen, da sie mit der Frage konfrontiert werden, ob sie nicht vielleicht doch zu teuer eingekauft haben“, kritisiert Eschinger. Oder ein Einkäufer versucht, eine Marke als A-Marke zu positionieren, nur um weiter bei bestimmten Lieferanten einkaufen zu können. „Eine eigene Abteilung zum Beispiel für das Thema Direktimporte kann hier abhelfen“, erklärt Sonja Piller, Leitung Einkauf und Planung bei HSE 24. Erster Schritt ist jedoch immer sich einzugestehen, dass im Einkauf noch viel Potenzial vorhanden ist; auch wenn das unbequem ist.

Info

Kennzahlen für die Kalkulation im Einkauf zu Beschaffungsmärkten, Preisen, Kalkulation, Maschinenalter, Wertschöpfung: Kennzahlen-Kompass 2013 (nur für VDMA-Mitglieder ab Februar 2013 bestellbar).