Montag, 30.09.2013
Dräger beschafft aus der Türkei Zubehörprodukte für Beatmungsgeräte.

Bildquelle: Drägerwerk

Dräger beschafft aus der Türkei Zubehörprodukte für Beatmungsgeräte.

 

 

Einkauf
Viele Nachfragen, wenig Zugangskanäle

Hindernislauf: Lieferantensuche in der Türkei

Der Einkauf im Unternehmen interessiert sich zunehmend für Lieferanten aus der Türkei. Doch es ist nicht einfach, den passenden Geschäftspartner zu finden. Ein Überblick über mögliche Wege zum Lieferanten in der Türkei.

Wenn das Telefon bei Frank Kaiser in Istanbul klingelt, wird gewöhnlich nach der „Liste“ gefragt. Am anderen Ende der Leitung sitzt ein Einkäufer oder Geschäftsführer eines deutschen Unternehmens, der ein bestimmtes Produkt in der Türkei einkaufen möchte. Zwischen fünf und zehn Mal in der Woche geht dies so bei dem Referenten der Deutsch-Türkischen Handelskammer. Das Interesse an türkischen Lieferanten ist groß, aber die Lieferantensuche ist diffizil. Eine Liste mit den Lieferanten bestimmter Produkte gibt es nicht. Verbände sind oft wenig hilfreich: „Zwar ist die Verbandslandschaft sehr groß, aber die Leistungsfähigkeit zwischen den Verbänden variiert stark“, berichtet Kaiser.
Die Unternehmensstruktur in der Türkei ist sehr heterogen. Neben professionellen Unternehmen gibt es auch immer noch viele, die Kaiser für eher unstrukturiert hält. Nur einem kleinen Prozentsatz der Unternehmen spricht er einen hochgradig professionellen Status mit Erfahrung im internationalen Geschäft zu. Doch wie findet man diese? Ein Weg führt zur Deutsch-Türkischen Handelskammer. Diese sucht entsprechende Lieferanten speziell für die angefragten Produkte, allerdings kommt dabei auch schon mal ein höherer vierstelliger Betrag zusammen.

Zufallsgenerator eingebunden bei Lieferantensuche

Alternativ bieten sich Messen für den Einkauf im Unternehmen an; der direkte Kontakt zu den türkischen Lieferanten ist unverzichtbar. Auch die Lieferantenplattform Alibaba listet türkische Lieferanten. Möglich ist darüber hinaus die Registrierung in der Business Community der AHK in Kooperation mit den Industrie- und Handelskammer. In dieser Datenbank sind Nachfrager und Anbieter gleichermaßen vertreten. Organisiert wird es vom Außenwirtschaftsportal Ixpos.
Oftmals finden sich Geschäftskontakte auch jenseits der bekannten Wege. „Viele deutsche Firmen haben gar nicht strategisch hier nach einem Lieferanten gesucht, sondern diesen eher durch Zufall gefunden“, ist die Erfahrung von Frank Kaiser. Oder aus dem hiesigen Unternehmen heraus werden Muttersprachler in die Türkei geschickt.
Ein Rohstoff-Unternehmen aus dem süddeutschen Raum testet aktuell die Türkei für Lieferungen von Rohstoffen. Die Erfahrungen sind durchwachsen. Von den zunächst sechs zugesagten Terminen blieben vor Ort nur noch vier übrig. „Wir hatten erwartet, gute Verhandlungsgrundlagen zu finden“, zeigt sich der Einkäufer reserviert. Doch dies sei nur bei zweien der Fall gewesen. Übrig blieb schließlich nur ein Lieferant. „Wir haben hart verhandeln müssen“, berichtet er. Preislich sei das Land zwar in der Vorab-Recherche sehr wettbewerbsfähig gewesen, doch vor Ort sei dies bei Preisen, die bis zu 200 Prozent über dem Marktpreis gelegen hätten, anders gewesen. Zu einem Abschluss mit einem türkischen Lieferanten ist es gekommen. Doch die erste Lieferung wurde mit der Begründung „Zuckerfest“ um zehn Tage nach hinten verschoben.

Lieferanten benötigen Exportlizenz

Probleme bereitet auch die Deklarationspflicht bei der türkischen Ausfuhr. Viele Waren müssen deklariert werden. Zudem benötigen Firmen eine Lizenz, um ausführen zu dürfen. Dafür müssen sie sich bei dem türkischen Exporteur Verband (Turkish Exporters Union) als Mitglied registrieren.
Erschwerend sind zudem die mangelnden Englischkenntnisse in der Türkei. Während in der Geschäftsanbahnung oft noch ein englischsprachiger Geschäftspartner am Tisch sitzt, ist dies im späteren Tagesgeschäft manchmal nicht mehr der Fall. Daher sollte der Einkauf im Unternehmen klären, wie qualifiziert das Backoffice ist.
Trotz dieser Probleme berichten eine Reihe von Firmen wie der Bekleidungshersteller Schöffel, Drägerwerk oder Vaillant von guten Erfahrungen in der Türkei. Die geographische Nähe, eine problemlose Kommunikation und eine gute Qualität streichen diese Unternehmen bei der Beurteilung ihrer Lieferanten in der Türkei heraus.

Info

Was erschwert die Lieferantensuche?

  • Mangelnde Englischkenntnisse: In der Türkei
  • Besuche der türkischen Lieferanten werden durch die Visumspflicht der Türken in EU-Ländern erschwert
  • Türkische Firmen benötigen eine Ausfuhrlizenz. Informationen dazu und über den Dachverband: www.tim.org.tr
  • Deklarationspflicht für Waren verzögert Ausfuhr

 

 

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Tipps für die Lieferantensuche

  • Entsendung muttersprachlicher Mitarbeiter von hiesigen Unternehmen

  • Wie qualifiziert ist das Backoffice? Ist eine Kommunikation in Englisch möglich?