Freitag, 19.04.2013
Nachforschungen in der Lieferkette: US-Unternehmen verlangen Herkunftsnachweis.

Thyssenkrupp

Sechs deutsche Mittelständler sind auf der Zulieferer-Liste von HP gelistet.

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HP legt Lieferkette offen

Erstmals hat ein IT-Unternehmen eine Liste über Zulieferer von Konfliktmineralen veröffentlicht. Darunter sind auch sechs deutsche Unternehmen. Zulieferer können sich einer Überprüfung ihrer Lieferketten nicht entziehen.

 

Erstmals hat ein IT-Unternehmen in den USA eine Liste mit Zulieferern veröffentlicht, die an das Unternehmen Konfliktminerale liefern. Die US-Unternehmen sind gemäß Dodd-Frank-Act dazu verpflichtet, in einem jährlichen Bericht Auskunft darüber geben, ob die bezogenen Rohstoffe aus Konfliktregionen in und um die DR Kongo stammen. Auf der Liste von Hewlett Packard (HP) sind auch sechs deutsche Unternehmen zu finden, darunter Heraeus Precious Metals, H.C. Stark und die Feinhütte Halsbrücke. Sie beliefern HP mit Gold, Tantal und Tin. Damit weist das Unternehmen nach, dass in seiner Produktion keine Minerale aus der Konfliktregion bezogen werden.
HP weist über 1.000 Lieferanten für die Produktion auf. Mehrere zehntausend Lieferanten beliefern das Unternehmen mit Dienstleistungen. Auf der Liste sind 195 Hüttenwerke gelistet. Auch lässt HP regelmäßig die eigene Prüfung von Hüttenwerke von unabhängiger Seite auditieren. Fachleute sind sich uneinig darüber, inwieweit ein solcher Nachweis überhaupt zu erbringen ist. Manche Unternehmen lehnen eine Zertifizierung im Einkauf rundweg ab. „Die Zertifizierung ist nur ein gutes Geschäft für die Zertifizierer“, kritisiert Thomas Hölandt, Geschäftsbereichsleiter Rohstoffe des Kupferkonzerns Aurubis. Wenn Minerale aus Konfliktgebieten mit Mineralen aus anderen Herkunftsgebieten in der Schmelze vermischt werden, ist ein eindeutiger Herkunftsnachweis oft nicht mehr möglich.

Regionaler Zertifizierungsmechanismus der ICGLR für Konfliktminerale

Für deutsche Zulieferer gibt es verschiedene Möglichkeiten, um ihre Lieferkette zu überprüfen oder zu zertifizieren. Seit einigen Jahren arbeitet die Internationale Konferenz der Region der Großen Seen (ICGLR) an einer Überprüfung der Produktionsstätten. Die ICGLR ist eine zwischenstaatliche Organisation mit elf Mitgliedsstaten in Zentral- und Ostafrika, die eine regionale Zertifizierung initiiert hat. Dieser regionale Ansatz erfordert eine nationale Umsetzung in den jeweiligen Mitgliedsländern, das heißt, in der DR Kongo und ihrer Anrainerstaaten. An der Einführung einer Zertifizierung in der DR Kongo ist auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe beteiligt.
„Die BGR unterstützt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit das Bergbauministerium und lokale Behörden dabei, ein nationales Zertifizierungssystem für Zinn, Tantal, Wolfram und Gold einzuführen“, erklärt Gudrun Franken, Rohstoffexpertin bei der BGR. Die Abbaugebiete im Ostkongo werden im Rahmen einer Inventur erfasst. Erste Pilotminen im Ostkongo wurden identifiziert und erste Audits durchgeführt. Noch gibt es keine Zertifikate. Sobald diese vorliegen, kann damit jedoch der geforderte Nachweis über eine konfliktfreie Herkunft des Materials in der Lieferkette geführt werden.

Analytischer Herkunftsnachweis für Konfliktminerale

Desweiteren entwickelt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe einen Analytischen Herkunftsnachweis (Analytical Fingerprint, AFP). Diese unabhängige Herkunftsüberprüfung von Konfliktmineralen bietet die BGR zunächst für Tantal und nachfolgend auch für Zinn- und Wolframerzkonzentrate an. Zurzeit wird die Steuerungseinheit, die AFP Management Unit, in Bujumbura in Bugundi, aufgebaut. Der Herkunftsnachweis ist ein forensisches Instrument zur Eingrenzung der Herkunft der Erze und verfügt über eine breite, weltweite Referenzdatenbank. Ein Herkunftsnachweis der Konfliktminerale ist damit bis auf die Ebene der Grube möglich. Der Herkunftsnachweis ist jedoch nicht ausreichend, um die Konfliktfreiheit sicherzustellen. Er kann lediglich aufführen, woher die Rohstoffe stammen.
Darüber hinaus werden Grundlagen-Audits und Compliance-Audits im Rahmen der „Certified Trading Chains“ durchgeführt. Diese dienen der Vorbereitung einer Zertifizierung für die Lieferkette.

Zertifizierungen der Industrie für die Lieferkette

Für Zinn-, Tantal- und Wolframerz lässt sich über den Interessenverband der Zinnindustrie ITRI ein Herkunftsnachweis erlangen. Gemeinsam mit lokalen Partnern in Ruanda und der ostkongolesischen Katanga-Provinz entwickelte ITRI ein Kennzeichnungssystem. Damit lassen sich die gelieferten Rohstoffe bis auf Produzentenebene nachweisen.
Das CFS-Programm (Conflict-Free Smelter – konfliktfreie Hüttenwerke) wurde von zwei  Branchenverbänden der Elektronikindustrie (Electronic Industry Citizenship Coalition – EICC und Global e-Sustainability Initiative – GeSI) eingeführt. Bisher wurden sechs Tantal-Produzenten als „konfliktfrei“ ausgewiesen. Das Programm überprüft Hüttenwerke und hydrometallurgische Anlagen.  Darüber hinaus wurde ein Formblatt (Conflict Minerals Reporting Template) entwickelt, womit die Unternehmen ihre Zulieferer befragen, um Informationen zur Herkunft von Konfliktmineralen zu erhalten. Die Zulieferer reichen das Formblatt in der Lieferkette weiter bis zur Hütte. Damit soll eine eindeutige Identifikation der Hütten in der Lieferkette ermöglicht werden.

OECD Due Diligence Guidelines für die Lieferkette

Die OECD hat Richtlinien zur Sorgfaltspflicht in den Lieferketten von Konfliktmineralen formuliert. Diese Richtlinien erfassen die Exportebene der Minerale über die Weiterverarbeitung bis hin zum Endprodukt. Abbau und Handel der Konfliktminerale sind darin kaum enthalten. Das Programm enthält fünf Kernpunkte: Aufbau eines Managementsystems zur Kontrolle der Lieferkette, Risikobewertung in der Lieferkette, Einführung einer Risikomanagement-Strategie, unabhängige Audits für ausgewählte Punkte der Lieferkette sowie die Veröffentlichung eines Berichts zur Sorgfaltspflicht in der Lieferkette.

Die BGR weist darauf hin, dass die Zertifizierung und Nachverfolgung von Konfliktmineralen erfolgreich durchführbar sei. Entscheidend ist für den Einkauf die Verzahnung der unterschiedlichen Zertifikate und Rückverfolgungen, um so eine lückenlose Aufdeckung der Lieferkette abzusichern.




Eine Zertifizierung der Zulieferer ist möglich.

Eine Zertifizierung der Zulieferer ist möglich.

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