Montag, 19.05.2014
Der Automobilzulieferer Dräxlmaier verwendet den nachwachsenden Rohstoff Kenaf in der Türverkleidung des BMW i3.

Bildquelle: Dräxlmaier

Der Automobilzulieferer Dräxlmaier verwendet den nachwachsenden Rohstoff Kenaf in der Türverkleidung des BMW i3.

Einkauf
Innovationen im Einkauf

Kooperation von Einkauf und Entwicklung verbessert Ergebnisse

Eine Kooperation von Einkauf und Entwicklung schafft Potenziale. Der Auomobilzulieferer Dräxlmaier stellte den Entwicklungspfad der Kenaf-Pflanze zur Türverkleidung vor.

Wenn Einkauf und Entwicklung gemeinsam an den Anforderungen des Kunden arbeiten, entsteht Raum für neuartige Lösungen. Ohne eine solche Kooperation werden viele Lösungsmöglichkeiten oftmals gar nicht erst in Betracht gezogen. Der Einkauf des Automobilzulieferers Dräxlmaier hat bereits während des Innovationsprozesses für eine nachhaltige Türverkleidung im BMW i3 intensiv den Prozess unterstützt.  Ergebnis war der Einsatz des tropischen Malvengewächses Kenaf – zusammen mit einer duroplastischen Acrylmatrix – im Fahrzeuginnenraum.

Durch die Verwendung von Kenaf konnte der Automobilzulieferer Dräxlmaier Group eine Gewichtseinsparung von rund 3 Kilogramm pro Fahrzeug erreichen. Weniger Gewicht bedeutet für den Kunden weniger Verbrauch.  Anhand eines Lastenheftes, das den Einsatz nachwachsender Rohstoffe für den BMW i3 vorsah, entwickelte Dräxlmaier die innovative Lösung. Der Einkauf erstellte in dem komplexen Projekt umfassende Marktanalysen. Auch die Lieferanten wurden frühzeitig eingebunden. Auf dem Thementag des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik „Innovationsschauplatz Dräxlmaier Group“ stellten Andree Bick, Director Puchasing Interior Systems, und Otmar Rauchensteiner, Senior Vice President Development Interior, das Konzept einer umfassenden Zusammenarbeit von Einkauf und Entwicklung vor.  

Kenaf im Vergleich mit Sisal, Kokos, Hanf

Für den  Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen untersuchte der Einkauf von Dräxlmaier die Verwendung von Sisal, Kokos, Hanf, Flax und anderen Fasern. Erstellt wurden umfangreiche Marktanalysen für die Haupt-Exportländer der einzelnen Fasern, die Top-Produzenten, weltweite Materialübersichten, die globalen Produktionsmengen und die Preisstrukturen. Das Lieferantenkonzept ermittelte Parameter zu Faktoren wie Schimmelschutz, Technologie oder Standort.

Aus den Analysen ergab sich eine differenzierte Übersicht, die die Schwachpunkte und Vorteile der einzelnen Naturfasern ausleuchtete. Die Übereinstimmung mit den technischen Vorgaben aus dem Lastenheft und eine gute Absicherung der Lieferkette gaben den Ausschlag für Kenaf.

Einkauf überprüft Konkurrenz zu Nahrungsmitteln

Kenaf wird von Bauern in Bangladesh produziert. Daher standen auch Fragen im Vordergrund wie: Werden durch diese Nachfrage benötigte Anbauflächen für Reis reduziert? Es zeigte sich, dass die Pflanze den Vorteil aufweist, nicht in Konkurrenz zu einer Reisbepflanzung zu stehen. Sie ist eine Zwischenvegetation im Wechsel mit einer Reisanpflanzung, die für den Reisanbau notwendig ist. Erst nach der Klärung der Nachhaltigkeitsthemen ging Dräxlmaier in Abstimmung mit dem Kunden in die Serienproduktion.

Immer wieder eine Herausforderung für den Einkauf ist zudem die wechselnde Qualität bei den nachwachsenden Rohstoffen, wie die Vortragenden einräumten. Entsprechend gibt der Einkauf von Dräxlmaier genau definierte Toleranzen für die Lieferanten vor. Auch die Geruchsentwicklung von nachwachsenden Rohstoffen ist ein wichtiger Faktor in der Verarbeitung. Eingesetzt wird der Mix aus Kenaf und duroplastischer Acrylmatrix in Serie beim BMW i3.