Donnerstag, 19.12.2013
Einkauf
Steuerung von Lieferantenbeziehungen wird immer wichtiger

Lieferanten unter Beobachtung

Risiken drohen nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern auch entlang der Lieferkette. Immer mehr Unternehmen beobachten ihre Lieferanten daher genau und überprüfen sie auf mögliche Problemquellen.

Stetig steigende regulatorische Anforderungen und der zunehmend anspruchsvoller werdende Schutz der eigenen Marke und des Firmenimages haben dazu geführt, dass auch die Kontrolle der Lieferantenbeziehungen zuletzt immer stärker in den Fokus internationaler Unternehmen gerückt ist. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Financial Services Supplier Risk Management“, für die die Beratungsgesellschaft Ernst&Young insgesamt 35 internationale Unternehmen befragt hat. 71 Prozent der Teilnehmer kamen aus dem Bank- und Kapitalmarkt-Bereich, und fast zwei Drittel verfügten über mehr als 250.000 Mitarbeiter.

Mehr als 90 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass die Einhaltung definierter Standards durch ihre Zulieferer und der damit verbundene Schutz ihrer eigenen Marke und ihres Rufes für sie von großer Bedeutung sind. 97 Prozent erklärten dabei, dass vor allem regulatorische Anforderungen, Compliance und Aktivitäten im Rahmen von Due Diligences ihr Supplier Risk Management vorangetrieben hätten. „Ziel des Einsatzes des Supplier Risk Managements ist es, den Einkauf während der Beschaffungsprozesse zu unterstützen“, erklärt Olaf Riedel, Partner bei Ernst&Young, und ergänzt: „Wichtig ist, dass die einzelnen Rollen und Verantwortlichkeiten in diesem System eindeutig und transparent definiert werden. Nur so kann das Supplier Risk Management seine volle Wirkung entfalten.“

Ausgaben für Lieferantenmanagement steigen

Diese gestiegene Bedeutung macht sich auch finanziell bemerkbar. Im Jahr 2013 gaben die befragten Firmen in der Regel ähnlich viel oder sogar mehr Geld für ihr Lieferantenmanagement aus als noch 2012. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei für 88 Prozent der Befragten auf Kontrollen vor Ort und drei Viertel investierten in eine allgemeine Kontrolle und Steuerung der Zusammenarbeit mit ihren Lieferanten.

Gerade die Suche nach Risiken in Bezug auf die Lieferanten ist zuletzt gestiegen. Während der Anteil der auf Risiken überprüften Zulieferer in früheren Jahren noch bei rund 10 Prozent lag, erreichte er inzwischen einen Wert zwischen 13 und 17 Prozent. „Um flexibel auf Unwägbarkeiten in der Lieferkette reagieren zu können, ist eine Überwachung dieser Risiken unerlässlich“, warnt Olaf Riedel. Aus diesem Grund führt inzwischen eine große Mehrzahl von über 80 Prozent der befragten Unternehmen eine Liste mit potentiell risikobehafteten Zulieferern. Bei 21 Prozent der Befragten umfasste diese Liste bis zu 20 Zulieferer, bei 38 Prozent waren es 21 – 40 und immerhin noch 17 Prozent gaben an, dass sie 41 – 60 Zulieferer kritisch beobachten. Für Olaf Riedel ist diese Art der Priorisierung ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg: „Ein Unternehmen kann nicht alle Lieferanten gleichermaßen überwachen. Deswegen sollten sich die Firmen auf die Lieferanten konzentrieren, die für sie erfolgskritisch sind und die die meisten Unwägbarkeiten mit sich bringen.“

Wie of bewerten Sie Ihre als besonders riskant eingestuften Zulieferer?

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Regelmäßige Überprüfung der Lieferanten

Ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt, dass immer mehr Unternehmen ihre Lieferanten regelmäßig überprüfen. 86 Prozent der Studienteilnehmer untersuchen ihre Lieferanten demnach mindestens einmal pro Jahr auf mögliche Risikofaktoren. Die Zahl der entdeckten Mängel liegt dabei in der Regel eher niedrig, 80 Prozent der Unternehmen finden demnach durchschnittlich nur zehn oder weniger Mängel je Lieferant. Probleme gibt es allerdings beim Umgang mit den entdeckten Problemen: Bei zwei Dritteln der befragten Unternehmen waren nach einem Jahr nur 40 Prozent der Probleme behoben. In besonders drastischen Fällen kann dies sogar dazu führen, dass die Lieferantenbeziehung beendet wird. „013 haben demnach elf Prozent der Firmen mehr als fünf Lieferanten gekündigt.

Im kommenden Jahr rechnen die Studienautoren von Ernst&Young mit einer weiterzunehmenden Bedeutung des Supplier Risk Managements. Ein Grund dafür sei demnach, dass US-Bundesbehörden im dritten Quartal 2012 mehrere Kreditkartenunternehmen wegen Verstößen gegen gesetzliche Vorgaben bei der Lieferantenkontrolle abgemahnt hatten. Ähnliche Entwicklungen könnten bald auch in Europa folgen: „Dies wird erhebliche finanzielle Auswirkungen auf die Unternehmen nach sich ziehen, die keinen Fokus auf ein effektives Supplier Risk Management gelegt haben“, erklärt Olaf Riedel.

Auch mittelständische Unternehmen mit einer umfangreichen Lieferkette sollten angesichts dieser Entwicklungen sicherstellen, dass sie stets einen möglichst umfassenden Überblick über ihre Lieferanten haben – gerade mit Blick auf mögliche Haftungsrisiken oder finanzielle Verluste durch einen überraschenden Riss in der Lieferkette. Auch hier können eine Priorisierung und das Erstellen einer Liste mit als besonders risikobehaftet eingestuften Lieferanten ein wichtiger erster Schritt sein.