Freitag, 04.10.2013
Der Innenausstatter Ganter Interior nimmt jährlich 100 neue Lieferantne hinzu.

Ganter Interior

Der Innenausstatter Ganter Interior nimmt jährlich 100 neue Lieferanten hinzu – kein einfacher Prozess.

Einkauf
Lieferanten finden

Lieferantensuche: Stecknadel im Heuhaufen finden

Die Lieferantensuche ist manchmal mühselig. Luis Weiler von Ganter Interior spricht mit den Zulieferern seiner Lieferanten, um die besten Lieferanten zu finden.

„Woher bekommen wir die Materialien in der erforderlichen Qualität?“, ist die Leitfrage für Luis Weiler. Der Innenausstatter Ganter Interior integriert jährlich 100 neue Lieferanten in den Einkauf. Geschäftsführer Weiler hat eine Reihe von Techniken entwickelt, um die besten Lieferanten zu finden.

MuM: Als ein extrem schnell wachsendes Unternehmen müssen Sie im Einkauf Schritt halten. Wie gehen Sie da vor?
Luis Weiler: Unser strategischer Einkauf ist ständig auf der Suche nach sehr guten Lieferanten. Jährlich gewinnen wir rund 100 neue Lieferanten hinzu. Unser Bestand umfasst zurzeit 1.200 Lieferanten. Wir suchen weltweit. Ein guter Kanal sind Fachmessen, also solche, auf denen Lieferanten sich neues Equipment besorgen. Das ermöglicht uns eine Beurteilung darüber, in welcher Qualität sie die von uns angefragten Produkte liefern werden. Auf solchen Messen nehmen wir Kontakt zu den Maschinenherstellern auf.

Luis Weiler, Geschäftsführer bei Ganter Interior

MuM: Inwiefern ziehen Sie Rückschlüsse?
Weiler: Wenn ich weiß, mit welchen Furnierpressen ein Lieferant arbeitet, dann kann ich mir vorstellen, wie sauber abgeleitet die Kanten in den Showrooms sein werden. Auch die Hersteller von Bearbeitungszentren liefern uns wertvolle Hinweise.
Effizient ist dieser Weg vor allem auf neuen Märkten wie zum Beispiel in Nordamerika. Da erlaubt der Messebesuch einen guten Überblick über die Qualität der dortigen Lieferanten.

MuM: Einkäufer erhalten viele Anfragen über die Unternehmens-Websites. Finden Sie darüber auch neue Lieferanten?
Weiler: In der Tat erhalten auch wir viele Anfragen, zwischen 200 und 300 jährlich. Daraus haben sich bisweilen Möglichkeiten der Zusammenarbeit ergeben.

Deutsche Lieferanten wieder wettbewerbsfähiger

MuM: Sie sourcen global. Wie hoch ist der Anteil des Global Sourcing bei Ihnen?
Weiler: Aktuell beträgt der Anteil der internationalen Lieferanten 50 Prozent und ist steigend. Auffallend ist, dass die deutschen Lieferanten wieder wettbewerbsfähiger werden seit einigen Jahren. Interessante Regionen sind für uns der süddeutsche Raum und Ostwestfalen.

MuM: Wie bauen Sie Ihre Lieferanten auf?
Weiler: Bei uns steht die Frage im Vordergrund: Wie gut verhält er sich während der Bemusterungsphase? Oftmals unterschätzen Lieferanten ihre Kapazitäten und überschätzen ihre Flexibilität. Daher lassen wir die Auftragsmenge stetig wachsen. Wichtig ist für uns auch, ob der Lieferant für uns ein langfristiger Geschäftspartner werden will. Wir stellen uns vor, dass Lieferanten eines Tages damit werben, von uns ein Qualitätszertifikat für die Zusammenarbeit zu erhalten.

MuM: Mittelständische Unternehmen strukturieren zunehmend ihren Einkauf. Arbeiten Sie auch mit Lieferantenbeurteilungssystemen?
Weiler: Ja, wir haben ein solches System entwickelt. Darin fließen eine Reihe von Kriterien zu Qualität und Kompetenz des Lieferanten ein. Je nachdem, woher der Lieferant kommt, werden die einzelnen Lieferanten gewichtet, so dass schließlich hinter jedem Lieferanten eine Punktzahl steht. Diese Bewertung bedarf jedoch eines kontinuierlichen Reviews, ist also nicht statischer Natur. Unseren Projektleitern dient es als Suchhilfe.

MuM: Welche Probleme sind Ihnen in der Praxis mit Ihren Lieferanten schon begegnet?
Weiler: Wir mögen es nicht, wenn Lieferanten auf unsere Geschäftskunden zugehen und in Wettbewerb zu uns treten. Dies muss man ansprechen und im Vorfeld vertraglich regeln. In unserer Geschäftskultur ist dies verpönt, andere Länder empfinden dies nicht als so verwerflich. Vor allem muss man dieses Geschäftsgebaren auch mit verbundenen und beherrschten Unternehmen ausschließen.

MuM: Wie oft ist Ihnen dies schon passiert?
Weiler: Mit einem Lieferanten immer nur einmal. Die Versuchung ist groß, daher entwickeln wir unsere Lieferanten sukzessive.