Freitag, 04.12.2015

Wenn Lieferanten in der IT-Anbindung nicht mitziehen, sind sie heute noch nicht raus in der Auswahl. Preis und Qualität sind wichtiger. Aber die IT-Anbindung wird ein stärkeres Kriterium werden.

Bildquelle: Siemens

Einkauf
Offenlegung der Preiskalkulationen

Mittelständler fordern mehr Daten von Lieferanten

Lieferanten müssen sich darauf einstellen, dass die elektronische Anbindung stark zunehmen wird. Unternehmen wollen darüber hinaus auch von den Rationalisierungsvorteilen profitieren, die sie bei ihren Lieferanten sehen.

Mittelständische Unternehmen verlangen eine engere IT-Anbindung an ihre Lieferanten, ergibt eine Studie des Beratungsunternehmens Lünendonk. Insbesondere fordern die Einkäufer, dass die Zulieferer Preisanhebungen durch elektronisch übermttelte Daten ausführlich begründen. Für den „Procurement-Check 2015“ hat das Beratungsunternehmen über Tiefeninterviews elf Einkaufsleiter befragt. Die elektronische Anbindung der Unternehmen zu ihren Lieferanten schwankt zwischen 1 und 50 Prozent, mit Tenden zu den niedrigen Prozentwerten.

Von den Möglichkeiten, die eine verbesserte IT-Anbindung bietet, wollen sich die einkaufenden Unternehmen ein gutes Stück abschneiden. An erster Stelle steht die Erwartung, dass Lieferanten über die elektronische Anbindung eine ausführliche Begründung von Preisanhebungen liefern. Preise sind das sensible Thema in der Lieferantenbeziehung. Das wird auch deutlich an dem Wunsch einer Open-Book-Policy auf Seiten des Lieferanten, der darüber seine eigenen Preiskalkulationen offenlegen soll, wie das in der Automobilindustrie gängige Praxis ist. Hintergrund ist der Wunsch nach einer Teilhabe an den Kostenvorteilen, die Lieferanten realisieren.

IT-Anbindung von Lieferanten auf vielen Plattformen

Bei den genutzten Anwendungen ergibt sich ein sehr gemischtes Bild. Unternehmen setzen zum einen Supplier-Relationship-Systeme ein. Gängig ist zudem die Plattform SAP für ERP- und SRM-Anwendungen. Für Schnittstellen werden häufig EDI-Lösungen (Electronic Data Interchange) eingesetzt. Die EDI-Software ist jedoch mit hohen Kosten verbunden. Das scheuen viele Unternehmen und wählen stattdessen das Web-EDI. Damit können Unternehmen ihre Daten über ein Web-Portal eingeben. Sie bemängeln aber häufig den händischen Aufwand, der für das eingebende Unternehmen entsteht.

Die Studie listet 26 unterschiedliche Plattformen auf, die zur Zusammenarbeit mit Lieferanten genutzt werden. Darin finden sich unter anderem PDF-als-Rechnung, eigene Tools, Einkaufsplattformen, Marktplätze, Auktionen oder das elektronische Reklamationswesen. Wie die Studie etwas lapidar vermerkt, sei der bloße Automatisierungsgrad eines Prozessablaufs natürlich noch kein Indiz für eine wirksame Lieferantenanbindung. Dieser ist jedoch ohnehin nicht hoch. Die Hälfte der Unternehmen hat weniger als 10 Prozent der Lieferanten elektronisch angebunden.

USA abgeschlagen bei der IT-Anbindung

Die Anbindung verläuft in den Unternehmen noch nicht reibungslos. „Mit der Einbindung ihrer Lieferanten sind die Unternehmen weit weniger zufrieden als mit der Organisation ihrer Einkaufsprozesse im Allgemeinen“, beschreibt Studienautor Mario Zillmann die Situation. Besonders negativ wird die IT-Anbindung der Lieferanten bei den allgemeinen Abwicklungsprozessen und in die Belegflüsse für Bestellbestätigungen und Rechnungen bewertet. Oftmals mangelt es auch bei der IT-Anbindung in den Regionen außerhalb Deutschlands. „Überraschenderweise werden hier als Beispiel für eine weitgehend manuell abwickelnde Region im Unternehmensverbund die USA genannt“, erklärt Zillmann.

Technische Mängel werden für die mangelnde Integration der Lieferanten nicht in erster Linie verantwortlich gemacht. Die Mängelliste setzt an den Mitarbeitern an. Die geplanten Anpassungen werden angeführt von dem Ziel „Zentralisierung des Einkaufs“, gefolgt von „Einkaufskultur etablieren“ und „Verbesserung der Mitarbeiterqualifikation im Einkauf“. Erschwert wird die Situation aber auch durch Monopolstrukturen auf Lieferantenseite (an 6. Stelle).

Auch wenn die IT-Anbindung noch kein entscheidendes Kriterium für die Lieferantenauswahl ist, wird dies in Zukunft wichtiger. Entscheidend ist dafür der Automatisierungsgrad des einkaufenden Untenehmens.

Info

Handicap: die eigene IT-Landschaft
5 Gründe, warum die eigene IT-Landschaft die IT-Anbindung an die Lieferanten so stark erschwert.

  1. Heterogenität der eigenen IT-Landschaft verhindert konsistente und durchlaufende Einkaufsprozesse.
  2. Die Standardsoftware renommierter Anbieter verlangt aufwendige Schnittstellenlösungen, um andere Subsysteme an diese Standardsoftware anzubinden.
  3. In Unternehmensgruppen werden unterschiedliche Releases der Software verwendet.
  4. Selbst bei einem einheitlichen SAP-System sind die Datenstrukturen innerhalb einer Unternehmensgruppe nicht immer identisch, so dass ein hoher Abstimmungsaufwand entsteht.
  5. SAP-Systeme werden als teuer und wenig flexibel beschrieben.

Quellen: Lündendonk, Markt und Mittelstand

Weitere Informationen: „Lünendonk-Studie 2015: Procurement-Check“, http://luenendonk-shop.de/Luenendonk-Studien/ITK-Markt/Luenendonk-Studie-2015-Procurement-Check-2015.html