Montag, 08.02.2016

Risiko Lieferkette: Der Ausfall eines Lieferanten beispielsweise durch einen Brand in der Produktion kann für erhebliche Probleme sorgen.

Bildquelle: Abadonian/Thinkstock/Getty Images

Einkauf
Bruchstellen in der Lieferkette finden

Produktionsstillstand höchstes Risiko in der Lieferkette

Risikomanager fürchten am stärksten den Ausfall eines Lieferanten in der Supply Chain und Cyberattacken. Was Mittelständler im Risikomanagement beachten müssen, wie sie sich gegen die Insolvenz eines Lieferanten schützen können.

Betriebsunterbrechungen werden weltweit am stärksten gefürchtet.  Bei fast jedem zweiten Unternehmen (46 Prozent) steht dieses Risiko an erster Stelle. Naturkatastrophen gelten als zweitgrößte Gefahr (30 Prozent), gefolgt von Feuer und Explosion. Zu diesem Ergebnis kommt das Allianz Risk Barometer. Befragt wurden weltweit 800 Risikomanager aus über 40 Ländern. In Deutschland steht ein  Produktionsstillstand an zweiter Stelle. Hierzulande sorgen sich die Unternehmen stärker vor Marktentwicklungen wie einem verschärften Wettbewerb, Volatilität oder Stagnation. Insbesondere nicht-traditionelle Konkurrenten und Start-ups werden gefürchtet.

Risiken in der Lieferkette: Bruchstellen identifizieren

Cybervorfälle stehen in Deutschland unter den gefürchteten Risiken in der Lieferkette an dritter Stelle. Kaspersky Lab gibt die durch einen Datensicherheitsvorfall verursachten Schäden auf 720.000 US-Dollar an. Gezielte Attacken können Schäden bis zu 2,54 Mio. US-Dollar erreichen. Infolge eines Cyberangriffs erleiden die Firmen wirtschaftliche Schäden wie einen Reputationsverlust, Betriebsunterbrechungen oder den Verlust von Kundendaten.

Für mittelständische Unternehmen ist es schwierig, die Risiken in der Lieferkette abzuschätzen. Der Mittelständler Hottinger Baldwin Messtechnik hat bei 12 wichtigen Bauteilen berechnet, wie stark ein Ausfall in der Supply Chain das Unternehmen schädigen würde. In die Berechnung ging auch der Aufbau eines alternativen Lieferanten ein. Desweiteren nutzt Karl-Heinz Pöhlmann, der bei  Baldwin als Vize-Präsident die Supply Chain steuert, eine Software, die zugeschnitten auf seine Lieferkette aktuelle Informationen bereitstellt. „Verschiedene Unternehmensbereiche – zum Beispiel der Einkauf, die Logistik, die Produktentwicklung und die Finanzabteilung – müssen gemeinsam robuste Prozesse entwickeln, um Bruchstellen in der Lieferkette zu identifizieren“, sagt Volker Münch, Global Practice Group Leader bei AGCS Property Underwriting. Auch er rät zu einer detaillierten Analyse der der Lieferkettenrisiken i n jedem Unternehmen.

Abfrage von Bankdaten

Die Ursachen der Betriebsuntersuchungen sind Lieferantenausfälle (35 Prozent) Qualitätsmängel (24 Prozent), Cyberangriffe (17 Prozent), soziale Unruhen (11 Prozent) und Fachkräftemangel (7 Prozent). Oftmals treten diese Störungen ohne Warnzeichen auf. „Betriebsstörungen ohne vorausgegangenen Schaden werden verstärkt zum Problem“, ergänzt Münch. Unternehmen müssen sich gegen die unterschiedlichsten, nicht vorhersehbaren Risiken in der Lieferkette wie Streiks, behördliche Gebietssperrungen infolge einer Pandemie oder soziale Unruhen absichern.

Die Insolvenz eines Lieferanten in der Lieferkette kann ein Unternehmen plötzlich treffen. Oftmals sind aber auch schon vorher Warnzeichen zu sehen, wenn ein Einkäufer den Lieferanten besucht. „Es wurde nicht mehr investiert. Man sah einfach, dass die Firma in Schwierigkeiten steckte“, beschreibt ein Einkäufer sein negatives Bauchgefühl, das er bereits zwei Jahre vor der Insolvenz des Lieferanten hatte. Um sich dagegen zu schützen, werden Bankdaten abgefragt oder Auskunfteien genutzt. Diese gelten allerdings als relativ hochpreisig.

2022 © Markt und Mittelstand · Alle Rechte vorbehalten.

Der Newsletter für Unternehmer – jeden Donnerstag in Ihr Postfach

NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN