Mittwoch, 03.07.2013
Risikomanagement im Einkauf.

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Risikomanagement im Einkauf bedeutet, auch das kleinste Bauteil im Blick zu haben und alternative Lieferanten aufzubauen für den Fall, dass es zu Ausfällen in der Lieferkette kommt.

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Risikomanagement im Einkauf

Ein mangelhaftes Risikomanagement kann ein Unternehmen gefährden. Unterschiedliche Methoden entschärfen das Problem für den Einkauf im Unternehmen. Acht Methoden im Überblick.

Die Folgen eines mangelhaften Risikomanagements können verheerend sein. Wer nur auf einen Lieferanten bei strategisch wichtigen Bauteilen setzt, gefährdet im Ernstfall das gesamte Unternehmen. Diese bittere Lektion musste auch der damalige Telekommunikationskonzern Ericsson lernen. Wenig bekannt ist, dass der Rückzug des schwedischen Konzerns aus dem Mobiltelefongeschäft auch mit dem Feuer in einer Halbleiterfabrik in Albuquerque in New Mexico im Jahr 2000 zusammenhing. Eine dort ansässige Chip-Fabrik von Philips hatte ein elektronisches Bauteil an Sony Ericsson geliefert. Das nur 10-minütige Feuer hatte verheerende Auswirkungen, die Einnahmenausfälle werden auf 400 Millionen US-Dollar geschätzt. Die Produktion von Mobiltelefonen ruhte bei Ericsson einige Monate. Das wichtige Bauteil hatte nur ein Lieferant geliefert, eine solche, sehr gefährliche Vorgehensweise ist unter Einkäufern bekannt als Single Sourcing.
Die jüngsten Unruhen in Brasilien verdeutlichen das immer noch hohe politische Risiko in den aufstrebenden Volkswirtschaften. Den Chancen in den Schwellenländern stehen gravierende Nachteile gegenüber. „In Brasilien, aber auch in anderen südamerikanischen Ländern, sind die klimatischen Besonderheiten eine enorme Herausforderung für die Logistik – heftige Unwetter behindern immer wieder einen reibungslosen logistischen Fluss und führen auch zu hohen Prozess- und Rohstoffkosten, die sich signifikant in den Total-Cost-Rechnungen niederschlagen“, sagt Lars Immerthal, Global Sourcing-Experte bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Eine weitere Herausforderung in Brasilien sei die Infrastruktur des Landes. Die aktuellen Proteste würden zeigen, wie wichtig der Erhalt der bestehenden Infrastruktur sei.

Risikomanagement verpflichtend für Aktiengesellschaften

Immer wieder gefährden Ausfälle die Abläufe in Unternehmen bis hin zum Weiterbestand des Unternehmens aufgrund eines mangelhaften Risikomanagements. Die atomare Katastrophe von Fukushima führte insbesondere in der Automobilbranche dazu, dass kurzfristig gravierende Lieferengpässe entstanden. Weltweit wurden relativ viele, insbesondere elektronische Bauteile aus der Gegend um Fukushima bezogen. Der Automobilbauer PSA Peugeot Citroen musste als Folge des Tsunami und des Reaktorunfalls die Fertigung von Dieselmotoren zeitweilig einstellen. „Nicht nur die regionale Verflechtung ist ein Risiko, auch das Single Sourcing kann ein Problem darstellen“, warnt auch Tobias Német, Geschäftsführer von Roi Consulting in Wien. Entwicklungspartnerschaften lassen sich im Zweifelsfall nicht einfach transferieren, ein alternativer Lieferant muss daher schon frühzeitig vom Einkauf im Unternehmen eingebunden werden.

In Deutschland sind Aktiengesellschaften durch das „Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich“ dazu verpflichtet, ein Risiko-Früherkennungssystem einzuführen. Darüber hinaus trägt Basel II den Banken auf, bei Kreditvergaben die Lieferstrategien des Unternehmens auf mögliche Risiken zu überprüfen. Manche Unternehmen begegnen bedrohlichen Szenarien auch mit ausgeklügelten Risikomanagementsystemen, die weit über das Übliche hinausgehen. „Nach dem Kauf dreier Zementfabriken in Libyen hat das Mutterunternehmen einen detaillierten Notfallplan erstellt“, sagt Német. . „Bei Ausbruch des Aufstandes in Libyen konnten durch verschiedene Evakuierungsmöglichkeiten die Mitarbeiter in Sicherheit gebracht werden.“

Risikomanagement durch Alternativ-Lieferanten verbessernAufbau von Lieferanten aus komplett anderen Regionen. Um das regionale Risiko zu senken, sollte mindestens ein Alternativ-Lieferant aus einer komplett anderen geographischen Region aufgebaut werden.
Bildquelle: ThinkstockKein Single SourcingKein Kostensparen durch Single Sourcing: Nach Möglichkeit sollten in jedem Fall Alternativ-Lieferanten entwickelt werden.
Bildquelle: ThinkstockIm Risikomanagement Zwischenlager einbauenZwischenlager können Schwankungen in der Logistik ausgleichen. Beispiel: Importe aus dem östlichen Teil von Russland lassen sich logistisch nicht genau planen. Zwischenlager in dazwischen liegenden Ländern wie hier zum Beispiel in Ungarn können für planbare Lieferungen sorgen.
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Im Risikomanagement Betriebsausfälle versichernVerringerung der finanziellen Schäden durch Lieferausfälle durch Betriebsunterbrechungsversicherungen. Solche Versicherungen sind in erster Linie für Schäden auf dem eigenen Betriebsgrundstück gedacht. Eine Erweiterung durch Rückwirkungsklauseln sichert auch Betriebsunterbrechungen in Zulieferbetrieben ab.
Bildquelle: AdeccoAufbau einer Datenbank im Einkauf im UnternehmenAufbau eines Risikomanagement-Systems im Unternehmen. Einkäufer holen bei ihren Lieferanten einkaufsrelevante Daten ein, wie Kennzahlen zu Umsatz, Mitarbeiterzahl oder Gewinn. Diese Informationen können durch SAP-Daten ergänzt werden, wie beispielsweise Umsatz des Lieferanten mit dem eigenen Unternehmen, welche Teile im einkaufenden Unternehmen bezogen werden oder Preise.
Bildquelle: thinkstockablestock.com@getty imagesIm Risikomanagement Notfallplan erstellenErstellen eines Notfallplans: Eine reibungslose Kommunikation mit eindeutigen Zuständigkeiten erspart im Ernstfall der Unterbrechung von Lieferungen unnötige Warteschleifen. Dieser Plan sollte regelmäßig aktualisiert und auf Schwachstellen hin geprüft werden. Wichtig ist die reibungslose Kommunikation zwischen Einkauf und Geschäftsführung.
Bildquelle: DrägerwerkDurch Anbindung an feste Wechselkurse Währungsrisiken im Risikomanagement absichernWährungsrisiken im Blick behalten: Absicherung von Währungsrisiken durch die Einschaltung einer weiteren Währung im Einkauf, die mit der gefährdeten Währung durch einen festen Kurs verbunden ist.
Bildquelle: Wikicommons Elyyo_lliwIm Einkauf im Unternehmen von Lieferanten Bankauskünfte abfragenAbfragen von Bankauskünften: Der Einkauf kann über Banken finanzielle Auskünfte zu seinen Lieferanten erfragen. Damit erhält er oftmals aktuellere Informationen als über Auskunfteien zu beziehen sind.
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