Donnerstag, 14.11.2013
Über 2.000 Teilnehmer diskutieren aktuell in Berlin die Herausforderungen im Einkauf im Unternehmen.

Bildquelle: bme

Über 2.000 Teilnehmer diskutieren aktuell in Berlin die Herausforderungen im Einkauf im Unternehmen.

Einkauf
Warnungen vor Engpässen in der Lieferkette

Sinkende Rohstoffpreise: "Zeit für Einkäufer"

Der Einkauf profitiert von niedrigen Rohstoffpreisen. Die Risiken werden zunehmen, sagte Wiedmann auf dem bme-Symposium. Heller und Opel stellten ihre Transformation im Einkauf vor.

Die Lieferketten in den Unternehmen sind zunehmend gefährdet. „Naturkatastrophen, politische Unruhen, Rohstoffengpässe und Währungsschwankungen werden weltweit zunehmen“, warnte Horst Wiedmann, Vorstandsvorsitzender vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (bme). Die Märkte seien unberechenbar. Wer unvorbereitet erst in der Krise reagiere, handele fahrlässig. Der spekulationsgetriebene Handel von Finanzinvestoren mit Rohstoffen führe zu volatilen Rohstoffpreisen.

Positiv bewertete Wiedmann erste Erholungstendenzen in der Eurozone und die aktuell gesunkenen Rohstoffpreise,  insbesondere im Stahlsektor. „Es ist Einkäufer-Zeit“, erklärte Wiedmann gegenüber Journalisten. Auf dem Stahlmarkt seien zwischenzeitlich sogar Überkapazitäten aufgebaut worden.

In Berlin diskutieren aktuell über 2.000 Einkäufer auf dem 48. bme-Symposium Themen wie Risiken in der Supply Chain, Energiebeschaffung oder Innovationen in Einkauf. Den diesjährigen bme-Innovationspreis erhielt die Dräxlmeier Group für ihre Neuausrichtung des Einkaufs.

Flexible Montage bei Heller

Die Positionierung des Einkaufs im Unternehmen ist ein Kernthema auf dem diesjährigen Symposium. Stephan Schnädter, Leiter Einkauf und Supply Chain Management der Heller Maschinenfarbik, stellte die Neuausrichtung im Einkauf von Heller vor. Indem Einkauf und Technik gemeinsam Warengruppen untersuchten, wurden bei vier Pilotwarengruppen deutliche Ersparnisse realisiert. Je ein Mitarbeiter aus Technik und Einkauf bearbeiteten die Problemfelder, flankiert von zwei Mitarbeitern aus dem Einkauf, die eigens für den strategischen Wechsel freigestellt wurden.

Umfassende Schulungen, auch im Konfliktmanagement, begleiteten den Prozess. Denn: „Auch bei solchen neuen Projekten menschelt es“, schränkte Schnädter ein. Bedingt durch die unterschiedlichen Ziele ist eine Kooperation zwischen Technik und Einkauf in der Praxis oftmals problematisch.

Neben den Einsparungen verbesserten sich im Einkauf bei Heller zudem die Lieferzeiten und Verfügbarkeiten. Die Re-Organisation erlaubt eine größere Flexibilität in der Fertigung, um die Einkaufskosten zu minimieren: „Heute ermöglichen die Einkaufsprozesse, dass die jeweilige Maschinenmontage flexibel zwischen den Standorten verschoben werden kann.

Einsparungen bei Opel

Auch der Einkauf von Opel befindet sich in einem Transformationsprozess. Seit einem Jahr arbeitet der Einkauf im Unternehmen mit einer Perfoming Pricing Analyse. Durch statistische Kostenstrukturanalysen werden Kostentreiber ermittelt. „2,2 Milliarden Euro Einkaufsvolumen sind bei uns bis jetzt durch diese Modelle gelaufen“, erklärte Oliver Soltau, Manager Product Purchasing bei Opel. In welcher Höhe Einsparungen generiert wurden, ließ er offen.

Die Analyse berechnet eine lineare Regression der Koeffizienten, was die Kostentreiber offenlegt. Die Ergebnisse legt der Einkauf von Opel seinen Zulieferern vor, um somit Verbesserungen in Workshops zu erzielen. Auch dieses Zusammenspiel ist in der Praxis nicht ohne Widerhaken. Zulieferer und Einkäufer sind von unterschiedlichen Interessen geprägt: „Wir müssen das Fahrwasser verlassen, uns gegenseitig Fehler nachzuweisen“, forderte Soltau.

Im Team könnten Zulieferer, Hersteller und Käufer eine Win-Win-Situation erreichen: „Schließlich betreiben wir hier kein mathematisches Vodoo.“  Das jährliche Einkaufsvolumen von GM PSA umfasst in Europa rund 25 Milliarden Euro. Weltweit ist GM der drittgrößte Einkäufer in der Automobilbranche. Das Modell eigne sich jedoch auch für mittelständische Unternehmen, sagte Soltau.