Montag, 30.06.2014
Für den Einkauf eine aufwändige Aufgabe: Produktmängel können für das Unternehmen teuer werden

Bildquelle: WWF

Für den Einkauf eine aufwändige Aufgabe: Produktmängel können für das Unternehmen teuer werden. bei einem Beistelltisch vom Dänischen Bettenlager wurden in einer Untersuchung vom WWF tropische Hölzer, die auf der Liste der bedrohten Arten stehen, nachgewiesen

Einkauf
Lieferanten werden zur Verantwortung gezogen

So handhaben Unternehmen Produktmängel

Falschdeklarationen im Einkauf sind nicht selten. Doch ihre Folgen können verheerend sein – von Bußgeldern bis zu 50.000 Euro bis hin zu Bewährungsstrafen. Wo falsche Angaben auftreten und wie Unternehmen darauf reagieren.

Sitzmöbel, Besenstiele, Vogelhäuser oder Beistelltische: Darin können sich tropische Hölzer verbergen, wie WWF-Marktrecherchen ergaben. Die Stichproben bei Holzprodukten deutscher Händler ergaben bei 8 von 13 Holzprodukten Falschdeklarationen. Nur bei jedem dritten Holzprodukt stimmten Holzart und Etikett überein. Der WWF bewertet die Falschdeklarationen bei den Holzarten als „Verstoß gegen das Holzhandelssicherungsgesetz“. Damit droht ein Bußgeld in Höhe von 50.000 Euro.

Unternehmer oder Führungskräfte im Unternehmen werden für Produktmängel nicht mehr nur von Umweltschutzgruppen, sondern zunehmend auch vom Gesetzgeber, verantwortlich gemacht. Dies kann sogar bis zu einer Bewährungsstrafe gehen. Nordrhein-Westfalen hat dem Bundesrat einen Gesetzesantrag zur strafrechtlichen Verantwortung von Unternehmen vorgelegt. Das Strafmaß würde damit noch einmal deutlich höher ausfallen. Denn Bußgelder seien nicht hinreichend präventiv, heißt es darin, „weil sie insbesondere für große Wirtschaftsunternehmen ein kalkulierbares Risiko bleiben.“

Bei den Unternehmen ist diese Gesetzesinitiative nicht unumstritten. Bemängelt wird, dass die Neuerungen der europäischen Gesetzgebung die Produkt-Verantwortung immer weiter in Richtung Handel verlagere. Den Unternehmen entsteht dadurch ein zusätzlicher Aufwand und Kostenblock. Ein mittelständisches Unternehmen mit einem Umsatzvolumen von rund 100 Millionen Euro kann für eine nachhaltige und zertifizierte Qualitätskontrolle mit externen und internen Kontrollen rund 500.000 Euro ansetzen.

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„Finanzieller Schaden nicht unerheblich“

Auf die Vorwürfe haben die Unternehmen ganz unterschiedlich reagiert. Bei dem Dänischen Bettenlager wurden bei zwei überprüften Produkten – ein Bilderrahmen, ein Beistelltisch – die Deklarationen bemängelt. Bei dem Beistelltisch stand auf einer Informationstafel im Markt die Holzart Fichte. Dies bestätigte der Möbelhändler auf Anfrage vom WWF – obwohl im angehängten Dokument „Supplier EU Timber Regulation Statement“ ausschließlich die Holzart Pinie – also Kiefer – aufgeführt war. Gefunden wurden im Produkt die Holzgattungen Kiefer, Merbatu, chinesische Spießtanne, Kedongdong, Pappel und Pehapan. Dabei handelt es sich um mehrere Holzarten, die auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen. Gegenüber dem WWF gab das Unternehmen an, dass es sich um eine Verwechslung handele. Auf Anfrage von Markt und Mittelstand war das Dänische Bettenlager zu keinerlei Aussagen bereit.

Auch bei einem Gartenstuhl von Sconto, der als „PEFC Hartholz gemischt“ deklariert worden war, fand der WWF mehrere tropische Hölzer, die ebenfalls auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Liste aufgeführt sind. „In dem vorliegenden Fall wurden trotz klarer Absprachen und Kontrollen sowie das Vorweisen eines PEFC-Zertifikates, nicht erlaubte Hölzer verwendet“, erklärt Peter Zengerling, Geschäftsführer von Sconto. Das Unternehmen teilte mit, dass eine weitere Zusammenarbeit mit dem Produzenten bis auf weiteres eingestellt wurde. Für das Unternehmen ist das Ergebnis nicht folgenlos: „Die Frage eines Reputationsschadens ist schwer einzuschätzen – der finanzielle Schaden ist nicht unerheblich.“ Zukünftig will der Möbelmarkt zusätzliche Stichproben der eingekauften Produkte durchführen.

Falschdeklaration einer Baumbank

Deutlich schärfer hat die Drogeriemarktkette Rossmann reagiert. Der WWF hatte bei einer Baumbank aus Eiche, die als „chinesische Eiche“ deklariert worden war, überwiegend Berangan-Holz gefunden. „Dieses aus Südost-Asien stammende Holz gehört zwar zur gleichen Familie, aber nicht zur gleichen Gattung wie Weiß- oder Roteiche“, spezifiziert der WWF. Damit sei die Bezeichnung „Eiche“ eine Verbrauchertäuschung, denn Sitzmöbel fallen nicht unter die EU-Holzhandelsverordnung.

Rossmann gab auf Nachfrage an, dass das Produkt aus dem Shop genommen wurde, bis die Vorwürfe geklärt sind. Die Untersuchung des Produkts durch einen Sachverständigen sei beauftragt worden. „Sollte sich herausstellen, dass der Lieferant uns etwas anderes geliefert haben sollte, als von uns bestellt wurde, behalten wir uns vor, Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. Rossmann weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass auch der Lieferant selber Opfer einer strafbaren Handlung gewesen sein könnte.

Nicht nur die Falschdeklaration war auffallend, auch der Umstand, dass das Holz bereits in verpacktem Zustand von einem Fäulnispilz befallen gewesen sein soll, wie der WWF aufführt. Berangan-Holz sei im Gegensatz zu Eiche für den Außenbereich völlig ungeeignet.

Info

EU-Holzhandelsverordnung

2003 hat die EU einen Aktionsplan erstellt mit dem Ziel, gegen den Import von illegalen Holz- und Papierprodukten vorzugehen. Daraus resultierte die EU-Verordnung Nr. 995/2010 über „die Verpflichtungen von Marktteilnehmer, die Holz und Holzerzeugnisse in Verkehr  bringen“ (EU-Holzhandelsverordnung, EUTR).

In Deutschland erfolgte die Umsetzung der EU-Holzhandelsverordnung mit dem Gesetz gegen den Handel mit illegal eingeschlagenem Holz (HolzSiG).
Das Gesetz sieht vor, dass derjenige, der Holz- und Holzprodukte in der EU als Erster auf den Markt bringt, deren legale Herkunft nachweisen muss. Holzart und Holzherkunft müssen nachgewiesen werden.