Sonntag, 23.09.2012
Einkauf
Einkauf und Beschaffung

Social Compliance im Einkauf

Social Compliance wird im Einkauf immer wichtiger. Einige Stolperfallen sollten Einkäufer kennen, damit sie nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Manch ein Unternehmen wird geradezu überschwemmt mit Kundenanfragen zum Thema Compliance. Nachgeforscht wird beim Einkauf auf allen Kanälen: per Anruf, Fragebogen, Email. Wie schnell ein Unternehmen aus der Grauzone heraustritt, zeigt das Beispiel des Textildiscounters Kik. Nach dem Brand in der pakistanischen Textilfabrik Ali Enterprises, bei dem über 250 Menschen starben, wurde bekannt, dass KIK von dieser Fabrik Waren bezogen hat. Daher kommen Unternehmen nicht daran vorbei, ihre Einkaufsstrukturen zu überprüfen.
Auch Verstöße gegen das Kartellrecht wiegen schwer. Untersuchungen des Bundeskartellamtes betreffen den Lebensmitteleinzelhandel, Drogerie-Artikel, Tierfutter und Optik. Die Ermittler bemängeln insbesondere die Abstimmung von Verkaufspreisen zwischen den Lieferanten oder die Festschreibung von Verkaufspreisen. Auch Einkäufer werden für solche Praktiken haftbar gemacht. Was geht gar nicht in Beschaffung und Einkauf? Worauf müssen Einkäufer und Unternehmer achten?

Kein Spiel über die BandeIn England traten die ersten Fälle zu „Hub & Spoke“ (Nabe und Speiche) auf. Das Bundeskartellamt ermittelt im Einzelhandel gegen indirekte Absprachen von Lieferanten über Einkäufer. Wenn Lieferanten bei einer Preisverhandlung mit einem Einkäufer Preisinformationen nutzen, um sich mit anderen Wettbewerbern abzustimmen und die Preise hochzuhalten, wird auch der Einkauf zur Verantwortung gezogen.
Bildquelle: Gerd Altmann / Pixelio.deKeine Preisbindung der zweiten HandKein Lieferant darf einem Händler vorschreiben, zu welchem Preis er an den Verbraucher verkauft. Eine unverbindliche Preisempfehlung darf nicht als verbindlich vom Lieferanten vorgeschrieben werden. Die Preisbindung der zweiten Hand ist verboten und ein schwerwiegender Kartellverstoß. Dafür wird auch der Einkauf haftbar gemacht.
I. Rasche / Pixelio.deKeine persönliche VorteilnahmeSo banal es klingt – ein Unternehmen muss Grundsätze zur Ausschaltung einer persönlichen Vorteilnahme seiner Mitarbeiter aufstellen. Der Wert eines Geschenks sollte nicht über 30 bis 35 Euro betragen. Einladungen sollten firmenintern mit einem entsprechend Beauftragen (Compliance Officer) geklärt werden. Persönliche Vorteilnahmen können Unternehmen nachhaltig schädigen.
Bildquelle: S.Media / Pixelio.deAusschalten von Maverick BuyingMaverick Buying beschreibt den „wilden Einkauf“. Das heißt, Abteilungen bestellen eigenständig an der Einkaufsabteilung vorbei. Besonders stark vertreten ist Maverick Buying im Einkauf von Reiseleistungen. Unternehmen sollten jedoch alle Einkaufsaktivitäten im Unternehmen jederzeit nachvollziehen können. Eine Standardisierung des Einkaufs durch elektronische Prozesse und Dokumentationen kann solche Vorgänge weitestgehend ausschalten.
Bildquelle: Alexandra H. / Pixelio.de

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