Montag, 01.02.2016

Container Terminal in Qingdao Hafen. Einkäufer sind verunsichert, in welche Richtung der Renminbi geht. Sie warten ab und steigen vorerst nicht in ein verstärktes Sourcing in China ein.

Bildquelle: tcly/Thinkstock/Getty Images

Einkauf
Risiken wiegen schwachen Renminbi nicht auf

Sourcing in China wird wider Erwarten nicht attraktiver

Sourcing in China wird zwar günstiger durch den schwächeren Renminbi. Doch Einkäufer warten trotzdem ab und kaufen nicht vermehrt in China. Woran das liegt.

Parallel zur Abwertung des Renminbi stiegen die deutschen Einfuhren aus China 2015 stärker als erwartet. Sie lagen um 2,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Das Sourcing in China wird zumindest aus der Sicht der stetig abwertenden Währung wieder interessanter. Das wiegt jedoch die Risiken und den noch immer relativ hoch notierten Renminbi nicht auf. „Es ist durch die immer noch große Stärke des Renminbi für viele Zukaufmaterialien nach wie vor nicht sonderlich interessant, in China zu kaufen“, sagt Bert Bullerschen, Einkaufsleiter bei Thermamax. Besonders stark nachgefragt werden aus Deutschland Maschinen, Textilien, Metalle und Chemieprodukte.

Unsicherheiten für das Sourcing in China

Beobachter gehen von einem Druck auf den Renminbi aus, der zu einer weiteren Abwertung führen wird, insbesondere aufgrund der schleppenden Inlandskonjunktur in China. Erst kürzlich ist die chinesische Währung in den Vorzugsrechte-Korb des internationalen Währungsfonds aufgenommen worden, was die Bedeutung der chinesischen Währung und der Wirtschaftsmacht Chinas spiegelt. „Der Wechselkurs ist relativ volatil. Viele Einkäufer warten ab und sind unsicher, in welche Richtung das geht“, erklärt Minrui Ji, China-Geschäftsführerin der Beratungsgesellschaft Inverto.

Eine politisch motivierte und flankierte Abwertung, um die Exportwirtschaft anzukurbeln, kann sich China nach ihrer Ansicht nicht mehr erlauben. „Man muss jetzt die Produktivität erhöhen.“ Eine Umfrage von Kloepfel Consulting unter Einkäufern ergab, dass jeder zweite (48%) mit einem weiter fallenden Renminbi rechnet, von einem gleichbleibenden Kurs gehen 23 Prozent aus.

Sourcing in China über Joint Venture

Inverto rechnet 2016 mit steigenden Importen von elektro-mechanischen Erzeugnissen, Elektronik und Industriekomponenten. Importiert wurden 2015 rund 80 Milliarden Euro aus China. Gestiegen ist im vergangenen Jahr der Import von Stahl aus China. Matthias Gabler verarbeitet in Sandersdorf-Brehna östlich von Halle 6.000 Tonnen Stahl. Der Geschäftsführer von Stahlbau Brehna hat auch europäische Kunden, die in Asien Projekte abwickeln. Er produziert darüber hinaus in einem Joint Venture in der Stadt Kunming in der Provinz Yunnan. „Auch wenn die Preise sehr gut sind, ist die qualitative Bearbeitung des Stahls ein Problem“, sagt Gabler. Er arbeitet eng mit seinem chinesischen Partner zusammen, um die Qualität abzusichern. In der Provinz Yunnan ist es das erste deutsch-chinesische Joint Venture. Mit der Versorgungssicherheit, oft ein Problem beim Einkauf in China, hat er bislang keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Die oft sprunghaften Geschäftsbeziehungen mit China führen dazu, dass Einkäufer eine zweite Quelle aufbauen. Diese Zusatzkosten gehen in die Gesamtbetrachtung mit ein und können – trotz des günstigeren Renminbi – noch immer den Kostenvorteil stark schmälern. „Beim Global Sourcing sollte die Einkaufseinsparung mindestens 20 Prozent sein“, sagt ein Einkaufsleiter aus dem süddeutschen Raum.

Keine vollen Auftragsbücher

Lieferfristen sind ein weiteres Risiko für das China-Sourcing, das die Einsparung im Einkauf durch die Abwertung des Renminbi deutlich schmälern kann. Henning Pröpper, Geschäftsführer des eCommerce Versandhauses Off Price, kann solche Risiken nicht eingehen. Das stark wachsende Unternehmen hat aus diesem Grund einen Lieferanten in China ausgelistet und sich Richtung Osteuropa orientiert. Dennoch bezieht Off Price zwei Drittel des gesamten Einkaufs aus China. Und in seiner Branche registriert er einen starken Warendruck. „Die chinesischen Lieferanten haben derzeit keine vollen Auftragsbücher. Daraus ergeben sich für uns attraktive Preise .“

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