Donnerstag, 29.01.2015
Supply Chain: Ganzheitliches Change Management betrifft jeden einzelnen Mitarbeiter.

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Supply Chain: Ganzheitliches Change Management betrifft jeden einzelnen Mitarbeiter.

Einkauf
Erfolgreich bleiben in Zeiten der Veränderung

Supply Chain: Change Management verbessert Liefertreue

Die Bedeutung des Change Managements in der Supply Chain wird häufig unterschätzt. Ohne die richtige Methode scheitern Veränderungsprozesse letztlich in der Umsetzung. Doch Hauptursache ist zu wenig Wissen über Change Management seitens der Führungskräfte.

Veränderungen und neue Herausforderungen bei Betriebsabläufen sind nicht zu vermeiden. Obwohl sich aus Umgestaltungen auch neue Chancen ergeben könnten, liegt es schon in der Natur des Menschen, sich zuerst gegen Veränderungen zu wehren. Eine ganzheitliche Change-Management-Strategie soll dazu führen, dass Projekte reibungslos und vor allem gewinnbringend ablaufen. Jedoch sind Veränderungsmaßnahmen in den meisten Fällen weder erfolgreich noch führen sie zu einer nachhaltigen Verbesserung. „Etwa 60 Prozent aller Veränderungsprozesse scheitern in der Umsetzung“, sagt Stefan Treiber, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Candidus Management Consulting.

Supply Chain: Change Management ist Führungsthema

Der Grund für das Scheitern eines Veränderungsprojektes ist der Umgang mit Widerstand innerhalb der Organisation. Führungskräfte sollten deshalb – gerade zu Beginn eines Projekts – dafür sorgen, dass Widerstände wie beispielsweise Misstrauen, Unsicherheiten oder sinkende Motivation gegenüber einer neuen Herausforderung aus dem Weg geräumt werden und somit bei jedem Mitglied des Projektteams die Akzeptanz sichergestellt ist.
Treiber: „Zu Beginn jedes Projekts steht der Dialog mit den Mitarbeitern, wobei es dabei meistens am sinnvollsten ist, vor allem die Notwendigkeit des Projekts zu verdeutlichen“.  Im nächsten Schritt geht es darum, das notwendige Wissen oder die Fertigkeiten der einzelnen Mitarbeiter zu schärfen. Gerade wenn viele neue Komponenten auf das Team zukommen, empfiehlt es sich, Workshops oder sogar längerfristige Coachings anzusetzen.

Supply Chain: Höhere Liefertreue, geringere Durchlaufzeiten

„Es gibt nicht den einen richtigen Change Management Ansatz, sondern man muss ganz klar sagen, dass es für jedes Unternehmen andere Strategien gibt und auch innerhalb eines Unternehmens kann es je nach Phase unterschiedliche Lösungen geben“ erklärt Treiber. Bei einem Zulieferer in der Schienenindustrie konnten in der Supply Chain mithilfe intensiven Trainings und unternehmensspezifischer Methodik nicht nur die Liefertreue verbessert und die Durchlaufzeiten reduziert werden, sondern auch die Produktivität erhöht werden. Die Herausforderung der Prozessoptimierung bestand darin, die dezentralen Strukturen und das fehlende Wissen zu beseitigen, sowie die Transparenz und die Liefertreue zu steigern.

Erster Schritt zur Optimierung der Supply Chain war ein Quick-Scan des Unternehmens, woraufhin  ein Grobkonzept, ein Implementierungsfahrplan und eine Potentialermittlung folgten. Dabei stellte sich heraus, dass es in diesem Fall sinnvoller war, auf tagesgenaue Anlieferungen umzustellen, woraus eine höhere Liefertreue resultierte. Die kürzeren Wiederbeschaffungszeiten sorgten gleichzeitig für eine Verbesserung bei der Lieferfähigkeit. Dies zeigte sich auch in einer  Bilanzierung der Verbesserungen in der Supply Chain, nachdem das Konzept im Unternehmen bereits 18 Monaten durchlaufen hatte. „Wir haben außerdem ein Planspiel organisiert, in dem wir den Prozess mit Bausteinen abgebildet haben, um den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, eine andere Sicht auf die Dinge zu haben“, sagt Treiber, der das Projekt bei dem Zulieferer betreute.

Personalentwicklung im Fokus

„Wir beobachten, dass viele Unternehmen mehr Change Management in Ihren Projekten umsetzen wollen, aber die Kompetenz, Change Management richtig durchzuführen, fehlt dazu noch“ erklärt Treiber. Change Management sei insbesondere ein Führungsthema, und eine Führungskraft müsse im Change Management eine etwas andere Rolle spielen. Sie sollte ihren Fokus verstärkt auf die Personalentwicklung legen, um beispielsweise festzustellen, ob die Mitarbeiter fachlich überhaupt in der Lage sind, den Veränderungsprozess voran zu bringen oder ob das Team schlichtweg aus zu wenigen Mitarbeitern besteht. Außerdem besteht die größte Schwierigkeit in der Umsetzung meist darin, dass es gerade bei größeren Projekten zwischendurch zu Flauten kommen kann. Sowohl die Führungsebene als auch die Mitarbeiter wollen Ergebnisse sehen, weshalb es ratsam ist, regelmäßig die Fortschritte aufzuzeigen und auch kleinere Erfolge zu feiern.