Montag, 04.05.2015
Verschiffung von Containern in Vietnam.

Bildquelle: Quangpraha/Thinkstock/Getty Images

Verschiffung von Containern in Vietnam. Vietnam gilt als vielversprechender Nischenmarkt im Global Sourcing.

Einkauf
Im Global Sourcing hohen Zeitaufwand berücksichtigen

Supply Chain: Checkliste fürs Global Sourcing

Durch einen Einkauf in Schwellenländern wollen Einkäufer Einsparungen realisieren. Mögliche Risiken sind regionale Konflikte, Streiks, Stromausfälle oder mangelnde Vertragstreue. Eine Checkliste für Supply Change Management

Einsparungen im Einkauf sind das entscheidende Motiv für ein Global Sourcing. Diese Einsparungen sollen auch nachhaltig sein. Nischenländer wie Vietnam, Brasilien oder Rumänien bieten eine Reihe interessanter Chancen. Doch die globale Beschaffung verlangt eine sorgfältige Vorbereitung und Durchführung. Eine Checkliste fürs Global Sourcing.

  1.  Schwellenländer unterscheiden sich stark in ihren jeweiligen Stärken. Oftmals sind diese nicht bekannt. Bei Fertigerzeugnissen besitzen manche Lieferanten gute Fachkenntnisse, beispielsweise ist Brasilien im Bereich der Luftfahrt stark. Vietnam baut seine Expertise in der Medizintechnik aus.

  2. Währungsschwankungen können die Vorteile der globalen Beschaffung zunichte machen. Daher lohnt ein Blick in die Märkte des Euroraums. Sehr hohe Wachstumsraten innerhalb Europas verzeichneten 2014 Bulgarien, Rumänien, Polen und die Slowakei im Vergleich zum Jahr 2009.

  3. Interessant sind zu erwartende Änderungen für strategische Entscheidungen im Global Sourcing. Ende 2015 tritt ein Freihandelsabkommen (FTA) zwischen Vietnam und der EU in Kraft. Das dürfte die Beschaffungspreise senken und die Investitionsbereitschaft erhöhen.  Darüber hinaus finden weitere FTA-Verhandlungen zwischen Vietnam und Korea, der Zollunion von Russland, Weißrussland und Kasachstan sowie zu einem Beitritt zur Trans-Pacific-Strategic Economic Partnership statt, der auch die USA angehören.

  4. Länderrisiken wie Stromausfälle oder Streiks können Lieferungen lahmlegen. In Südafrika streikten im Sommer 2014 rund 220.000 Metallarbeiter. BMW und GM stoppten daraufhin vorübergehend ihre Produktion. Auch kommt es in Südafrika immer wieder zu Stromausfällen. Im Winter 2014 kam es zu landesweiten Stromausfällen durch systematische Abschaltungen ganzer Regionen. Überalterte Kraftwerke und Stromnetze verschärfen das Problem.

  5. Das Investitionsverhalten großer Konzerne lässt Rückschlüsse auf das Potenzial von Beschaffungsmärkten zu. Samsung will in Vietnam seine Direktinvestitionen auf 20 Milliarden US-Dollar bis 2017 aufstocken. In Rumänien baut Daimler über das rumänische Tochterunternehmen Star Transmission ein neues Montagewerk. Dräxlmaier und Leoni erweitern ihre Produktion in Rumänien.

  6. Der persönliche Kontakt ist in der globalen Beschaffung entscheidend. Entsprechende Kapazitäten müssen im einkaufenden Unternehmen vorhanden sind. Hinzu kommen Reisekosten und Kosten für die Kontaktpflege per E-Mail und Telefon. Länder wie Vietnam sind hierarchiegeprägt. Lieferanten wollen auf einen Einkäufer auf Augenhöhe treffen. Wichtig ist auch, den passenden Ansprechpartner zu finden. Wer ist verantwortlich, der Eigentümer, Buchhalter oder der Exportmanager beispielsweise?

  7. Politische Konflikte können in jeder Region auftreten. Eine zweite Beschaffungsquelle für wichtige Güter ist zwingend. Im Mai 2014 randalierten vietnamesische Arbeiter aufgrund eines territorialen Konflikts über eine Bohrinsel im südchinesischen Meer mit der chinesischen Regierung. Angegriffen wurden taiwanesische Betriebe, auch deutsche Unternehmen waren davon betroffen. Ein solcher Konflikt war vorab nicht absehbar.

  8. Mangelnde Vertragstreue erzeugt hohe Kosten. Manche Zulieferer in Schwellenländern versuchen sich an Preisnachbesserungen, wenn die Ware schon zur Verschiffung im Hafen liegt.

  9. Die Zeitplanung kann zum Engpass werden. Die Identifizierung qualifizierter Lieferanten bis zur ersten Probelieferung braucht oftmals Monate. In Vietnam kann der Prozess bis zur ersten Probelieferung bis zu acht Monate in Anspruch nehmen.

  10. Klare Formulierungen schützen vor Missverständnissen. Das Qualitätsverständnis unterscheidet sich oftmals zwischen Einkäufer und Lieferant. Wenn Ansprüche von vornherein deutlich formuliert werden, finden beide Seiten besser zusammen.