Montag, 04.04.2016

Wenn der Supply Chain Manager den Einkaufsleiter ablöst, verbessert sich oftmals die Liefertreue.

Bildquelle: Robert Byron/Thinkstock/Getty Images

Einkauf
Personelle Einsparungen im Einkauf

Supply Chain Manager löst Einkaufsleiter ab

Liefertreue erhöhen, Kosten sparen, Preise anheben – dafür kann der Supply Chain Manager sorgen. Und das schon mit verblüffend einfachen Maßnahmen.

In vielen Unternehmen hat der Supply Chain Manager den Einkaufsleiter ersetzt. Im Supply Chain Management findet die übergreifende strategische Planung von Bereichen wie Einkauf, Qualitätsprüfung, Materialwirtschaft, Intralogistik und Logistik statt. Wer in der strategisch herausgehobenen Position als Supply Chain Manager sitzt, bekommt daher naturgemäß einen anderen Blick auf die Liefertreue und die Folgen, wenn Teile nicht pünktlich eintreffen. Einkaufsleiter sehen ihr Geschäft dagegen durch die Einkaufsbrille. Im digitalen Zeitalter zeichnet sich eine Entwicklung ab, die für viele mittelständische Unternehmen noch Neuland ist: „Ja, ich würde sagen, dass der Einkaufsleiter ein Auslaufmodell ist“, bestätigt Supply Chain Manager Kai Aßhauer.

Eine aktuelle Umfrage hat gezeigt, dass Supply Chain Management die Gesamtleistung der Unternehmen hebt. In der 11. BME-Logistik-Umfrage, die der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) gemeinsam mit Prof. Elmar Holschbach von der Fachhochschule Südwestfalen durchgeführt hat, gab fast jeder zweite Befragte an, dass die Bestandshöhe optimiert und die Supply-Chain-Kosten durch SCM reduziert werden konnten. Gut jedes dritte Unternehmen unter den befragten 127 Unternehmen hat eine eigene SCM-Organisationseinheit eingeführt. Aber nur bei 16 Prozent ist Supply Chain Management Teil der Unternehmensleitung.

 

 

Supply Chain Manager fragt Digitalfotos ab

Supply Chain Manager Michael Krause hat die Besuche bei seinen Lieferanten deutlich reduzieren können.

Bildquelle: Krause

Diese Entwicklung hin zum Supply Chain Manager verstärkt sich dadurch, dass die Lieferzeit ein ganz entscheidendes Kriterium im Wettbewerb geworden ist. „Die Aufgabe des Supply Chain Managers ist es, sich der Erhöhung der Liefertreue bei den Lieferanten anzunehmen“, sagt Frank Sundermann. Der Geschäftsführer von „Durch Denken Vorne Consult“ sieht darüber hinaus einen engen Zusammenhang zwischen Lieferzeit und preislicher Verhandlungsmacht: „Wenn ich es schaffe, die Herstellungszeit meines Produktes durch ein besseres Zusammenspiel mit den Lieferanten in meiner Supply Chain um 30 Prozent zu kürzen, dann habe ich einen immensen Vorteil gegenüber meinen Wettbewerbern, der es mir manchmal auch erlaubt, einen höheren Preis zu nehmen.“

Michael Krause ist bei seinem vorherigen Arbeitgeber eine deutliche Verbesserung bei der Lieferzeit gelungen. Seine Idee ist verblüffend einfach und hat sich dennoch als sehr effektiv erwiesen: Mit seinen strategischen Lieferanten hat der Supply Chain Manager vereinbart, dass sie ihm Digitalfotos über den gesamten Verlauf der Fertigung und Auslieferung schicken. Wenn ein LKW beispielsweise auf der Strecke Zürich–Darmstadt unterwegs ist, fragt Krause ein Foto von dem Ortsschild von Pforzheim ab, das auf der Strecke liegt.

Supply Chain Manager verbessert die Lieferzeit

Die Fotos vergleicht sein Team mit dem Fertigungsplan. „Damit kann der Lieferant nicht mehr taktisch handeln, sondern er muss zu einem frühen Zeitpunkt sagen, was Sache ist“, beschreibt der Manager seine Erfahrungen mit dieser Methodik. Beginnend mit dem Wareneingang trifft das erste Foto ein, wenn die benötigten Komponenten beim Lieferanten eingetroffen sind. Das Bild zeigt den Lieferschein oder die gelieferten Materialien. Der fortlaufende Prozess – Zuschneiden, Schweißen, Bohren – wird gleichfalls digital einzeln und per Foto an Krause übermittelt.

Mit dieser einfachen Maßnahme schnellte die Liefertreue der Zulieferer immens nach oben, was Krause in diesem Umfang selbst nicht erwartet hätte. Dadurch ergaben sich für sein Unternehmen Einsparungen. Rund 30 bis 50 Lieferantenbesuche im Jahr zwecks Überprüfung der Fertigung entfielen. Auch personalmäßig verzeichnete Krause geringere Ausgaben. „Wir konnten einen Vollzeit-Einkäufer durch zwei Teilzeitbeschäftigte auf 450 Euro Basis ersetzen.“ Für den Abgleich zwischen den Fotos und dem Fertigungsplan ist kein technischer Hintergrund erforderlich.

Auf den ersten Blick scheint die Einführung einer SCM-Organisation mit der Größe eines Unternehmens zu korrelieren. Dass dieser Zusammenhang irreführend sein kann, bestätigt Prof. Tilman Eichstädt, Professor an der bbw Hochschule. „Am Ende des Tages ist nicht die Frage, ob es ein kleines oder ein großes Unternehmen ist, sondern wie werthaltig die Produkte sind und wie komplex die Lieferketten sind.“ Spezialbohrköpfe aus hochlegiertem Spezialtitan seien extrem teuer, die Transportkosten würden kaum ins Gewicht fallen. „Die Logistikprozesskosten sind bei einem sehr werthaltigen Teil irrelevant“, führt er aus. Entsprechend wenig Interesse hätte daher die Pharmabranche oder Medizinbranche an den Logistikkosten. „Das Transportmanagement solcher Waren kann ein Sachbearbeiter übernehmen.“