Donnerstag, 23.01.2014
Immer mehr Unternehmen reagieren, indem sie ihre Lieferkette nach ethischen Maßstäben neu strukturieren.

Quelle: Thinkstock / Getty Images

Immer mehr Unternehmen reagieren, indem sie ihre Lieferkette nach ethischen Maßstäben neu strukturieren.

Einkauf
Arbeitsschritte im Einkauf optimieren

Transparenz in der Lieferkette

Verbraucher kaufen bewusster ein und der mediale Druck wächst. Immer mehr Unternehmen reagieren, indem sie ihre Lieferkette nach ethischen Maßstäben neu strukturieren. Es gibt effektive Maßnahmen.

Spätestens seit dem Einsturz eines Industriekomplexes in Bangladesch  im Mai 2013 bei dem über 1000 Menschen starben, wird der Ruf nach besseren Arbeitsbedingungen für die Menschen an den Produktionsstandorten am Anfang der Lieferkette lauter. Die Konsumenten des 21. Jahrhunderts möchten nicht nur wissen, woher ein Produkt stammt und aus was es hergestellt wurde, sondern auch unter welchen Bedingungen.
Um den Verbrauchern einerseits den Zugang zu diesen Informationen zu erleichtern, aber auch um die Unternehmen mit besonderem ethischem Engagement zu unterstützen, wurde 1999 die „Fair Wear Foundation“ (FWF) gegründet.

Lieferkette Schritt für Schritt umstellen

Die FWF hat sich zum Ziel gemacht, weltweit menschenwürdige Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter an den Produktionsstandorten wie zum Beispiel in China oder Indien zu fördern. „Wir haben auch keine Patentlösung, wichtig  ist die Zusammenarbeit von allen Beteiligten: den Unternehmen, dem Fabrikmanagement, den Arbeitern und lokalen Gewerkschaften“, erklärt Saskia Krämer, Repräsentantin der FWF in Deutschland, gegenüber der Plattform „csr-news.net“. Denn ein hoher Einkaufspreis komme nicht automatisch auch den Näherinnen zugute.
Grundlage der FWF sind die acht Arbeitsrichtlinien, die etwa Zwangs- und Kinderarbeit verbieten und faire Löhne und ein sicheres Arbeitsumfeld fordern. Diese Punkte sollen nach und nach in der Lieferkette der Unternehmen verankert werden. Krämer rät den Unternehmen zu einer möglichst überschaubaren Zahl an Zulieferern, um diesen Vorgang zu erleichtern.

Info

Die FWF setzt sich für folgende acht Arbeitsrichtlinien ein

·         Keine Kinderarbeit
·         Kein Arbeitszwang
·         Keine Diskriminierung
·         Vereinigungsfreiheit
·         Existenzsicherndes Gehalt
·         Geregelte Arbeitszeiten
·         Sicheres Arbeitsumfeld
·         Rechtskräftige Arbeitsverträge

 

Quelle: www.fairwear.org

 

 

Transparenz für Konsumenten und Unternehmen

Die Mitglieder der Stiftung müssen Jahresberichte veröffentlichen und der Stiftung eine Liste der Zulieferer zukommen lassen. Die FWF geht dann, gemeinsam mit den lokalen Auditoren sowie den NGOs und Gewerkschaften vor Ort,  mit Prüfern in die Produktionsorte der Unternehmen in Südostasien, der Türkei und auch in einigen europäischen Ländern.
„Mit unserem Eintritt bei der ‚Fair Wear Foundation‘ haben wir mehr Transparenz über Arbeitsbedingungen bei unseren bereits langjährigen Partnern bekommen. Durch die Fabrikaudits, den Kontrollen der FWF, erhalten wir regelmäßig  Einblicke und Lageberichte aus den Produktionsstandorten wie Vietnam, beispielsweise in Bezug  auf Arbeitszeiten, Brandschutz und gesetzlichen Vorgaben wie  die Einhaltung von Mutterschutz oder die Zahlung von Sozialabgaben “, sagt Katrin Bauer, Verantwortliche der Corporate Responsibility bei Deuter Sport GmbH. „Schwere Arbeitsrechtsverstöße können auch Laien häufig mit bloßem Auge erkennen, ab einem bestimmten Niveau müssen  jedoch lokale Experten tiefer in Abläufe und Akten schauen.“

Lieferkette wird zum Aushängeschild

Mittlerweile werden die Unternehmen in Rankings bewertet, was Auswirkungen auf Anlage- und Kaufentscheidungen der Kunden hat.  Somit wird auch bei der Rekrutierung von neuen Fachkräften die Rolle der Transparenz immer bedeutsamer, denn für die Bewerber ist eine ethische und umweltbewusste Einstellung des Unternehmens wichtig. Wie eine im August 2013 veröffentlichte globale Studie zum Stellenwert von Nachhaltigkeit bei Arbeitnehmern der internationalen Managementberatung Bain & Company zeigt, seien 15 Prozent der Angestellten in den Industrie- und Schwellenländern bereit, auf ein höheres Gehalt zu verzichten, um für ein „grünes Unternehmen“ zu arbeiten. Ähnlich sieht es da bei den Investoren aus: Sie fragen nach der Rendite und suchen diese verstärkt bei nachhaltig orientierten Unternehmen. Ebenso Börsenbeobachter interessieren sich für technologische Entwicklungen samt Energieverbrauch.

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