Samstag, 12.01.2013
Einkauf
Einkauf

Trend 2013: stabile Preise bei Platin und Palladium

Ein stärkerer Euro und das moderate Wachstum in China und den USA mindern den Preisdruck auf Platin und Palladium. Hans Günter Ritter, Geschäftsführer des Heraeus Edelmetallhandels sieht eine Entspannung auf den Märkten.
Hans Günter Ritter, verantwortlich für den Einkauf von Edelmetallen bei Heraeus

Heraeus beschafft Rohstoffe an vielen Standorten. Geschäftsführer im Edelmetalleinkauf ist Hans Günter Ritter

Entwarnung bei den wichtigsten Edelmetallen. Hans Günter Ritter, Geschäftsführer des Heraeus Edelmetallhandels, sieht eine abflachende Preiskurve bei Gold , Platin und Palladium. Angeführt von Gold sind die Preise dieser Edelmetalle in den vergangenen Jahren steil gestiegen. Heraeus Edelmetalle bezieht insbesondere die Edelmatealle Gold, Platin, Silber und Palladium. Im Geschäftsjahr 2011 umfasste das Einkaufsvolumen über 21 Milliarden Euro.

MUM: Bei welchen Edelmetallen sind im kommenden Jahr Preissteigerungen zu erwarten?
Ritter: Der Preis für Gold wird stark durch das Verhalten der Anleger beeinflusst. Hier gelten andere Einflussfaktoren als für die restlichen Edelmetalle. Die Eurokrise, die Lehmann-Pleite und das niedrige Zinsniveau haben einen starken Run auf Gold ausgelöst, so dass es zu hohen Preissteigerungen kam.  Das Anlegerverhalten ist schwer vorauszusehen, solange jedoch die Zinsen  niedrig bleiben, werden Edelmetalle, hier insbesondere Gold, für Investoren attraktiv sein.
Bei Platin und Palladium erwarten wir zum einen, dass die Preise, in US-Dollar notiert, weiter steigen werden. Auslöser sind die Probleme in den Produktionsländern. In Südafrika gab es aufgrund von Streiks Produktionsunterbrechungen. Hier ist auch eine steigende Nervosität auf den Märkten zu verzeichnen. Gegenläufig wirkt jedoch das schwächere wirtschaftliche Umfeld auf der Abnahmeseite wie beispielsweise in der europäischen  Automobilindustrie.
Zu berücksichtigen ist auch, dass man nicht nur die US-Dollar-Notierungen betrachten sollte. Viele Experten prophezeien ein kleines Comeback des Euro, der im Verlauf des Jahres zwischen 1,35 und 1,40 notieren könnte. Dies entlastet den Preisdruck. Auf der makroökonomischen Seite wirken darüber hinaus das moderate Wachstum in China und den USA sowie voraussichtlich ein Nullwachstum in Europa preismindernd.

Scharfes Regelwerk in den USA trifft deutschen Einkauf

MUM: Welche Rohstoffländer sind 2013 interessant für den Einkauf?
Ritter: Die traditionellen Rohstoffländer bleiben eine gute Quelle. Platin kaufen wir in Südafrika, Russland und Nordamerika. Bei Gold dominiert in unserem Einkauf kein Land. Peru, Chile und Australien sind wichtige Produzenten, Südafrika dagegen verliert an Bedeutung unter den Lieferländern. Auch in China wird viel Gold produziert; dies dient jedoch der Eigenversorgung.

MUM: Durch den Dodd-Frank-Act müssen börsennotierte US-Unternehmen nachweisen, dass sie keine Produkte einführen, die Rohstoffe aus Konfliktstaaten enthalten. Konkret werden der Kongo und die Anrainerstaaten aufgeführt. Was muss der Einkauf dazu beachten?
Ritter: Bei unseren Rohstoffkäufen hat der Kongo nie eine Rolle gespielt. Wir haben uns mit der Transparenz unserer Lieferkette im Einkauf von Edelmetallen bereits beschäftigt, bevor diese Diskussion hochgekommen ist. Unsere Minen sind auditiert, und wir setzen bei Heraeus einen Code of Conduct um.
Für Unternehmen, die in die USA liefern, gilt tatsächlich ein scharfes Regelwerk. So ist es heute kaum noch möglich, Kunden in die USA zu beliefern mit Waren, die Rohstoffe aus Konfliktstaaten beinhalten. Dies gilt nicht nur für börsennotierte Unternehmen.

MUM: Wo setzt Ihr Unternehmen in diesem Jahr Schwerpunkte beim Einkauf von Rohstoffen?
Ritter: Für uns spielt die nachhaltige Sicherung im Rohstoffeinkauf eine wichtige Rolle. Mit unseren wichtigsten Produzenten treffen wir langfristige Vereinbarungen. Darüber hinaus beziehen wir auch sekundäre Rohstoffe, also Rohstoffe aus dem Recycling. Hinzu kommen Spot-Käufe, so dass wir uns in unserem Einkauf breit diversifizieren. Damit können wir Risiken aus Verzögerungen oder Kürzungen minimieren und sind noch nie in die Verlegenheit gekommen, auf benötigte Rohstoffe nicht zugreifen zu können.

2020 © Markt und Mittelstand · Alle Rechte vorbehalten.

Der Newsletter für Unternehmer – jeden Donnerstag in Ihr Postfach

NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN