Dienstag, 26.02.2013
Nachforschungen in der Lieferkette: US-Unternehmen verlangen Herkunftsnachweis.

Thyssenkrupp

Zertifizierungen ermöglichen es deutschen Unternehmen, Konfliktminerale zu verarbeiten.

Einkauf
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Zertifizierung in der Lieferkette.

Deutsche Zulieferer von amerikanischen Unternehmen, die an der US-Börse notiert sind, werden gemäß Dodd-Frank Act nach der Herkunft der verwendeten Rohstoffe gefragt. Ein Überblick über mögliche Zertifizierungen.

 

 

Jede Woche erreichen die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) Anfragen von Zulieferern deutscher Unternehmen aus dem Mittelstand, die in die USA liefern, zum Dodd-Frank Act. Die BGR arbeitet an der Zertifizierung von Produzenten in der Konfliktregion in und um die DR Kongo. Seit Anfang dieses Jahres müssen börsennotierte Unternehmen und deren Zulieferer der US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) Rechenschaft über die Herkunft ihrer verwendeten Rohstoffe ablegen.
Die abgefragten Rohstoffe sind Zinnstein, Kolumbo-Tantali, Wolframit und deren Derivate sowie Gold. Wenn die Unternehmen solche Rohstoffe in ihrer Produktion verwenden, müssen sie dies entsprechend in ihren Berichten an die SEC offenlegen. Die US-Unternehmen sind dazu verpflichtet, in einem jährlichen Bericht Auskunft darüber geben, ob die Rohstoffe aus Konfliktregionen in und um die DR Kongo stammen. Damit werden auch deutsche Mittelständler durch entsprechende Anfragen ihrer Kunden dazu aufgerufen, die Lieferkette ihrer Rohstoffe offenzulegen. Für Zulieferer gibt es verschiedene Möglichkeiten, um ihre Lieferkette zu überprüfen oder zu zertifizieren.

 

 

Regionaler Zertifizierungsmechanismus der ICGLR für Konfliktminerale

Seit einigen Jahren arbeitet die Internationale Konferenz der Region der Großen Seen (ICGLR) an einer Überprüfung der Produktionsstätten. Die ICGLR ist eine zwischenstaatliche Organisation mit elf Mitgliedsstaten in Zentral- und Ostafrika, die eine regionale Zertifizierung initiiert hat. Dieser regionale Ansatz erfordert eine nationale Umsetzung in den jeweiligen Mitgliedsländern, das heißt, in der DR Kongo und ihrer Anrainerstaaten. An der Einführung einer Zertifizierung in der DR Kongo ist auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe beteiligt.
„Die BGR unterstützt im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit das Bergbauministerium und lokale Behörden dabei, ein nationales Zertifizierungssystem für Zinn, Tantal, Wolfram und Gold einzuführen“, erklärt Gudrun Franken, Rohstoffexpertin bei der BGR. Die Abbaugebiete im Ostkongo werden im Rahmen einer Inventur erfasst. Erste Pilotminen im Ostkongo wurden identifiziert und erste Audits durchgeführt. Noch gibt es keine Zertifikate. Sobald diese vorliegen, kann damit jedoch der geforderte Nachweis über eine konfliktfreie Herkunft des Materials in der Lieferkette geführt werden.

Analytischer Herkunftsnachweis für Konfliktminerale

Desweiteren entwickelt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe einen Analytischen Herkunftsnachweis (Analytical Fingerprint, AFP). Diese unabhängige Herkunftsüberprüfung von Konfliktmineralen bietet die BGR zunächst für Tantal und nachfolgend auch für Zinn- und Wolframerzkonzentrate an. Zurzeit wird die Steuerungseinheit, die AFP Management Unit, in Bujumbura in Bugundi, aufgebaut. Der Herkunftsnachweis ist ein forensisches Instrument zur Eingrenzung der Herkunft der Erze und verfügt über eine breite, weltweite Referenzdatenbank. Ein Herkunftsnachweis der Konfliktminerale ist damit bis auf die Ebene der Grube möglich. Der Herkunftsnachweis ist jedoch nicht ausreichend, um die Konfliktfreiheit sicherzustellen. Er kann lediglich aufführen, woher die Rohstoffe stammen.
Darüber hinaus werden Grundlagen-Audits und Compliance-Audits im Rahmen der „Certified Trading Chains“ durchgeführt. Diese dienen der Vorbereitung einer Zertifizierung für die Lieferkette.

Zertifizierungen der Industrie für die Lieferkette

Für Zinn-, Tantal- und Wolframerz lässt sich über den Interessenverband der Zinnindustrie ITRI ein Herkunftsnachweis erlangen. Gemeinsam mit lokalen Partnern in Ruanda und der ostkongolesischen Katanga-Provinz entwickelte ITRI ein Kennzeichnungssystem. Damit lassen sich die gelieferten Rohstoffe bis auf Produzentenebene nachweisen.
Das CFS-Programm (Conflict-Free Smelter – konfliktfreie Hüttenwerke) wurde von zwei  Branchenverbänden der Elektronikindustrie (Electronic Industry Citizenship Coalition – EICC und Global e-Sustainability Initiative – GeSI) eingeführt. Bisher wurden sechs Tantal-Produzenten als „konfliktfrei“ ausgewiesen. Das Programm überprüft Hüttenwerke und hydrometallurgische Anlagen.  Darüber hinaus wurde ein Formblatt (Conflict Minerals Reporting Template) entwickelt, womit die Unternehmen ihre Zulieferer befragen, um Informationen zur Herkunft von Konfliktmineralen zu erhalten. Die Zulieferer reichen das Formblatt in der Lieferkette weiter bis zur Hütte. Damit soll eine eindeutige Identifikation der Hütten in der Lieferkette ermöglicht werden.

OECD Due Diligence Guidelines für die Lieferkette

Die OECD hat Richtlinien zur Sorgfaltspflicht in den Lieferketten von Konfliktmineralen formuliert. Diese Richtlinien erfassen die Exportebene der Minerale über die Weiterverarbeitung bis hin zum Endprodukt. Abbau und Handel der Konfliktminerale sind darin kaum enthalten. Das Programm enthält fünf Kernpunkte: Aufbau eines Managementsystems zur Kontrolle der Lieferkette, Risikobewertung in der Lieferkette, Einführung einer Risikomanagement-Strategie, unabhängige Audits für ausgewählte Punkte der Lieferkette sowie die Veröffentlichung eines Berichts zur Sorgfaltspflicht in der Lieferkette.

Die BGR weist darauf hin, dass die Zertifizierung und Nachverfolgung von Konfliktmineralen erfolgreich durchführbar sei. Entscheidend ist für den Einkauf die Verzahnung der unterschiedlichen Zertifikate und Rückverfolgungen, um so eine lückenlose Aufdeckung der Lieferkette abzusichern.




Eine Zertifizierung der Zulieferer ist möglich.

Eine Zertifizierung der Zulieferer ist möglich.

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