Montag, 30.11.2015
Produktion von Getränken in China: Global Sourcing ist für den Mittelstand oft noch ein Fremdwort.

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Produktion von Getränken in China: Global Sourcing ist für den Mittelstand oft noch ein Fremdwort.

 

Einkauf
Mittelständler sourcen rund um den Kirchturm

Zu wenig Global Sourcing im Mittelstand

Mittelständische Unternehmen sind im Global Sourcing weit abgeschlagen. Großunternehmen gehen strategischer vor und scheuen die Risiken weniger. Das zeigt eine neue Studie der Hochschule Leipzig.

Mittelständische Unternehmen scheuen den Weg ins Ausland beim Einkauf. Jedes zweite Unternehmen beschafft im Ausland nur bei Bedarf. Entsprechend gibt es in diesen Unternehmen keine Global-Sourcing-Strategie. Zwischen Mittelständlern und Großunternehmen klafft eine große Lücke. In zwei von drei größeren Unternehmen ist Global Sourcing als Strategie festgeschrieben. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Methoden der globalen Beschaffung“ der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig und des Centrums für Supply Management (CfSM). Befragt wurden Einkäufer aus Industrie- und Handelsunternehmen mit deutschem Standort.

„Global Sourcing als Einkaufsstrategie geht weit über das „Importieren“ von Waren aus dem Ausland hinaus“, sagt Studienleiter Prof. Holger Müller. Global Sourcing beinhalte im Kern die systematische Analyse und Nutzung des weltweiten Beschaffungsmarkts. Ziel sei es, die besten Lieferanten für das eigene Unternehmen zu finden. Der Wissenschaftler hält den Kostenaspekt nicht für ausschlaggebend. Neben den Kosten spielen nach seiner Ansicht die Wettbewerbsfaktoren Qualität, Zeit und Flexibilität eine entsprechende Rolle bei der Auswahl.

Global Sourcing kann auch teuer werden

Der Kostenfaktor beinhaltet allerdings auch noch die Folgekosten, die oftmals in einem größeren Umfang zu Buche schlagen. Über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts kann der Kostenvorteil, der bei Materialien aus Fernost oftmals die Hälfte der hiesigen Kosten beträgt, ins Gegenteil umschlagen. Währungsschwankungen, Produktionsausfälle durch Streiks oder Stromausfälle sind gängige Ursachen. Hinzu kommt, dass Verpackungen aufgrund des längeren Transports oftmals aufwändiger sind und mit höheren Kosten verbunden sind.

Dennoch gaben in der Studie 85 Prozent der Unternehmen an, dass eine (sehr) hohe Motivation fürs Global Sourcing die erwarteten niedrigeren Kosten seien. Andere Motivationsgründe kamen kaum zum Zuge. Professor Müller sieht es als wichtigen Faktor an, dass Global Sourcing als Einkaufsstrategie wie eine langfristige Investition betrachtet werden sollte. „Es kann nicht von heute auf morgen geplant, umgesetzt oder wieder aufgegeben werden.“ Nachhaltige Savings würden in der Regel erst nach ein bis zwei Jahren erreicht werden.

Mit hiesigen Lieferanten über Global Sourcing sprechen

Der Blick ins Ausland bringt jedoch auch den Vorteil, die internationalen Kostenstrukturen zu kennen. Bert Bullerschen, Einkaufsleiter bei Thermamax, spricht offen mit seinen europäischen Lieferanten und schlägt ihnen im Hinblick auf die chinesischen Kostenstrukturen eine Partnerschaft vor. „Ziel der Vereinbarung ist, dass die hiesigen Lieferanten den chinesischen Preis schlagen“, sagt Bullerschen. Dabei würden allerdings realistische Größenordnungen genannt werden.

Damit senkt das Unternehmen auch wiederum seine Risiken wie mangelnde Prozesssicherheit im Global Sourcing. Denn den Mittelständlern fehlen Ressourcen und qualifizierte Mitarbeiter fürs Global Sourcing, wie die Studie ergab. Relativ gesehen, hat Professor Müller beobachtet, werden in den mittelständischen Unternehmen aber auch geringere Kapazitäten für den Einkauf geschaffen als in Großunternehmen, so dass sie diesbezüglich einen klaren Nachteil aufweisen würden.

Info

Global Sourcing-Arbeitskreis

Seit über zehn Jahren treffen sich unter der Leitung des CfSM - Centrum für Supply Management (Würzburg) vorwiegend mittelständische Unternehmen, um sich über ihre Erfahrungen im Global Sourcing auszutauschen – sowohl was das Vorgehen und Tools an sich als auch die Beschaffungsmärkte (insbesondere Asien und Osteuropa) betrifft. Über einen Zeitraum von einem Jahr finden regelmäßige Treffen statt, die der Diskussion und Lösung – ggf. unter Einbeziehung externer Experten – der Probleme der Teilnehmer dienen.

Weitere Informationen zu den Arbeitskreisen unter www.supply-markets.com/arbeitskreise.
Ansprechpartner: Florian Keidel (Tel.: 0931/31 81389, Florian.Keidel@cfsm.de)