Donnerstag, 31.10.2013
Die EEG-Umlage belastet die mittelständische Firma Worlée enorm.

Worlée

Die EEG-Umlage belastet die mittelständische Firma Worlée enorm.

460.000 Euro jährlich für die EEG-Umlage

EEG: "Erneuerbare Energien zurück an den Markt"

Mittelständler zahlen mangels Befreiungsmöglichkeiten die volle EEG-Umlage. Geld, das an anderer Stelle fehlt. Das EEG gehört dringend reformiert, erklärt Unternehmer Reinhold von Eben-Worlée.

Das Unternehmen Worlée ist Produzent und Händler natürlicher, chemischer und kosmetischer Rohstoffe. Anders als Großkonzerne ist der Mittelständler nicht von der EEG-Umlage befreit. Im „Markt und Mittelstand“-Interview spricht Geschäftsführer Reinhold von Eben-Worlée über die Kostenlast, die die Energiewende für sein Unternehmen bedeutet, und die Zukunft der erneuerbaren Energien.

Unternehmer Reinhold von Eben-Worlée.

Unternehmer Reinhold von Eben-Worlée.

Markt und Mittelstand: Herr von Eben-Worlée, wie viel kostet die Energiewende Ihr Unternehmen im Jahr?
Reinhold von Eben-Worlée: Wir müssen allein für die Umlage, die aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) resultiert, in diesem Jahr 460.000 Euro aufbringen. Das ist in etwa vergleichbar mit einer Steuererhöhung von 32 Prozent. Spräche ein Politiker von einer Steuererhöhung in diesem Umfang, gäbe es einen Aufschrei. Durch die Erhöhung der Umlage auf 6,24 Cent pro Kilowattstunde werden es im kommenden Jahr noch einmal 80.000 Euro mehr sein. Das sind dann in Summe 540.000 Euro an zusätzlichen Kosten allein durch das EEG. Noch nicht einberechnet sind hier etwa sieben bis acht weitere Abgaben, die in engem Zusammenhang mit der Energiewende stehen, weil sie spezifische Programme unterstützen. Dazu zählen etwa die Stromsteuer oder die Offshore-Umlage.

MuM: Das sind Summen, die vermutlich an anderen Stellen im Unternehmen fehlen. Wo äußert sich der Kostendruck, der durch steigende Energiekosten entsteht, in Ihrem Unternehmen am deutlichsten?
Von Eben-Worlée: Je mehr ich als Mittelständler für das EEG zahle, desto weniger kann ich in mein Unternehmen investieren. Die Ertragskraft sinkt ganz einfach. Ich kann jeden Euro nur einmal ausgeben und das, was für die EEG-Umlage bezahlt wird, kann ich nicht in andere Bereiche stecken. Dadurch verhalten wir uns bei Investitionen im Moment zurückhaltend.

Energiemanagementsystem gegen EEG-Kosten

MuM: Haben Sie neben den zurückgestellten Investitionen auch konkrete Projekte im Unternehmen umgesetzt, die den Stromverbrauch senken sollen?
Von Eben-Worlée: Wir haben ein Energiemanagementsystem in die Arbeitsabläufe integriert. Unsere Mitarbeiter sind darauf geschult, so viel Energie zu sparen wie möglich. Außerdem haben wir an den Maschinen Messgeräte installiert, um Energieströme messen und nachverfolgen zu können. Nach Auswertung dieser Messungen können wir entsprechende Entscheidungen treffen, um künftig Energie einzusparen. Außerdem diskutieren wir im Verband der Chemischen Industrie ständig potentielle Maßnahmen. Ein Physiker wurde extra dafür abgestellt.

MuM: Während Sie als Mittelständler die EEG-Umlage bezahlen müssen, sind viele Großunternehmen von dem stetig steigenden Beitrag befreit. Steigt dadurch auch die Belastung für den Mittelstand insgesamt?
Von Eben-Worlée: Absolut. Viele der Großunternehmen – die gleichzeitig die größten Stromverbraucher unter den Unternehmen sind – sind von der EEG-Umlage befreit. 90 Prozent der Chemieunternehmen müssen aber die volle Umlage zahlen. Das ist eine enorme Last. Und es ist für mittelständische Betriebe in der Regel schwer, in die Befreiung der EEG-Umlage hineinzukommen.

EEG-Befreiung für Mittelstand schwierig

MuM: Warum ist das schwierig?
Von Eben-Worlée: Eine Befreiung von der Umlage erhält nur, wer mehr als 10 Gigawattstunden Strom im Jahr verbraucht oder mindestens 14 Prozent Bruttowertschöpfung erreicht. Beim Stromverbrauch sind selbst wir als energieintensiver Mittelständler etwa ein Drittel vom geforderten Jahresverbrauch entfernt. In die Bruttowertschöpfung fließen der Bruttogewinn, die Lohnsumme der festangestellten Mitarbeiter, die Abschreibungen und die Zinsen mit ein. Hohe Abschreibungen oder viele Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung erhöhen die Bruttowertschöpfung natürlich. Hinzu kommt, dass dieser Nachweis jährlich zu erbringen ist und somit großen Aufwand bedeutet. Gelingt er nicht, drohen Nachzahlungen.

MuM: Eine immer wieder diskutierte Alternative zur stetig steigenden Umlage ist der Umstieg auf eigenproduzierte erneuerbare Energien. Halten Sie es für sinnvoll, wenn Mittelständler verstärkt auf diese Lösung ausweichen?
Von Eben-Worlée: Das Problem der Eigenerzeugung ist, dass es für die Anlagen bei Eigenstrom keine Bestandsgarantie gibt. Bislang ist gesetzlich festgelegt, dass der durch Eigenerzeugung gewonnene Strom von der EEG-Umlage befreit ist. Diese Regelung kann der Gesetzgeber aber von heute auf morgen kippen, sodass es in dieser Hinsicht keine Sicherheiten gibt. Nur die Entgelte für die Erneuerbare-Energien-Erzeuger sind auf 20 Jahre gebunden. Hinzu kommt, dass die jährlichen Laufzeiten dieser Anlagen einfach viel zu kurz sind. Das Jahr hat 8.760 Stunden, Photovoltaik kommt auf etwa 900 Nennlaststunden, Onshore-Windanlagen auf 1.000 und Offshore-Anlagen vielleicht auf 3.000 Stunden. Das ist für eine sichere Stromversorgung keinesfalls ausreichend.

EEG: Wende von der Energiewende nötig

MuM: Apropos Gesetzgeber: Die Koalitionsgespräche für eine neue Bundesregierung laufen. Wie bewerten Sie die aktuellen Entwicklungen in Bezug auf Fragen der Energiewende?
Von Eben-Worlée: Fast jeder rational denkende Politiker hat mittlerweile begriffen, dass es so mit dem EEG nicht weitergehen kann. Es herrscht jedoch auch Ratlosigkeit darüber, wie ein neues System aussehen kann. Ich persönlich wünsche mir, dass es so lange keine weiteren Förderungen für erneuerbare Energien mehr gibt, bis man sich darüber im Klaren ist, wie das Energiesystem künftig aussehen soll. Dazu ist aber nicht nur Deutschland gefordert. Eine europäische Lösung ist dafür notwendig.

MuM:
Wie realistisch sehen Sie vor diesem Hintergrund die deutschen Pläne, bis 2050 in unserem Land 80 Prozent der benötigten Strommenge aus erneuerbaren Energien zu beziehen?
Von Eben-Worlée: Unter den aktuellen Rahmenbedingungen halte ich das für komplett unrealistisch, wenn man davon ausgeht, dass Deutschland bis dahin nicht vollständig deindustrialisiert ist. Man könnte natürlich den Strompreis so weit anheben, dass dies irgendwann zur Realität wird. Damit würde man aber die bestehende Wirtschaftskraft zerstören.

MuM: An welchen Punkten muss das EEG überarbeitet werden?
Von Eben-Worlée: Die erneuerbaren Energien müssen zurück in den Markt geführt werden. Sie müssen sich dem Markt stellen, genau wie andere Energien auch. Sonst wird man sie nie vergleichbar machen können. Das würde allerdings bedeuten, dass Photovoltaik keine Chance hätte, auf dem deutschen Markt zu bestehen. Daher bin ich auch der Meinung, dass Photovoltaikanlagen künftig nur noch in Ländern installiert werden sollen, wo die tägliche Sonneneinstrahlung deutlich höher ist als hier in Mitteleuropa. Zudem bedarf es einer internationalen Abstimmung beim Ausbau erneuerbarer Energien. Unsere direkten europäischen Nachbarn machen bei den Vorgaben, die das EEG macht, nicht mit und können Strom so deutlich günstiger anbieten. Das verfälscht den Wettbewerb. Für den deutschen Mittelstand sind das allesamt keine guten Rahmenbedingungen.

MuM: Vielen Dank für das Gespräch!

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