Donnerstag, 08.08.2013
Stromkosten: Das Geld wird zwar zunächst von den Betreibern des Übertragungsnetzwerks vorgestreckt, muss aber 2014 dann von den Stromkunden zurückgezahlt werden – und zwar mit Zinsen, die sich allein für Juli schon auf 10 Millionen Euro belaufen.

Quelle: Thinkstock / Getty Images

Stromkosten: Das Geld wird zwar zunächst von den Betreibern des Übertragungsnetzwerks vorgestreckt, muss aber 2014 dann von den Stromkunden zurückgezahlt werden – und zwar mit Zinsen, die sich allein für Juli schon auf 10 Millionen Euro belaufen.

EEG

EEG-Umlage könnte weiter deutlich steigen

Die gerade erst stark angehobene EEG-Umlage könnte in den nächsten Monaten noch weiter steigen: Experten vermuten für das kommende Jahr 7 Cent je Kilowattstunde. Einer der Gründe ist der niedrige Börsenstrompreis.

Die wachsende Ökostromeinspeisung treibt die Energiekosten sowohl für Privathaushalte als auch für die Wirtschaft weiter nach oben. Experten rechnen mit rund 7 Cent je Kilowattstunde für 2014, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung in der Donnerstagsausgabe mitteilt. Die Netzbetreiber haben 850 Millionen Euro mehr an die Produzenten von Ökostrom ausgezahlt, als sie an Umlagen nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) und aus dem Verkauf des Stroms an der Börse erhalten hatten. Damit erhöht sich das Defizit auf 1,75 Milliarden Euro. Nach Schätzungen von Netzbetreibern wird dieses auch weiter steigen und bis Ende September bereits 3 Milliarden Euro betragen.

EEG-Umlage: Kostenentwicklung dramatisch

Sollte der Strompreis je Kilowattstunde  auf 7 Cent oder mehr steigen, würde das einen Durchschnittshaushalt mit 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch 70 Euro mehr kosten. Den Netzbetreibern zufolge sind in der Juli-Bilanz 1,83 Milliarden Euro Einnahmen verzeichnet worden und 2,68 Milliarden Euro Ausgaben. Damit schwoll das Defizit auf dem Ausgleichskonto auf 1,75 Milliarden Euro. Das Geld wird zwar zunächst von den Betreibern des Übertragungsnetzwerks vorgestreckt, muss aber 2014 dann von den Stromkunden zurückgezahlt werden – und zwar mit Zinsen, die sich allein für Juli schon auf 10 Millionen Euro belaufen. Bereits 2012 empfand man die Aussichten über die Kostenentwicklung als dramatisch, denn Ende September vergangenen Jahres stieg das Defizit von 1,15 im Juli auf 2,6 Milliarden Euro. Dieses Jahr lag das Defizit um Juli schon um 600 Millionen Euro über dem des Vorjahres, obwohl die EEG-Umlage schon von 3,6 Cent je Kilowattstunde (kWh) auf 5,27 Cent/kWh angehoben worden war.

Niedriger Börsenpreis schuld an höherem Strompreis

Der Hauptgrund für das aktuelle Defizit ist der unter Erwartungen von 5,1 Cent/kWh  liegende niedrige Börsenpreis. Die Stromverbraucher bezahlen dann die Umlage, die aus der Differenz zwischen dem Börsenpreis  und der des Erzeugern auf 20 Jahre garantierten Einspeisevergütung (siehe Infobox). Das heißt: Sinkt der Börsenpreis, steigt die Umlage. Erwartet wurde für Juni 2013 ein Preis von 5,115 Cent/kWh. Faktisch gab es in diesem Zeitraum im Schnitt nur 2,7 Cent/kWh für Ökostrom. Der Börsenpreis wird vermutlich auch 2014 nicht weiter steigen, deshalb dürften die Strompreise dann auch eher steigen, aber an dieser Stelle halten sich die Experten mit offiziellen Prognosen zurück.
Die neue Umlage wird kurz nach der Bundestagswahl Anfang Oktober bekanntgegeben. Deshalb liegt nahe, dass das Thema auch während des Wahlkampfs eine Rolle spielen wird.
Die Politik hat Möglichkeiten, den Anstieg abzumildern. Das könnte geschehen, indem die Regierung die Ausnahmen von der EEG-Umlage zurücknimmt, von der die Industrie-Unternehmen profitieren.

Info

EEG in Kürze:

 

Ziel:  Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz soll der Ausbau von Windkraft, Fotovoltaik und Biomasse gefördert werden um die erneuerbaren Energien langfristig wettbewerbsfähig zu machen.

 

Funktionsweise: Die Netzwerkbetreiber erhalten für die Dauer von 20 Jahren einen festen Vergütungssatz pro Kilowattstunde. Die Höhe der Einspeisevergütung richtet sich nach der Art der Stromerzeugung, nach Standorten und nach der Größe der Anlagen. Die Vergütungssätze sind degressiv gestaffelt, das bedeutet je später eine Anlage ans Netz geht, desto geringer fällt die für 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung aus.

 

Strompreis-Entwicklung: Da der Strompreis geringer ist als die festen Vergütungssätze für erneuerbare Energien entsteht ein Differenzbetrag, die sogenannte EEG-Umlage. Diese Umlage wird vom Endverbraucher mit der Stromrechnung beglichen. Energieintensive Unternehmen sind von der EEG-Umlage teilweise befreit.

Quelle: bpb.de

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