Mittwoch, 03.06.2015
Der Blick auf den Stromzähler würde manchen Mittelständler leichter fallen, wenn einfache Energieeffizienzmaßnahmen umgesetzt werden würden.

PaulMcArdleUK/Thinkstock/Getty Images

Der Blick auf den Stromzähler würde manchen Mittelständler leichter fallen, wenn einfache Energieeffizienzmaßnahmen umgesetzt werden würden.

Ratschläge, um Energieeffizienz zu verbessern

Energieeffizienz: 5 Spartipps

Mit einigen Kniffen können Mittelständler ihre Energieeffizienz deutlich verbessern und gleichzeitig viel Geld sparen. Die wichtigsten Spartipps im Überblick.

Energieeffizienz | 1. Spartipp: Alternative Beleuchtung

Die größten Stromfresser in Unternehmen sind Leuchtmittel. 40 Prozent des Stromverbrauchs von Unternehmen entfallen allein auf die Beleuchtung, errechneten Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Sommer 2013 . Das Logistikunternehmen Simon Hegele will hier sparen. Künftig soll in Hallenneubauten das Tageslicht zum Ausleuchten der Hallen besser genutzt werden. Bereits bei der Planung und dem Bau wird darauf geachtet, neueste Tageslichtsysteme einzubauen. „Es wird versucht, das Tageslicht so gut es geht auszunutzen. So kann auf unnötiges künstliches Licht verzichtet werden“, sagt Konrad Martin, Abteilungsleiter EHSQ Methoden & Standards bei Simon Hegele.

Weiteres Einsparpotential bieten LED-Lampen. Verglichen mit konventionellen Glühbirnen haben LED-Leuchten eine überdurchschnittlich lange Lebensdauer. Sie erhellen Räume bis zu 50.000 Stunden lang und damit knapp dreimal so lang wie eine herkömmliche Leuchtstofflampe. LED-Leuchten haben aber einen erheblichen Nachteil, weshalb viele Unternehmen vor dem Einsatz zurückschrecken: Die Anschaffungskosten sind hoch. „Die Anschaffung von LED-Beleuchtung in Unternehmen amortisiert sich allerdings durchschnittlich nach drei Jahren“, weiß Michael Mai vom Institut für Ressourceneffizienz und Energiestrategien.

Energieeffizienz | 2. Spartipp: Wärmerückgewinnung

Es gibt Möglichkeiten, verbrauchte Energie in Form von Wärme wiederzuverwerten. „Das Feld der Abwärmenutzung entwickelt sich schnell. Hier gibt es gute Chancen für den Mittelstand, die Energieeffizienz zu steigern“, erklärt Lothar Eisenmann vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg. Der Hemdenhersteller Olymp hat beispielsweise beim Bau seines neuen Logistikzentrums auf ein komplettes Energiekonzept gesetzt, um die Energieeffizienz optimal auszuschöpfen.

Durch ein Wärmedämmsystem wird Energie aus der Erde für Heizzwecke nutzbar gemacht. In einem ersten Schritt wird die Wärme, die beim Gebrauch der technischen Geräte entsteht, durch die Abwärmenutzung wiederverwertet. Durch das Verfahren der Wärmerückgewinnung wird bereits verbrauchte Wärme wieder in den Energiekreislauf eingeführt. Die verbauten Wärmepumpen haben eine ähnliche Funktion. Überschüssige Energie, in Form von Wärme und Kälte, wird in einem Sprinklertank gespeichert. So ist das Logistikzentrum auch bei schlechtem Wetter mit erneuerbarer Energie versorgt.

Energieeffizienz | 3. Spartipp: Regenwassernutzung

Nicht die Stromkosten steigen, auch Wasser wird stetig teurer. Daher setzen immer mehr Unternehmen auf Wassersparmaßnahmen, wie zum Beispiel die Wiederverwertung von Regenwasser. In den meisten Unternehmen lassen sich Wassersparmaßnahmen mit wenig Aufwand und geringen Kosten realisieren. Wasserspararmaturen oder Durchflussbegrenzer sowie eine Modernisierung der Sanitäranlagen können den Wasserverbrauch um circa 30 Prozent reduzieren.

Die Regenwassernutzung, auch Grauwassernutzung genannt, ermöglicht zudem ein hohes Einsparpotential. In allen Bereichen, in denen Wasser nicht in Trinkqualität erforderlich ist, kann Regenwasser eingesetzt werden. Voraussetzung dafür ist, dass überschüssiges Regenwasser gespeichert werden kann, zum Beispiel in Flachtanks. Eine solche Substitution von Regenwasser ist in vielen Produktionsbereichen von Industrieunternehmen wirtschaftlich sinnvoll.

Das Logistikunternehmen Simon Hegele setzt im Zuge seines Greenbuilding-Konzepts für neue Logistikzentren auch auf eine Regenwassernutzung. „In den künftigen Zentren wird es möglich sein, Regenwasser selbst aufzubereiten und aufzufangen, um es beispielsweise für Toilettenspülungen wiederzuverwerten“, erklärt Konrad Martin von Simon Hegele.

Energieeffizienz | 4. Spartipp: Energiefresser finden

Energie wird häufig an Stellen verbraucht, die niemand kennt, und gleichzeitig nicht effektiv genutzt. Das gilt beispielsweise besonders für mittelständische Unternehmen, die viel mit Druckluft arbeiten. Laut Professor Eberhard Jochem, Wissenschaftler im technisch-ökonomischen Feld der rationellen Energieanwendung, kostet ein nur 1 Millimeter kleines Loch in einer Druckluftleitung 600 Euro im Jahr. Um solche Einsparpotentiale besser nutzen zu können beziehungsweise um diese erst einmal zu erkennen, raten Energieexperten zu Energiemanagementsystemen in den Betrieben. „Wenn ein Unternehmen seine Energieeffizienz langfristig verbessern will, steht am Anfang eine fundierte Basisanalyse aller Energieströme im Betrieb.

Unternehmen müssen betriebswirtschaftliche Entscheidungen rund ums Thema Energieeffizienz auf Grundlage dieser verlässlichen Daten treffen“, sagt Joachim Ganse von der KPMG. In einigen mittelständischen Betrieben gebe es bereits Qualitätsmanagementsysteme. Ein Energiemanagementsystem könne daran anknüpfen. Generell gelte das Prinzip „Plan–Do–Check–Act“, wenn ein Unternehmen sich in einem Bereich verbessern will. Das sei bei der Energieeffizienz genauso.

Energieeffizienz | 5. Spartipp: Stromvergleich durch Ausschreibungen

Ebenso wie private Haushalt können auch Unternehmen Strompreise vergleichen und den Anbieter wechseln. Die Strompreise in der Grundversorgung sind in den vergangenen acht Jahren um rund 30 Prozent gestiegen. Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, dass sie mit einem Wechsel des Stromanbieters Geld sparen können. Jeder deutschen Postleitzahl sind durchschnittlich 100 liefernde Stromanbieter zugeordnet. Der Wettbewerb ist also groß und dementsprechend unterschiedlich sind die Preise. „Ein durchschnittliches Mittelstandsunternehmen mit circa 5 Millionen Kilowattstunden Jahresverbrauch spart bei einer marktübergreifenden Ausschreibung und kurzen Angebotsbindefristen rund 20.000 Euro. Bezogen auf den reinen Energiepreis, sind das circa 8 Prozent.

Wenn das Unternehmen seinen Strom für 2015 oder 2016 ausschreibt, sind derzeit sogar 50.000 Euro Einsparpotential möglich“, sagt Clemens Graf von Wedel von der Ausschreibungsplattform „enPortal“. Manche Unternehmen würden ihren Strom sogar schon bis zum Jahr 2018 einkaufen, da sie erwarten, dass der Strompreis weiter steigt.