Donnerstag, 11.06.2015
Ab 2016 müssen Unternehmen ihren Energieverbrauch in Audits überprüfe lassen.

Kojihirano/Thinkstock/Getty Images

Ab 2016 müssen Unternehmen ihren Energieverbrauch in Audits überprüfe lassen.

Neue Vorschriften für Unternehmen

Energiegesetze: Was der Mittelstand bei EDL-G & Co. beachten muss

Die Versorgung mit günstiger Energie und die zahlreichen Vorschriften zum Energieverbrauch stellen den Mittelstand schon heute vor Herausforderungen. Und neue Gesetze sind bereits auf dem Weg.

Bis zum 5. Dezember 2015 haben deutsche Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern, oder mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz noch Zeit. Bis zu diesem Stichtag müssen sie das neue Energiedienstleistungsgesetz umgesetzt haben – andernfalls drohen ab Januar 2016 Kontrollen und Bußgelder. Die Novellierung des Gesetzes über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen (EDL-G), das auf Artikel 8 der EU-Effizienzrichtlinie (EED), zurückgeht wurde am 6. März im Bundesrat beschlossen und trat Anfang Mai offiziell in Kraft.

Für die Unternehmen bedeutet das neue Gesetz vor allem zusätzliche Verpflichtungen. „Betroffene Unternehmen haben zwei Möglichkeiten: Sie können entweder bis zum 5. Dezember ein Energieaudit nach EN 16247-1 durchführen und alle 4 Jahre wiederholen lassen, oder ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 bzw. ein Umweltmanagementsystem nach EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) einrichten“, erklärt Ernst Panse, Projektleiter Klima und Energie beim Mittelstandsverbund.

Die entsprechenden Kontrollen übernimmt ab dem 1. Januar 2016 das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), die Unternehmen müssen allerdings nicht proaktiv belegen, dass sie das Gesetz umgesetzt haben, sondern lediglich auf Anfrage die entsprechenden Belege vorweisen können.

EDL-G: Gnadenfrist für Unternehmen

Falls Unternehmen die Vorgaben nicht rechtzeitig erfüllen und bei einer Kontrolle erwischt werden, räumt ihnen das BAFA im Jahr 2016 noch eine Karenzzeit ein: „Unternehmen, die nicht rechtzeitig fertig werden, erhalten im kommenden Jahr vom BAFA eine Schonfrist um die Vorgaben zu erfüllen. Sollte jedoch auch diese Frist nicht eingehalten werden, drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Euro“, warnt Ernst Panse.

Die Energieaudits sollen vor allem für Energieverschwendung sensibilisieren und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen. Sie müssen von einem zertifizierten und beim BAFA registrierten Energieauditor durchgeführt werden und beinhalten zum einen eine energetische Gesamtbetrachtung des Status quo, umfassen aber auch einen Maßnahmenkatalog mit Verbesserungsvorschlägen und ihren jeweiligen Einsparpotentialen. Eine Umsetzung der Vorschläge ist nicht verpflichtend, die Unternehmen müssen sie sich aber zumindest abholen.

EDL-G: Förderung für KMUs

Da das neue Energiedienstleistungsgesetz nur für Unternehmen verbindlich ist, die nicht in die KMU-Kategorie fallen, müssen sie im Grunde nicht darauf reagieren. Um dennoch Anreize für mehr Energieeffizienz und ein entsprechendes Audit zu schaffen, gibt es verschiedene Fördermöglichkeiten.

Eine Möglichkeit ist die sogenannte Energieberatung Mittelstand, bei der KMUs in Abhängigkeit von ihren Energiekosten bis zu 8.000 Euro Zuschuss für die Erstellung eines Energieaudits erhalten können. Sollte man sich im Anschluss entscheiden in neue Technologien zu investieren, gibt es auch hier noch einmal Fördermöglichkeiten, so sind beispielsweise Zuschüsse von bis zu 30 Prozent bei Investitionen in energieeffiziente Technologien (beispielsweise in Hocheffizienzpumpen) möglich.

Energie-Einsparverordnung: Sparen beim Bau

Auch die Energie-Einsparverordnung für Neu- und Umbauten ist in den vergangenen Jahren immer wieder verschärft worden. Im Rahmen der energetischen Bauvorschriften müssen Unternehmen dabei bestimmte Standardwerte erreichen: „Die Grundlagen für einen niedrigen Energieverbrauch müssen bei Neubauten oder Sanierungen bereits in der Gebäudephysik gelegt werden, das kann man mit den Vorschriften vergleichen, die private Bauherren für KfW-Förderkredite erfüllen müssen“, erläutert Ernst Panse.

Ähnlich verhält es sich mit dem Energiewärmegesetz, das Unternehmen dazu verpflichtet bei Wärmekomponenten effiziente Geräte zu nutzen. Bei vielen Unternehmen sieht er dabei jedoch ein zentrales Problem: „Rund 80 bis 90 Prozent unserer Mitglieder sind eher Mieter als Eigentümer, und als solche haben sie meist wenig Spielraum für Veränderungen an den Gebäuden.“