Donnerstag, 03.09.2015

Bildquelle: Marc Dietrich/Thinkstock/Getty Images

Strom und Gaspreise sind im August auf dem Tiefststand angekommen.

ISPEX-Energiepreisindex: Jetzt Energiepreise verhandeln

Energiepreise auf Rekordtief - so können Mittelständler profitieren

Die Strom- und Gaspreise sind aufgrund der niedrigen Großhandelspreise auch bei den Endkundenpreisen für Industrie und Gewerbe auf einem Tiefststand angekommenen. Ein Großteil der Stromlieferverträge für Industrie und Gewerbe laufen parallel zu den Kalenderjahren und haben meist eine dreimonatige Kündigungsfrist. Viele Unternehmen verhandeln daher jetzt den Strompreis für das kommende Jahr und können somit viel Geld sparen.

Unternehmen kaufen derzeit Strom und Gas quasi zu Dumping-Preisen. Darauf weisen die Experten des Energiedienstleisters ISPEX hin. Sie haben die Preisentwicklungen für den Monat August analysiert und geben einen Ausblick auf die weitere Entwicklung.
Die gesunkenen Großhandelspreise für die kommenden Kalenderjahre haben Industrie und Gewerbe sehr günstige Strompreise beschert. Der seit 2011 monatlich berechnete ISPEX-Energiepreisindex für Strom ist im August auf 3,43 Cent je Kilowattstunde und damit erstmals unter die 3,5-Cent-Marke gefallen. Im Juli lag er noch bei 3,54 Cent je Kilowattstunde. In Online-Auktionen erzielten Kunden sogar Preise unter drei Cent je Kilowattstunde. Der durchschnittliche Beschaffungspreis für Strom ist damit wie erwartet nochmals gesunken.

Energiepreise bleiben stabil

Der Gaspreis ist derzeit so tief wie noch nie.

Bildquelle: ISPEX AG

„Das günstige Preisniveau wird uns voraussichtlich auch im September erhalten bleiben, auch wenn sich die Preise an der Börsen stabilisieren sollten“, prognostiziert Stefan Arnold, Vorstandsvorsitzender der ISPEX AG. Der September werde zudem traditionell stark für den Abschluss neuer Stromlieferverträge genutzt. Ein Großteil der Stromlieferverträge für Industrie und Gewerbe laufen parallel zu den Kalenderjahren und haben meist eine dreimonatige Kündigungsfrist. Viele Unternehmen verhandeln daher den Strompreis für das kommende Jahr im September. „Durch die niedrigen Großhandelspreise könnten die Stromanbieter günstige Preise im Einkauf realisieren und damit eigentlich auch niedrige Strompreise anbieten“, erklärt Stefan Arnold.

Viele Stromanbieter nutzten jedoch die Situation, um Bestandskunden neue Konditionen anzubieten, bei denen sie „ohne Strompreiserhöhung“ auskommen oder moderate Preisnachlässe anbieten. Die Erfahrung zeige aber, dass diese neuen Konditionen die besseren Einkaufskonditionen meist nur zum Teil weiterreichen. Sie erhöhen damit eher die Marge der Anbieter, statt die Kostenvorteile an die Kunden weiterzugeben. „Gerade bei fallenden Preisen ist dringend zur Durchführung einer möglichst breit gestreuten Ausschreibung zu raten. Idealerweise wird diese als Online-Auktion durchgeführt, um den Wettbewerb zwischen den Lieferanten voll auszunutzen“, rät Energieexperte Arnold.

Gas kaufen Unternehmen teilweise für unter zwei Cent

Die Strompreise sind sehr volatil. In den letzten Monaten sind sie stetig gefallen.

Bildquelle: ISPEX AG

Im Gaseinkauf sorgten die Preisabschläge an den Großhandelsmärkten im August für extrem niedrige Gaspreise zugunsten der Unternehmen. Die Einkäufer erhielten von den Gasanbietern in Online-Auktionen zum Teil Preise, die unter der Marke von zwei Cent je Kilowattstunde lagen. Der von ISPEX aus allen abgegebenen Bestgeboten errechnete Durchschnittspreis sank daher nochmals von 2,28 Cent je Kilowattstunde im Juli auf 2,13 Cent je Kilowattstunde im August. Die meisten Gasanbieter sind derzeit in der Lage, sehr günstige Preise anzubieten. „Ausschlaggebend für die Preise sind vor allem die Einkaufsstrategie der Anbieter und deren Wille und Fähigkeit, die Preisvorteile aus dem Großhandel auch an die Gaskunden weiterzugeben“, weiß Stefan Arnold.

Wie bei den Stromanbietern könne man oftmals feststellen, dass die Kostenvorteile nur sehr ungern weitergegeben werden, Preissteigerungen im Einkauf aber schnell in die Kalkulation einfließen. Die Unternehmen sollten keinesfalls einen Energieliefervertrag ohne vorherige Ausschreibung abschließen. „Insbesondere wenn das Angebot vom Lieferanten nur für einen kurzen Zeitraum aufrechterhalten wird, sollte man wachsam sein“, warnt Stefan Arnold. Angesichts der aktuellen und für September erwarteten stabilen Preisentwicklung sei davon auszugehen, dass das Ausnutzen des Wettbewerbs unter den Anbietern mehr Einsparungen ermöglicht als der schnelle Abschluss eines vermeintlich besonders guten Angebots.