Mittwoch, 12.08.2015

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Ratschläge für langfristiges Energiesparen

Praxisbeispiele: Energiesparen im Unternehmensalltag

Energieeffizienz im Unternehmensalltag ist leichter gesagt als getan. Aber wo es geht, sind echte Einsparungen möglich.

Alternative Beleuchtung für Logistikunternehmen

Die größten Stromfresser in Unternehmen sind Leuchtmittel. 40 Prozent des Stromverbrauchs benötigen Unternehmen alleine für die Beleuchtung, errechneten Mitarbeiter des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung im  Sommer 2013 . Das Logistik Unternehmen Simon Hegele will hier sparen. Künftig sollen in Hallenneubauten das Tageslicht zum ausleuchten der Hallen besser genutzt werden. Bereits bei der Planung und dem Bau wird darauf geachtet, neueste Tageslichtsysteme einzubauen. „Es wird versucht, das Tageslicht so gut es geht auszunutzen. So kann auf unnötiges künstliches Licht verzichtet werden“, sagt Konrad Martin, Abteilungsleiter EHSQ Methoden & Standards bei Simon Hegele. Weiteres Einsparpotential bieten LED-Lampen.

Verglichen mit konventionellen Glühbirnen  haben komplette LED-Leuchten eine  überdurchschnittlich lange Lebensdauer. Sie erhellen Räume bis zu 50.000 Stunden und damit knapp das dreifache einer herkömmlichen Leuchtstofflampe. LED-Leuchten haben aber einen erheblichen Nachteil, weshalb viele Unternehmen vor dem Einsatz zurückschrecken. Die Anschaffungskosten sind hoch. „Die Anschaffung von LED-Beleuchtung in Unternehmen amortisiert sich allerdings durchschnittlich nach 3 Jahren“, weiß Michael Mai vom Institut für Ressourceneffizienz und Energiestrategien. 

Wärmerückgewinnung beim Olymp

Es gibt Möglichkeiten, verbrauchte Energie in Form von Wärme wiederzuverwerten. „Das Feld der Abwärmenutzung entwickelt sich schnell. Hier gibt es gute Chancen für den Mittelstand, die Energieeffizienz zu steigern“, erklärt Lothar Eisenmann vom Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg. Der Hemdenhersteller Olymp hat beispielsweise beim Bau seines neuen Logistikzentrums auf ein komplettes Energiekonzept gesetzt, um die Energieeffizienz optimal auszuschöpfen. Durch ein dreigliedriges Wärmedämmsystem wird Energie aus der Erde für Heizzwecke nutzbar gemacht. In einem ersten Schritt, wird die Wärme, die beim Gebrauch der technischen Geräte entsteht, durch die Abwärmenutzung wiederverwertet. Durch das Verfahren der Wärmerückgewinnung, wird bereits verbrauchte Wärme wieder in den Energiekreislauf eingeführt. Die verbauten Wärmepumpen haben eine ähnliche Funktion. Überschüssige Energie, in Form von Wärme und Kälte, wird in einem Sprinklertank gespeichert. So ist das Logistikzentrum auch bei schlechtem Wetter mit erneuerbarer Energie versorgt. 

Regenwassernutzung mit Greenbuildingkonzept

Nicht die Stromkosten steigen, auch Wasser wird stetig teurer. Daher setzen immer mehr Unternehmen auf Wassersparmaßnahmen, wie zum Beispiel die Wiederverwertung von Regenwasser. In den meisten Unternehmen lassen sich Wassersparmaßnahmen mit wenig Aufwand und geringen Kosten realisieren. Wasserspararmaturen oder Durchflussbegrenzer sowie eine Modernisierung der Sanitäranlagen können eine Ersparnis im Wasserverbrauch von circa 30 Prozent erwirtschaften. Die Regenwassernutzung, auch Grauwassernutzung genannt, ermöglicht zudem ein hohes Wassereinsparpotenzial. In allen Bereichen, in denen Wasser nicht in Trinkqualität erforderlich ist, kann Regenwasser eingesetzt werden. Voraussetzung dafür ist, dass überschüssiges Regenwasser gespeichert werden kann, zum Beispiel in Flachtanks. Eine solche Substitution von Regenwasser ist in vielen Produktionsbereichen von Industrieunternehmen wirtschaftlich sinnvoll. Das Logistikunternehmen Simon Hegele setzt im Zuge seines Greenbuildings-Konzeptes für neue Logistikzentren auch auf eine Regenwassernutzung. „In den künftigen Zentren wird es möglich sein, Regenwasser selbst aufzubereiten und aufzufangen, um es beispielsweise für Toilettenspülungen wiederzuverwerten“, erklärt Martin.

Energiesparen: Energiefresser finden

Energie wird häufig an Stellen verbraucht, die niemand kennt und gleichzeitig nicht effektiv genutzt wird. Das gilt beispielsweise besonders für mittelständische Unternehmen, die viel mit Druckluft arbeiten. Laut Professor Eberhard Jochem, Wissenschaftler im technisch-ökonomischen Feld der rationellen Energieanwendung, kostet ein nur 1 Millimeter kleines Loch in einer Druckluftleitung 600 Euro im Jahr. Um solche Einsparpotenziale besser ausnutzen zu können, beziehungsweise um diese erst einmal zu erkennen, raten Energieexperten zu Energiemanagementsystemen in den Betrieben. „Wenn ein Unternehmen seine Energieeffizienz langfristig verbessern will, steht am Anfang eine fundierte Basisanalyse aller Energieströme im Betrieb. Unternehmen müssen  betriebswirtschaftliche Entscheidungen rund ums Thema Energieeffizienz auf Grundlage dieser verlässlichen Daten treffen“, sagt Joachim Ganse von der KPMG. In einigen mittelständischen Betrieben gibt es bereits Qualitätsmanagementsysteme. Ein Energiemanagementsystem kann an dieses anknüpfen. Generell gilt das Prinzip „Plan-do-check-act“, wenn ein Unternehmen sich in einem Bereich verbessern will. Das ist bei der Energieeffizienz genauso. 

Stromvergleich durch Ausschreibungen

Ebenso wie private Haushalt können auch Unternehmen  Strompreise vergleichen und den Anbieter wechseln. Die Strompreise in der Grundversorgung sind in den letzten acht Jahren um rund 30 Prozent gestiegen. Vielen Unternehmen ist nicht bewusst, dass sie mit einem Strompreisvergleich Geld sparen können. Jeder deutschen Postleitzahl sind durchschnittlich 100 liefernde Stromanbieter zugeordnet. Der Wettbewerb ist also groß und dementsprechend unterschiedlich sind die Preise. „Ein durchschnittliches Mittelstandsunternehmen mit ca. 5 Mio. kWh Jahresverbrauch spart bei einer marktübergreifenden Ausschreibung und kurzen Angebotsbindefristen ca. 20.000 Euro. Bezogen auf den reinen Energiepreis sind das ca. 8 Prozent. Wenn das Unternehmen seinen Strom für 2015 oder 2016 ausschreibt sind derzeit sogar 50.000 € Einsparpotential möglich“, sagt Clemens Graf von Wedel von der Ausschreibungsplattform „enPortal“. Manche Unternehmen kaufen ihren Strom sogar schon bis zum Jahr 2018 ein, da sie erwarten, dass der Strompreis weiter ansteigt.

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