Dienstag, 03.07.2012
Atomausstieg

Strom langfristig billiger

Der Atomausstieg beeinflusst die Strompreise kaum. Kommt es anders, liegt der schwarze Peter bei Wirtschaftsminister Philipp Rösler.

Der Atomausstieg wird den Strom nicht teurer machen. Ab 2030 wird der Ausstieg sogar finanzielle Vorteile bringen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace.

Voraussetzung für gleichbleibende Strompreise ist ein stabiler Verbrauch. Steigt der Strombedarf nicht an und bleibt der Emissionshandel schwach, gleiche das den minimalen Anstieg der Großhandelsstrompreise aus. Mittelfristig werde eine wirkungsvolle Effizienzpolitik den Strompreis sogar senken. Nach den Berechnungen des DIW kostet eine Kilowattstunde Großhandelsstrom im Jahr 2020 5,1 Cent – ob mit oder ohne Atomstrom. Zehn Jahre später macht sich der Atomausstieg auch finanziell positiv bemerkbar. Eine Kilowattstunde soll dann 6,5 Cent kosten. Mit Atomenergie sollen es 0,5 Cent mehr sein. Der Ausbau erneuerbarer Energien werde sich auch positiv auf die Strombörsenpreise auswirken. Trotz zunehmender Gas- und Kohlepreise sollen diese kaum steigen. 

Sündenbock Rösler

„Die positiven Wirkungen von Energieeffizienzverbesserungen werden unterschätzt. Ein möglicher Strompreisanstieg kann durch Energieeffizienzverbesserungen deutlich abgemildert werden", erklärt Claudia Kemfert, Mit-Autorin der Studie und Leiterin des Bereichs Energie, Verkehr, Umwelt am DIW Berlin. „Wenn unsere Strompreise steigen, ist nicht der Atomausstieg der Sündenbock, sondern Wirtschaftsminister Rösler, der seine Hausaufgaben im Bereich Energieeffizienz nicht erledigt. Der Stromverbrauch in Deutschland muss durch gesetzliche Vorgaben endlich gesenkt werden – das ist zentraler Bestandteil der Energiewende", ergänzt Niklas Schinerl, Energieexperte von Greenpeace. Ein weiterer Baustein im Energiepuzzle ist der europäische Emissionshandel. Funktioniert er, so werden Kohlekraftwerke unattraktiv. Investitionen fließen dann in klimafreundlichere Gaskraftwerke. CO2-Emissionen im Stromsektor können so um bis zu 48 Prozent bis 2020 sinken. Bis 2030 sind 64 Prozent möglich.

KfW senkt Zinsen

Zur Finanzierung der erneuerbaren Energien hat die KfW ihre Zinsen gesenkt. Seit dem 2. Juli 2012 sind die Zinsen des Programms Erneuerbare Energien Standard um bis zu 30 Basispunkte niedriger. Finanzierungen zum Beispiel für die Errichtung neuer Windparks sind so bereits ab 1 Prozent möglich. In die Zinssenkung einbezogen sind zudem die Programme IKU – Kommunale Energieversorgung sowie der KfW-Unternehmerkredit. „Wir wünschen uns, dass möglichst viele Unternehmen, Hausbesitzer und Kommunen die historisch günstigen Finanzierungsbedingungen für Investitionen in Erneuerbare Energien und Energieeffizienzmaßnahmen nutzen“, sagt Dr. Axel Nawrath, Mitglied des Vorstands der KfW Bankengruppe. Möglich sind die Erleichterungen, weil die Europäische Union den Referenzzinssatz für die Eurozone gesenkt hat.

Quellen: DIW, KfW, Markt und Mittelstand

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