Donnerstag, 09.01.2014

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Strompreise für Mittelständler in Nachbarländern geringer

Strompreise: Nachbarländer günstiger

Der Strompreis in Deutschland animiert Mittelständler, sich im Ausland nach günstigeren Produktionsstätten umzusehen. Im EU-Vergleich sind die Stromkosten hier am dritthöchsten.

Die Strompreise in Deutschland lagen 2013 knapp 46 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Das ermittelte das Vergleichsportal „TopTarif“ auf Grundlage von Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat. In Deutschland zahlte der Mittelstand im Durchschnitt für 100 Kilowattstunden Strom 26,80 Euro - der EU-Durchschnittspreis liegt bei 19,70 Euro.

Strompreis: Nachbarländer für Mittelstand lukrativ

In Deutschlands Nachbarländern sind die Strompreise teils deutlich niedriger. Am günstigsten ist der Strompreis im Nachbarland Polen. Hier zahlt der Mittelstand im Durchschnitt 9,17 Cent pro Kilowattstunde. Das ist verglichen mit Deutschland eine Ersparnis von mehr 3 Cent pro angefangene Kilowattstunde. Auch in den Niederlanden ist der Strom für Unternhemen noch verhältnismäßig günstig. Für die Kilowattstunde zahlt der Mittelstand hier 9,81 Cent. In Tschechien liegt der Strompreis bei 10,39 Cent pro Kilowattstunde und in Luxemburg bei 10,50 Cent. Damit ist der Strompreis pro Kilowattstunde aber auch hier deutlich unter dem deutschen Preisniveau. Daher sind die Nachbarländer für den deutschen Mittelstand hinsichtlich des Strompreises lukrativ.


Strompreis: Mittelstand sucht nach Alternativen

Obwohl der deutsche Mittelstand traditionell sehr heimatverbunden ist, suchen immer mehr Unternehmer potenzielle Betriebsstätten für ihre Werke jenseits der Bundesgrenzen. Durch die zuletzt/im letzten Jahr/in den letzten Jahren – nicht zuletzt auch durch das EEG – stark gestiegenen Strompreise in Deutschland werden die Kostenvorteile im osteuropäischen Ausland nun noch größer. Der Automobilzulieferer Borgers hat schon vor knapp zwei Jahrzehnten aus Kostengründen, ein Werk in Tschechien aufgebaut. Damals waren es im Wesentlichen die günstigeren Lohn- und Logistikkosten. „Dieses Werk hat mittlerweile 2500 Mitarbeiter und profitiert von Stromkosten, die im Vergleich zu deutschen Werken knapp 50 Prozent niedriger sind“, sagt der Geschäftsführer Werner Borgers. Damit sei es für sein Unternehmen wiederum ein Stück schwerer geworden, Aufträge im gruppeninternen Standortwettbewerb nach Deutschland zu vergeben.

Stromkosten alleine kein Grund für Werke im Ausland

Manfred Volk, Aufsichtsratsvorsitzender der Wasserkraft Volk AG, glaubt hingegen nicht, dass der Mittelstand Deutschland wegen der Strompreise den Rücken kehren wird. „Wer zieht schon wegen des Strompreises mit seiner Familie und der Belegschaft ins Ausland um? Zudem wären die Produkte des Mittelstands dann nicht mehr ‚Made in Germany‘.  Der Mittelstand würde so sein wichtigstes Markenzeichen verlieren“, meint Volk. Wasserkraft Volk hat sich von den steigenden Stromkosten unabhängig gemacht, in dem das Unternehmen zu 80 Prozent eigens produzierten Strom verwendet.