Mittwoch, 05.06.2013

Jan Oelker

Der Ausbau der Offshore-Windparks ist nur eine von vielen Problembaustellen bei der Energiewende.

Energiewende

Ziele der Energiewende in weiter Ferne

Die von der Bundesregierung ausgegebenen Ziele der Energiewende rücken in weite Ferne. Hohe Strompreis und mangelnde Versorgungssicherheit sind nur zwei Negativbeispiele. Der aktuelle McKinsey Energiewende-Index geht nur noch bei einem Drittel der Ziele von einer realistischen Umsetzung aus.

Die Umsetzung der Energiewende bleibt weit hinter den Zielen der Bundesregierung zurück. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Energiewende-Index der Unternehmensberatung McKinsey. Im vergangenen Quartal zeigt der Index zum dritten Mal in Folge eine Verschlechterung, inzwischen gilt es bei 10 der 15 Energiewende-Ziele als „unrealistisch“, dass diese planmäßig erreicht werden. Besonders drastisch klaffen Anspruch und Wirklichkeit bei den Themenfeldern stabile Strompreise und CO2-Ausstoß auseinander. Seitdem die McKinsey-Energieexperten Thomas Vahlenkamp und Matthias Gohl damit begonnen haben die Fortschritte der Energiewende anhand von 15 Einzelkategorien zu bewerten, haben sich fast alle Bereiche verschlechtert.

Der CO2-Ausstoß hat sich im vergangenen Quartal sogar verschlechtert und lag Ende 2012 um 1,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Hinzu kommt, dass falsche Anreizstrukturen die Bemühungen der Energiewende ausbremsen. Besonders deutlich wird dies bei den Gaskraftwerken, die zwar relativ sauber und effizient sind, aber dennoch kaum genutzt werden, da Erdgas in Europa vergleichsweise teuer ist. Subventionen für erneuerbare Energien und die billigen CO2-Zertifikate führen deshalb dazu, dass in Deutschland der subventionierte Ökostrom und die klimaschädliche Braunkohle dominieren.

Strompreise weit über dem Durchschnitt

Auch die Strompreise zeigen in Deutschland weiter nach oben. Im Januar 2013 haben sich die Haushalts-Strompreise um rund 13 Prozent erhöht. „Damit sind die deutschen Haushalts-Strompreise nun im Schnitt circa 44 Prozent höher als der europäische Durchschnitt“, heißt es bei McKinsey. Für das Regierungsziel stabiler oder gar sinkender Strompreise ist diese Entwicklung verheerend, eine Erreichung gilt inzwischen auch hier als unwahrscheinlich. Im Gegenteil: Die Studienautoren erwarten sogar noch weiter steigende Strompreise.

Selbst die zunächst positiv scheinende Entwicklung des Stromverbrauchs halten die McKinsey-Autoren für trügerisch. Zwar ging der Verbrauch bundesweit um 1,3 Prozent zurück, die Gründe sind allerdings wenig erfreulich: „Ein Haupttreiber für den geringeren Stromverbrauch ist nicht die Effizienzsteigerung, sondern der Produktionsrückgang im produzierenden Gewerbe“, erklären die McKinsey-Experten. Das ursprüngliche Ziel, den Stromverbrauch bis 2020 bundesweit um zehn Prozent zu reduzieren, wird sich auf diese Weise trotz eines temporär verbesserten Indexwertes kaum erreichen lassen.

Ausbau der Erneuerbaren Energien stockt

Auch weitere Kernpunkte der Energiewende entwickeln sich negativ, darunter der Ausbau der Offshore-Windkraft, die Versorgungssicherheit und der Ausbau der Transportnetze. Bei den fünf verbliebenen Zielen, denen derzeit noch eine realistische Umsetzung bescheinigt wird, zeichnen sich ebenfalls negative Trends ab. Obwohl die Bundesregierung Solar- und Windkraft zu einem Jobmotor machen wollte, werden dort derzeit Arbeitsplätze abgebaut.

Auf der Kostenseite warnen die Experten von McKinsey vor einem weiteren drastischen Preisanstieg. Bis 2020 könnten sich die Kosten der Energiewende demnach von 13,5 Milliarden Euro im Jahre 2011 auf 29 Milliarden Euro erhöhen. Gleichzeitig könnte die Versorgungssicherheit unter dem Fehlen von Reservekraftwerken leiden, für deren Bau es derzeit kaum Anreize gebe. Als Ausweg fordern die Experten eine Weiterentwicklung des deutschen Stromsystems und mehr Kraftwerkskapazitäten. Ob dazu der Weg einer strategischen Reserve oder der eines „Kapazitätsmarktes“ parallel zum Strommarkt gewählt werde, mache im Endeffekt keinen Unterschied. „Eine effiziente Umsetzung vorausgesetzt, sind die Gesamtkosten für beide Modelle ähnlich. Die effiziente Umsetzung spielt hier eine deutlich größere Rolle als die Wahl des Regimes“, so McKinsey.

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