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Finanzierung > Bankenpolitik

Grüne Bank, roter Ärger: Warum die GLS linken Organisationen die Konten kündigt

| Oliver Stock | Lesezeit: 3 Min.

Bisher war es die AfD, der manche Bank die Kontobeziehung kündigte. Jetzt schmeißt ausgerechnet die Ökobank aus Bochum linke Organisationen aus ihre Kundendatei.

GLS Bank Foto: Shutterstock
Die GLS Bank inszeniert sich als moralische Instanz – doch ihre Kontokündigungen werfen Fragen nach politischer Selektion und Macht im Finanzsystem auf. Foto: Shutterstock

22.01.2026 Von Oliver Stock

Der Streit ist so paradox wie explosiv: Ausgerechnet die Bochumer GLS Bank, Deutschlands bekannteste sozial-ökologische Genossenschaftsbank mit rund 400 000 Kunden, kündigt linken Organisationen ihre Konten. Die Betroffenen rieben sich erst die Augen und gehen inzwischen auf die Barrikaden. Das böse Wort vom „Debanking“ fällt, das nach Rausschmiss und Ausschluss aus der Gesellschaft der Kreditwürdigen klingt. Die Bank dagegen macht so etwas wie regulatorischer Notwehr geltend, was sich danach anhört, als könne sie gar nicht anders. Dazwischen steht eine Frage, die weit über Bochum hinausweist: Wie viel politische Haltung kann sich eine Bank noch leisten, wenn der Druck auf das globale Finanzsystem steigt?

Antifa auf Trumps Terrorliste als Grund?

Bekannt wurden die Fälle kurz vor Weihnachten, wo sie im Jahresendtrubel aber wenig Aufmerksamkeit erhielten, was der GLS nicht ganz ungelegen gekommen sein dürfte. Die Rote Hilfe e.V., die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und Anarchist Black Cross Dresden berichten übereinstimmend, dass ihnen die GLS ihre Konten gekündigt habe – teils fristlos, teils mit Verweis auf allgemeine Geschäftsbedingungen, ohne konkrete inhaltliche Begründung. Die DKP schreibt, die Kündigungen beträfen den Parteivorstand und zahlreiche Gliederungen und sollten zum Jahresende wirksam geworden sein. Zuvor habe die Bank detaillierte Fragen gestellt, unter anderem zu einer Spendenkampagne für Kuba.

Die Betroffenen sehen den Auslöser nicht in ihrem eigenen Handeln, sondern in Washington. Sie verweisen auf Entscheidungen der US-Regierung unter Donald Trump, die Gruppen aus dem so genannten antifaschistischen Umfeld auf Terrorlisten setzte. Auch wenn diese Einstufungen im deutschen Recht keine unmittelbare Wirkung entfalten, hätten sie faktisch globale Konsequenzen. Wer auch nur in den Verdacht gerate, mit von den Amerikanern gelisteten Strukturen verbunden zu sein, könne Banken in existentielle Risiken treiben – bis hin zu Sanktionen oder dem Ausschluss aus internationalen Zahlungssystemen. Die Rote Hilfe spricht von einer „indirekten Erpressung über das Finanzsystem“.

Die GLS Bank weist den Vorwurf politischer Motive zurück. In mehreren Stellungnahmen betont sie, man sei „selbstverständlich gegen jedes Debanking“ und verstehe darunter den gezielten, politisch motivierten Ausschluss demokratischer Organisationen vom Zahlungsverkehr. Genau das sei hier nicht der Fall. Man betreue mehr als 11.000 Konten von Vereinen, Initiativen und zivilgesellschaftlichen Akteuren und sei stolz auf diese Nähe zur Szene. Doch einzelne Konstellationen könnten „erhebliche Risiken“ bergen. Als Bank unterliege man strengen Aufsichts- und Sorgfaltspflichten. Verstöße könnten Bußgelder, Sanktionen und im Extremfall eine Gefährdung des gesamten Instituts nach sich ziehen. Deshalb müsse man im Einzelfall handeln – und habe von Tausenden Konten nur „einige wenige“ gekündigt. Politisch motiviert sei das nicht, so die Bank, sondern eine Frage von Haftung und Compliance.

Wenn Banken politisch sind

Die Finanzaufsicht BaFin äußert sich nicht zu den konkreten Kündigungen. Die GLS verweist allerdings allgemein darauf, dass sie der laufenden Aufsicht unterliegt und deren Regelwerke einzuhalten habe – was darauf schließen lässt, dass die Aufseher die Fälle kennen und das Vorgehen billigen. In der öffentlichen Debatte um Kontokündigungen hat die BaFin stets eher Zurückhaltung signalisiert, ohne Einzelfälle zu bewerten. Zuletzt waren rechte Organisationen von einem solchen Vorgehen betroffen: In Ostwestfalen beispielsweise hatte der Verbund Volksbank OWL und die Volksbank in Ostwestfalen bestätigt, dass sie die Konten von Orts- und Kreisverbänden der Alternative für Deutschland (AfD) gekündigt haben; die Partei bezeichnete das ebenso wie jetzt die linken Gruppen als politisch motiviertes „Debanking“.

Die GLS wurde 1974 gegründet, verwaltet heute eine Bilanzsumme von rund 10,7 Milliarden Euro und beschäftigt etwa 1000 Mitarbeiter. Getragen wird sie von rund 140.000 Mitgliedern. Ihr Geschäftsmodell ist wertebasiert: finanziert werden erneuerbare Energien, soziale Einrichtungen, nachhaltige Unternehmen. Ausgeschlossen sind unter anderem Atomkraft, fossile Energien und Rüstung. Waffen und Nachhaltigkeit, so das Selbstverständnis, schließen sich aus.

In ihrer Ausrichtung liegt jetzt das Dilemma: Eine Bank, die sich als Teil der Zivilgesellschaft versteht, kappt aus Vorsicht genau dort die Verbindung, wo Zivilgesellschaft unbequem wird. Die GLS argumentiert mit Verantwortung für das Ganze, die Betroffenen mit der Aushöhlung politischer Vielfalt durch ökonomischen Druck. Es ist ein Konflikt zwischen Ideal und Infrastruktur, zwischen Haltung und Haftungsrecht. Die GLS sieht sich dabei in einer unangenehmen Sandwichposition, denn: Es seien die Kunden, die „ihrerseits die Verantwortung dafür tragen, was sie tun“ und sie müssten „ihr Tun gegenüber ihrer Bank dokumentieren“. Die dabei möglicherweise entstehenden Risiken trügen „sowohl die Bank als auch einzelne Mitarbeiter“ – womit sie am Ende das rigide Vorgehen gegen einzelne Organisationen rechtfertigt.

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