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Finanzierung > Globale Patententwicklung

China überholt USA bei Patenten – Innovationskraft mit Schattenseiten

| Markt und Mittelstand Redaktion

China ist Patentweltmeister – doch die Qualität stagniert. Was bedeutet das für Europas Mittelstand im globalen Wettbewerb?

Skyline von Shanghai bei Nacht
China ist Patentnation Nr. 1 – doch die Innovationsdynamik schwächt sich ab. (Foto: shutterstock)

21.8.2025 - Markt und Mittelstand: China hat in den vergangenen Jahren die USA als weltweit führende Patentnation abgelöst. Doch während die Zahl der Patentanmeldungen stetig steigt, sinkt der durchschnittliche Innovationsbeitrag eines chinesischen Patents. Auch die Wachstumsrate der besonders wichtigen Spitzenpatente verlangsamt sich. Gleichzeitig prägen einheimische Erfindungen die Ausrichtung der chinesischen Innovationspolitik immer stärker.

Dies geht aus einer aktuellen Untersuchung des ZEW Mannheim, in Kooperation mit der University of Toronto, der Central University of Finance and Economics sowie der Goethe-Universität Frankfurt hervor.

Die Ergebnisse haben weitreichende Implikationen für das zukünftige Wirtschaftswachstum Chinas – und für den globalen Innovationswettbewerb.

Rückgang ausländischer Beiträge in China

„Der Beitrag ausländischen Wissens – insbesondere aus den USA – zur chinesischen Innovation ist zuletzt deutlich zurückgegangen. Das lässt auf eine wachsende Unabhängigkeit Chinas schließen“, erklärt Prof. Dr. Philipp Böing, Ko-Autor der Studie.

Während Patentanmeldungen aus dem Ausland nur noch eine Nebenrolle spielen, dominieren heute chinesische Privatunternehmen und Universitäten das Patentgeschehen. Der Anteil ausländischer Patente in China liegt bei lediglich 10 Prozent, in den USA dagegen bei rund 50 Prozent.

Qualität der Spitzenpatente sinkt

Die Studie zeigt zugleich eine Ambivalenz: Zwar nimmt die Zahl hochwertiger Patente in China weiter zu, doch die Wachstumsdynamik verlangsamt sich. Auffällig ist zudem, dass die Bedeutung einzelner Erfindungen abnimmt, während die Zahl der insgesamt geschützten Technologien wächst. Dieser Befund deckt sich mit globalen Trends, in denen die Innovationskraft insgesamt schwächer wird.

Dennoch tragen inzwischen mehr als die Hälfte der chinesischen Patente stärker zum technologischen Fortschritt Chinas bei als US-Patente, die im Land angemeldet werden.

 

Eigenständigkeit als geopolitische Strategie

Die Auswertung macht deutlich, dass Staatsbetriebe, aber auch Universitäten und Forschungsinstitute, eine zentrale Rolle bei einflussreichen Patentanmeldungen spielen. Ausländische Unternehmen liegen in der Rangfolge dahinter. Damit setzt China klar auf technologische Eigenständigkeit – ein Kurs, der einerseits neue Chancen eröffnet, etwa durch die Förderung nationaler Kapazitäten.

Andererseits verschärft er die geoökonomischen Spannungen: Internationale Forschungskooperationen werden schwieriger, und der globale Wettbewerb um technologische Führungspositionen intensiviert sich.

Für den deutschen Mittelstand bedeutet diese Entwicklung eine doppelte Herausforderung. Einerseits steigt der Wettbewerbsdruck, da chinesische Unternehmen zunehmend eigenständig Technologien entwickeln und globale Standards setzen können. Andererseits droht die Abhängigkeit von chinesischen Schlüsseltechnologien – etwa in der Elektromobilität, Medizintechnik oder Digitalisierung – weiter zuzunehmen, wenn Europa nicht entschlossen gegensteuert.

Mittelständische Unternehmen in Deutschland und Europa sollten deshalb diese Entwicklung aufmerksam verfolgen: Sie zeigt, wie stark Industriepolitik und Innovationsstrategien in China auf langfristige Autonomie ausgerichtet sind – mit direkten Folgen für Märkte, Lieferketten und Wettbewerbsbedingungen weltweit.

Unternehmen hierzulande müssen deshalb ihre Innovationskraft durch Investitionen in Forschung, Kooperationen mit Hochschulen und strategische Partnerschaften stärken. Nur so lässt sich verhindern, dass Europa im globalen Technologie-Wettlauf ins Hintertreffen gerät und in kritischen Bereichen zum reinen Anwender chinesischer Entwicklungen wird.

 

Faktenbox: Chinas Patente

  • Patentnation Nr. 1: China hat die USA als führende Patentnation überholt.

  • 90 % inländische Patente: In China stammt nur jeder zehnte Patentantrag von ausländischen Firmen – in den USA ist es etwa die Hälfte.

  • Privatunternehmen dominieren: Der Großteil der Patente stammt von chinesischen Privatunternehmen und Universitäten.

  • Staatsbetriebe vorn: Einflussreiche Patente kommen häufiger von Staatsunternehmen, danach erst folgen Privatunternehmen.

  • Geoökonomische Dimension: China reduziert seine Technologieabhängigkeit vom Ausland – mit Folgen für internationale Kooperationen und Märkte.

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