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Vergrabene Schätze: Warum das Treasury 2025 ein Update braucht

| Amit Kahana | Lesezeit: 3 Min.

Treasury wird zum digitalen Steuerzentrum: Automatisierung, Echtzeitdaten und intelligente Cash-Strategien sichern Liquidität und Wachstum.

Schreibtisch
Moderne Treasury-Teams steuern Liquidität heute digital: Echtzeitdaten, Automatisierung und integrierte Cashflows ersetzen manuelle Prozesse. (Foto: Pleo)

Viele Mittelständler unterschätzen ihr Treasury. Dabei steckt hier enormes Potenzial für Stabilität, Effizienz und Wachstum, wenn Prozesse digitalisiert und Cash-Strategien modernisiert werden. 

von Amit Kahana

Wer heute erfolgreich wirtschaften will, muss sein Bargeld genauso sorgfältig managen wie seine Ausgaben. Der Unterschied mag klein wirken, doch der Effekt ist enorm. Zuständig dafür in der Organisation ist das Treasury. Diese Abteilung sorgt für das Cash Management, also dafür, dass Zahlungsströme, Finanzmittel und Risiken im Unternehmen jederzeit im Gleichgewicht bleiben. Treasury ist damit heute weit mehr als reine Verwaltung: Es sichert Liquidität, schafft Stabilität und ermöglicht Wachstum. Doch vielerorts arbeitet es noch mit Methoden aus einer anderen Zeit. 

Laut dem Pleo Treasury-Report 2025 sagen 70 Prozent der deutschen Finanzverantwortlichen, dass Treasury mit zunehmender Unternehmenskomplexität wichtiger wird. Gleichzeitig bewerten zwar 85 Prozent ihre Abteilung als effektiv, doch nur ein Drittel hält das eigene Unternehmen für wirklich finanziell agil. Das zeigt: Das Treasury funktioniert, aber es schöpft sein Potenzial nicht aus. 

Funktioniert das Treasury noch richtig? 

In Zeiten volatiler Märkte wird das Treasury zum strategischen Steuerzentrum. Viele Teams bleiben jedoch im operativen Tagesgeschäft stecken. Sie investieren im Schnitt 26 Stunden pro Woche in manuelle Aufgaben. Zeit also, die für strategische Entscheidungen fehlt. 

43 Prozent der Unternehmen geben an, nicht genug Transparenz über Konten, Cashflows oder Budgets zu haben, um rechtzeitig reagieren zu können. Fast die Hälfte arbeitet mit vier oder mehr Systemen gleichzeitig, oft ohne Integration. 49 Prozent greifen sogar noch auf einfache Tabellenverarbeitung zurück. 

Wer das kennt, weiß: Mangelnde Transparenz kostet Zeit. Und Zeit kostet Chancen. 

 

Drei Hebel für ein Treasury der Zukunft

  • 1. Globale Übersicht schaffen 

Eine zentrale Echtzeit-Übersicht über alle Bankkonten, Salden und Cashflows ist laut 70 Prozent der deutschen Unternehmen der wichtigste Hebel für Transparenz. Damit können Liquiditätsentwicklungen verfolgt und finanzielle Risiken früh erkannt werden. 

Die Praxis zeigt jedoch, dass viele Mittelständler noch mit fragmentierten Tools arbeiten. Wer Systeme konsolidiert und Cash-Daten zentralisiert, spart nicht nur Zeit, sondern gewinnt Kontrolle. 

Moderne Finanztools können zudem helfen, Budgetüberschreitungen und abgelehnte Zahlungen zu vermeiden – etwa indem sie liquide Mittel automatisch auf Unterkonten für kritische Zahlungen reservieren. So bleibt gewährleistet, dass wichtige Transaktionen jederzeit ausgeführt werden können, ohne andere Bereiche finanziell auszubremsen. 

 

  • 2. Geld produktiver machen 

66 Prozent der Unternehmen wollen überschüssige Liquidität künftig gezielter einsetzen. Doch häufig bleibt Kapital ungenutzt, weil die Kontenstrukturen zu starr sind oder sie keinen einheitlichen Überblick über den frei verfügbaren Cashflow haben. 

Intelligentes Cash Management – etwa durch Cash Pooling oder automatisiertes Sweeping – kann hier helfen. Es bündelt Mittel, senkt Kreditkosten und sorgt für tagesaktuelle Liquidität. Ergänzend bieten Multiwährungskonten oder verzinste Geschäftskonten zusätzlichen Spielraum, um Erträge zu maximieren. 

Auch bei alltäglichen Zahlungen lässt sich sparen. Moderne Finanztools ermöglichen die Verwendung mehrerer Währungen über verschiedene Konten hinweg, wodurch die Devisengebühren reduziert werden. 

 

  • 3. Zeit für das Wesentliche schaffen 

Viele Treasury-Teams verlieren sich in Routinearbeit. Der Einsatz von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz kann das ändern. Sie hilft, Überweisungen regelbasiert auszulösen, Daten in Echtzeit zu verknüpfen und Risiken automatisch zu melden. 

Ein Beispiel dafür sind sogenannte „Transferregeln“: Diese Funktion automatisiert Geldbewegungen auf Basis zuvor definierter Regeln und Szenarien. So werden Liquiditätstransfers automatisch ausgelöst, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind – etwa, wenn ein Kontostand ein Limit über- oder unterschreitet. Das entlastet Teams von manuellen Entscheidungen, spart Zeit, reduziert teure Fehler und stellt sicher, dass der Geschäftsbetrieb jederzeit reibungslos weiterläuft. 

KI kann menschliche Fehler reduzieren, ein Risiko, das laut Pleo-Report fast 42 Prozent der Finanzprofis fürchten. Teams, die automatisierte Systeme nutzen, bewerten ihr Treasury deutlich häufiger als sehr effektiv. 

Automatisierung bedeutet nicht Kontrollverlust, sondern Freiraum für Analysen, Planung und Innovation. 

Wenn der Druck steigt, wächst das Potenzial

Das Treasury ist kein Tresorraum mehr, sondern das digitale Nervenzentrum der Unternehmensfinanzen. Es kann Krisen antizipieren, Cashflows optimieren und strategische Entscheidungen fundieren. Vorausgesetzt, es arbeitet integriert, automatisiert und intelligent. Dann schafft es Stabilität nicht durch Kontrolle, sondern durch Überblick. 

Ergo: Wer das Treasury jetzt modernisiert, hebt vergrabene Schätze. Im wahrsten Sinne des Wortes. 

 

Der Autor

Amit Kahana - SVP of Credit and Cash Management beim internationalen Fintech-Unicorn Pleo, einer Plattform für smartes Ausgabenmanagement, die Ausgaben automatisiert verarbeitet, Rechnungen bezahlt und smarte Firmenkarten ausstellt. 

In dieser Leadership-Rolle hat Amit alle Kredit- und Treasury-Produkte in Pleos 16 Märkten aufgebaut und verantwortet diese auch heute noch. Dabei leitet er funktionsübergreifende Teams in den Bereichen Engineering, Design, Risiko- und Produktmanagement sowie Inkasso und Nutzerforschung. 

Zuvor war er Berater und Teil der Senior-Leadership-Teams von Unternehmen wie Tide, GoCardless und Liberis Limited. Amit besitzt über einen vielschichtigen professionellen Hintergrund, etwa in der Produktentwicklung, in makro- und mikroökonomischen Trends, in Risikomodellierung und -management sowie in Finanztools. 

 

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