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Finanzierung > Handelspolitik

Trump, Strafzölle und deutsche Unternehmen: Warum Gelassenheit klüger ist als Panik

| Andreas Engelen

Trumps Drohungen mit Strafzöllen verunsichern – doch Panik hilft nicht. Unternehmen brauchen strategische Robustheit statt Aktionismus.

Eine Collage aus einer stilisierten US-Flagge, die wie ein Schlaghammer auf einen Containerhafen niedergeht. Dazwischen ein deutscher Mittelständler (symbolisch: Silhouette mit Aktenkoffer) auf einer Waage, die Balance zwischen Marktchancen und Risiken hält. Farbwelt: starke Kontraste in Rot, Blau und Stahlgrau.
(Foto: MuM, ki-generiert)

05.09.2025 Markt und Mittelstand  - von Andreas Engelen

 

Immer, wenn US-Präsident Donald Trump in Wahlkampfstimmung kommt, sind Strafzölle nicht weit. Damit zu drohen, gehört bei ihm fast schon zur außenpolitischen Grundausstattung. Sie ist einfach, plakativ und trifft oft einen Nerv in Teilen der US-Wählerschaft.

Müssen deutsche Unternehmen und politische Entscheidungsträger darauf reagieren? Und wenn ja, wie? 

Zölle sind kein neues Instrument. Sie gehören seit Jahrhunderten zum Werkzeugkasten nationalstaatlicher Wirtschaftspolitik. Sie sollen heimische Industrien schützen, gegen ausländische Konkurrenz abschotten oder sind schlicht politisches Druckmittel. In der Geschichte haben sie allerdings häufig auch Kollateralschäden erzeugt – wirtschaftlich und diplomatisch. Besonders für exportorientierte Länder wie Deutschland, die einen Großteil ihres Wohlstands aus offenen Märkten ziehen, sind die Folgen erheblich. Dennoch sollten wir nicht vorschnell in Panik oder Aktionismus verfallen. 

Die entscheidende Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass die angedrohte Zollpolitik tatsächlich in vollem Umfang umgesetzt wird und mit welcher Konsequenz? Trump kündigt häufig maximale Forderungen an. Doch oft begrenzen innenpolitische, rechtliche oder wirtschaftliche Realität die Umsetzung. Zudem sind US-Unternehmen auf europäische Vorprodukte angewiesen. Pauschale Zölle belasten auch die USA, was wiederum Widerstand bei der US-Wirtschaftslobby provoziert. 

Doch selbst wenn Vieles heiße Luft ist – allein die Ankündigung kann Märkte verunsichern und Investitionen verzögern. Für Unternehmen geht es nicht nur um ökonomische Substanz, sondern auch psychologische Wirkung. Was passiert mit dem Vertrauen internationaler Partner? Welche Signale sendet eine Bundesregierung, wenn sie auf Trumps Rhetorik mit unmittelbaren Gegenmaßnahmen reagiert? Und wie weit darf man überhaupt wirtschaftliche Resilienz mit politischer Souveränität verwechseln? 

Viel wichtiger ist daher, wie wir unsere eigene strategische Position gestalten – unabhängig von kurzfristiger Rhetorik aus Übersee. Reagieren wir panisch, stellen Lieferketten überhastet um, verlagern Standorte oder investieren zu viel, um Handelshemmnisse zu umgehen, lassen wir uns treiben. Handeln wir hingegen reflektiert, faktenbasiert und langfristig, stellen wir uns robuster auf. Das ist ohnehin notwendig, angesichts einer globalen Wirtschaft, die multipolarer wird. 

Gerade der Mittelstand kann pragmatisch handeln: Welche Märkte sind relevanter geworden – etwa in Asien, Osteuropa oder Afrika? Wie diversifiziert sind meine Kundenbeziehungen – geografisch, politisch und technologisch? Gibt es Fabriken, die bereits näher an neuen Zielmärkten liegen und nur besser genutzt werden müssten? Welche Innovationspotenziale lassen sich heben, wenn ich mich weniger auf volumengetriebene Märkte wie die USA fokussiere? Es geht um mehr als nur Zölle. Es geht um Widerstandsfähigkeit, um Unabhängigkeit – nicht im Sinne nationaler Autarkie, sondern strategischer Souveränität. Wer heute seine Exportstrategie, seine Partnernetzwerke und seine Innovationsfähigkeit überprüft, tut das nicht wegen Trump, sondern, weil es ohnehin an der Zeit ist. 

Zölle sind ein Risiko, aber nur eines von vielen. Die größere Gefahr besteht darin, dass wir in alten Handelsmustern verharren, unsere strategischen Entscheidungen auf politische Lautstärke stützen und auf Rhetorik reagieren, statt aktiv und zukunftsorientiert unsere Position im globalen Wettbewerb zu gestalten. Deshalb: Beobachten, aber nicht reflexartig handeln. Strategische Robustheit schlägt kurzfristige Empörung.

 

Doch selbst wenn Vieles heiße Luft ist – allein die Ankündigung kann Märkte verunsichern und Investitionen verzögern. Für Unternehmen geht es nicht nur um ökonomische Substanz, sondern auch psychologische Wirkung. Was passiert mit dem Vertrauen internationaler Partner? Welche Signale sendet eine Bundesregierung, wenn sie auf Trumps Rhetorik mit unmittelbaren Gegenmaßnahmen reagiert? Und wie weit darf man überhaupt wirtschaftliche Resilienz mit politischer Souveränität verwechseln? 

Viel wichtiger ist daher, wie wir unsere eigene strategische Position gestalten – unabhängig von kurzfristiger Rhetorik aus Übersee. Reagieren wir panisch, stellen Lieferketten überhastet um, verlagern Standorte oder investieren zu viel, um Handelshemmnisse zu umgehen, lassen wir uns treiben. Handeln wir hingegen reflektiert, faktenbasiert und langfristig, stellen wir uns robuster auf. Das ist ohnehin notwendig, angesichts einer globalen Wirtschaft, die multipolarer wird. 

Gerade der Mittelstand kann pragmatisch handeln: Welche Märkte sind relevanter geworden – etwa in Asien, Osteuropa oder Afrika? Wie diversifiziert sind meine Kundenbeziehungen – geografisch, politisch und technologisch? Gibt es Fabriken, die bereits näher an neuen Zielmärkten liegen und nur besser genutzt werden müssten? Welche Innovationspotenziale lassen sich heben, wenn ich mich weniger auf volumengetriebene Märkte wie die USA fokussiere? Es geht um mehr als nur Zölle. Es geht um Widerstandsfähigkeit, um Unabhängigkeit – nicht im Sinne nationaler Autarkie, sondern strategischer Souveränität. Wer heute seine Exportstrategie, seine Partnernetzwerke und seine Innovationsfähigkeit überprüft, tut das nicht wegen Trump, sondern, weil es ohnehin an der Zeit ist. 

Zölle sind ein Risiko, aber nur eines von vielen. Die größere Gefahr besteht darin, dass wir in alten Handelsmustern verharren, unsere strategischen Entscheidungen auf politische Lautstärke stützen und auf Rhetorik reagieren, statt aktiv und zukunftsorientiert unsere Position im globalen Wettbewerb zu gestalten. Deshalb: Beobachten, aber nicht reflexartig handeln. Strategische Robustheit schlägt kurzfristige Empörung.

 

Der Artikel erschien in der Print-Ausgabe Nr. 7 (September 2025) von Markt und Mittelstand.

Der Autor

Die Forschung schafft Wissen, die Praxis nutzt es – wenn dazwischen nur nicht immer so viel Interessantes verloren ginge. Unser Kolumnist Professor Andreas Engelen setzt sich für den gezielten Wissenstransfer von den Hochschulen in die Unternehmen zu betriebswirtschaftlichen Themen ein.

Der Inhaber des Lehrstuhls für Management an der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf forscht mit seinem Team erfolgreich über Fragen des strategischen Managements, der Innovation und des digitalen Managements. Aktuell schlägt er in Projekten mit mehr als 20 Unternehmen die Brücke zwischen Theorie und Praxis – für seine Studierenden wie für Firmen.

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