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Finanzierung > Pharmaindustrie Zollkonflikt

US-Zollpläne: Deutscher Pharmaexport vor Zerreißprobe

| Markt und Mittelstand Redaktion

Trumps 100-Prozent-Zölle bedrohen 27-Milliarden-Euro-Geschäft. EU pocht auf 15-Prozent-Obergrenze. Branche in Alarmbereitschaft.

Symbolbild: weißes Medikamentenblister, der mit einer schweren Eisenkette umwickelt ist – im Hintergrund die US-Flagge, leicht zerrissen.
100-Prozent-Zölle auf deutsche Pharmaexporte in die USA: Für die Branche droht ein milliardenschwerer Schock mit Folgen für Versorgung und Standorte. (Foto: Mum/Ki)

26.09.2025 von Markt und Mittelstand

Die deutsche Pharmaindustrie steht vor einer Zerreißprobe. US-Präsident Donald Trump kündigte Zölle von 100 Prozent auf Arzneimittelimporte in die Vereinigten Staaten ab 1. Oktober an. Für die exportorientierte Branche ein potenzieller Schock: 2024 gingen Waren im Wert von 27 Milliarden Euro in die USA - knapp ein Viertel der deutschen Pharmaexporte.

Zollhammer oder Standortverlagerung?

Trumps Kalkül: Pharmaunternehmen sollen verstärkt in den USA produzieren. Wer eine Produktionsstätte in Amerika baut oder bereits damit begonnen hat, könnte den Zöllen entgehen. Die Branche reagiert alarmiert. "US-Zölle setzen den Pharmastandort Deutschland unter Druck", warnt Jasmina Kirchhoff vom Institut der deutschen Wirtschaft laut FAZ.

Der Verband forschender Pharmaunternehmen (VFA) kritisiert, die Ankündigung stehe im Widerspruch zu bisherigen Handelsabsprachen zwischen den USA und der EU. Diese sehen eine Zollobergrenze von 15 Prozent auf Importe aus Europa vor. Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Chemieverbands VCI, spricht von einem "weiteren Schlag ins Gesicht" und einem "neuen Tiefpunkt für die Handelsbeziehungen mit den USA", wie die Hessenschau meldet.

EU-Kommission: Pharmaexporte geschützt?

Die EU-Kommission gibt sich betont gelassen. Ein Sprecher verwies auf die gemeinsame Erklärung vom August, die eine "eindeutige und umfassende Obergrenze von 15 Prozent für EU-Exporte" festhalte. Dies stelle "eine Art Absicherung dar, dass für europäische Wirtschaftsakteure keine höheren Zölle eingeführt werden".

Doch die Branche bleibt skeptisch. "Die aktuelle Ankündigung des amerikanischen Präsidenten hat eingeschlagen wie eine Bombe", erklärt Sula Lockl, Geschäftsführerin des VCI Hessen, gegenüber der Hessenschau. 27 Prozent aller Pharma-Ausfuhren aus Hessen gingen in die USA - drei Milliarden Euro stünden auf dem Spiel.

Versorgungsengpässe drohen

Die Apothekervereinigung ABDA warnt vor Auswirkungen auf die Arzneiversorgung in Deutschland. Wenn der wichtige Pharmamarkt USA durch Zölle behindert werde, "kann das dazu führen, dass die Produktion in Deutschland durch mangelnde Wirtschaftlichkeit eingeschränkt wird", so ABDA-Präsident Thomas Preis laut Spiegel.

Tatsächlich waren in den vergangenen Jahren immer wieder Medikamente wie Blutdrucksenker, Fiebersäfte für Kinder oder Schmerzmittel vorübergehend nicht verfügbar. Viele Patienten mussten auf Ersatzprodukte ausweichen. Michaela Engelmeier vom Sozialverband Deutschland warnt: "Arzneimittel sind ein besonderes Gut, sie sichern die Gesundheitsversorgung."

Fakten kompakt: US-Zollpläne und deutsche Pharmaindustrie

  • Trump kündigt 100-Prozent-Zölle auf Arzneimittelimporte ab 1. Oktober an
  • Deutsche Pharmaexporte in die USA: 27 Milliarden Euro (2024)
  • EU-USA-Handelsabkommen sieht 15-Prozent-Zollobergrenze vor
  • 27 Prozent der hessischen Pharma-Exporte gehen in die USA (3 Mrd. Euro)
  • Deutschland importierte 2024 Pharmazeutika im Wert von 12 Mrd. Euro aus den USA

 

Markt und Mittelstand Praxischeck

Geschäftsführer deutscher Pharmaunternehmen müssen sich auf Verwerfungen im US-Geschäft einstellen. Die angekündigten Zollpläne gefährden Exportumsätze. Gleichzeitig drohen Lieferkettenprobleme bei US-Importen. Die regulatorische Unsicherheit erfordert strategisches Handeln.

Handlungsempfehlungen:

  • Führen Sie eine detaillierte Risikoanalyse für Ihr US-Geschäft durch.
  • Prüfen Sie Optionen für Produktionsverlagerungen in die USA (Investitionsvolumen: 50-100 Mio. Euro).
  • Diversifizieren Sie Ihre Absatzmärkte: Reduzieren Sie die USA-Abhängigkeit.
  • Intensivieren Sie Ihr Engagement in Branchenverbänden (Zeitaufwand: 1 Tag/Woche auf Geschäftsführerebene)
  • Vorbereitung und Aufbau von Compliance-Prozessen zur Erfüllung neuer Zollvorgaben

Welche Compliance-Themen sind bei den US-Zollplänen Chefsache?

Geschäftsführer müssen persönlich die Einhaltung neuer Zollvorschriften, Ursprungsregeln und Exportdokumentationen verantworten. Implementieren Sie bis Q1/2026 ein spezielles Compliance-Management-System für US-Exporte.

 

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