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Finanzierung > Faule Kredite

Wachsende Risiken in den Bilanzen

| The Economist | Lesezeit: 3 Min.

Private-Credit-Boom, hohe Energiepreise und schwächeres Wachstum. Warum Investoren wieder eine Welle von Firmenpleiten in den USA fürchten.

Ein Mann Läuft vor einer Abrissbirne mit DEbt weg Grafik: Shutterstock
Die Schuldenlast wird schwerer. Steigende Energiepreise, hohe Zinsen und wachsende Risiken im Private-Credit-Markt könnten viele US-Unternehmen schneller zu Fall bringen, als die offiziellen Ausfallstatistiken zeigen. Grafik: Shutterstock

16.03.2026 The Economist

Unter Amerikas Unternehmensschuldnern braut sich Ärger zusammen.
Steigende Energiepreise verstärken die Angst vor einer Welle von Zahlungsausfällen.

Finanzexperten greifen auffallend häufig zu Tiermetaphern, wenn sie die Risiken in den Unternehmensbilanzen beschreiben. Als Tricolor Holdings und First Brands, zwei Unternehmen aus der Autoindustrie, im Oktober Insolvenz anmeldeten, verglich Jamie Dimon, Chef von JPMorgan Chase, die Situation mit einer „Kakerlake“. Wo ein fauler Kredit auftaucht, gebe es meist noch mehr. Im Februar musste Blue Owl Kapitalabzüge aus einem Private-Credit-Fonds stoppen, nachdem Privatanleger massenhaft Rückgaben verlangt hatten. Der Investor Mohamed El-Erian fragte daraufhin, ob die Probleme des Kreditgebers nur der tote Kanarienvogel in der Kohlemine seien oder etwas Schlimmeres. Vielleicht Termiten, die auf tief sitzende strukturelle Schäden hinweisen.

Rückkehr der Sorgen trotz scheinbarer Entspannung

Vor nicht allzu langer Zeit schien es, als sei die von vielen befürchtete Explosion der Unternehmensverschuldung ausgeblieben, nachdem die Zentralbanken nach der Pandemie die Zinsen erhöht hatten. Die Ausfallraten stiegen zunächst an und erreichten Ende 2024 fünf Prozent des spekulativen Schuldenvolumens in den USA, gingen im vergangenen Jahr jedoch wieder zurück. Zwischen den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 und dem gleichen Zeitraum 2025 sank die Verschuldung der nichtfinanziellen Unternehmen in den USA gemessen am Bruttoinlandsprodukt von 164 auf 141 Prozent. Viele Firmen reduzierten ihre Schulden, weil höhere Zinsen sie dazu zwangen.

Nun kehrt die Nervosität zurück. Am 13. März wurde das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft für das vierte Quartal 2025 auf nur noch 0,7 Prozent nach unten korrigiert und lag damit deutlich unter den Erwartungen der Investoren. Diese Revision erfolgte noch bevor der Krieg im Nahen Osten die Energiepreise nach oben trieb. Die Folgen für die Inflation könnten die Währungshüter der Federal Reserve, die am 18. März über die Zinsen beraten, davon abhalten, Kreditnehmer zu entlasten. Frühere Energieschocks, besonders die Ölkrisen der 1970er Jahre, lösten eine Welle von Unternehmensinsolvenzen aus. Gleichzeitig wächst unter Investoren die Sorge, künstliche Intelligenz könne bald ganze Geschäftsmodelle überflüssig machen.

Versteckte Risiken im boomenden Markt für Private Credit

Die Verunsicherung wird zusätzlich durch die Intransparenz des Private-Credit-Marktes verstärkt. Dieser Sektor ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und hat sich zu einer wichtigen Finanzierungsquelle vor allem für besonders riskante Kreditnehmer entwickelt. Die offiziell ausgewiesene Ausfallrate liegt derzeit zwar unter zwei Prozent, doch die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher sein.

Man denke an ein Unternehmen, das die Zinsen für einen privaten Kredit nicht mehr bedienen kann. „Niemand will vor dem Insolvenzgericht landen. Das ist teuer und verschreckt Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten“, sagt Tuck Hardie von der Investmentbank Houlihan Lokey. Stattdessen sucht das angeschlagene Unternehmen häufig nach anderen Lösungen. Viele dieser Firmen stehen unter der Kontrolle von Private-Equity-Investoren. Sie beantragen zunächst eine sogenannte Payment-in-Kind-Regelung. Dabei werden die fälligen Zinsen nicht ausgezahlt, sondern dem Kreditbetrag zugeschlagen. Bei börsennotierten Private-Credit-Fonds machten solche Vereinbarungen vor fünf Jahren fünf bis sechs Prozent der Einnahmen aus, heute sind es acht Prozent. Eine weitere Möglichkeit heißt Liability Management. Für scheiternde Unternehmen wirkt das wie Yoga. Rückzahlungsfristen werden gedehnt und Verpflichtungen in Formen gebracht, die zuvor kaum vorstellbar waren.

Berücksichtigt man diese Manöver, steigt die Ausfallrate im Private-Credit-Sektor auf etwa fünf Prozent. Solche Ausweichlösungen verschaffen Kreditnehmern Zeit, ihr Geschäft wieder zu stabilisieren. Gelingt das nicht, lässt sich eine Insolvenz dennoch häufig vermeiden. Öffentlich sichtbare Verluste sind für Private-Equity-Gesellschaften peinlich und erschweren das Einsammeln neuer Mittel. Häufig wird daher eine stille Übergabe an die Gläubiger bevorzugt. Eine Studie von Goldman Sachs stützt diese Einschätzung. Seit 2023 wurden rund hundert private europäische Unternehmen in sogenannten Debt-for-Equity-Transaktionen an ihre Kreditgeber übergeben. Beispiele sind das britische Auktionshaus Bonhams, die italienische Sportmarke Dainese und der italienische Flaschenverschlusshersteller Tapì. Dieser Vorgang wird oft als „taking the keys“ bezeichnet.

Das Ergebnis ist ein wachsendes Risiko, das sich möglicherweise bereits ausbreitet, lange bevor es in den üblichen Indikatoren für Unternehmensnot sichtbar wird. Dann könnten die Termiten längst eingezogen sein.

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Aus The Economist, übersetzt von The Economist, veröffentlicht unter Lizenz. Der Originalartikel in englischer Sprache ist zu finden unter www.economist.com

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