Montag, 06.01.2020

Foto: sergeyryzhov/ iStock/ Getty Images

Branche in der Krise: Die wirtschaftliche Lage im Maschinenbau ist nicht mehr so gut wie noch vor einigen Jahren.

Finanzierung
Konjunktur

2020 dürfte für die deutsche Wirtschaft ein schwieriges Jahr werden

Die aktuelle Konjunkturflaute trifft besonders den mittelständischen Maschinenbau. Welche Auswirkungen sie auf die Unternehmen hat, zeigt das Beispiel des Werkzeugmaschinenherstellers Alfred H. Schütte.

Weniger Messeauftritte, eine längere Nutzung der Dienstwagen, Kurzarbeit: Der Werk­zeugmaschinenhersteller Alfred H. Schütte aus Köln hat seit dem vergangenem Frühjahr bei den Ausgaben den Rotstift angesetzt. 2019 sanken die Auftragseingänge des Unternehmens im Vergleich zum Vorjahr um etwa 30 Prozent. Auch der Umsatz der Produktion in Deutschland, die 2018 bei rund 120 Millionen Euro lag, schrumpft. „Bei uns sind die Auswirkungen des Konjunk­turabschwungs angekommen“, berichtet Carl Mar­tin Welcker, geschäftsführender Gesellschafter des Mittelständlers, dessen Werkzeugmaschinen unter anderem bei der Produktion von Zündkerzen für die Automobilindustrie zum Einsatz kommen.

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Mit der Auftragsflaute steht Alfred H. Schütte nicht allein da. Im zweiten Quartal 2019 sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Deutschlands um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Für das dritte Quartal hatten die Ökonomen einen weiteren Rückgang prognostiziert. Damit wäre Deutschland nach gut einem Jahrzehnt des starken Wirtschafts­wachstums in eine sogenannte technische Rezession gerutscht. Doch mittlerweile ist das Schreckenssze­nario wieder vom Tisch. Zur Überraschung vieler stieg das BIP im dritten Quartal, wie das Statistische Bundesamt Mitte November verkündete – zwar nur um müde 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal, aber immerhin.

Ein echter Aufschwung ist aber nicht in Sicht – vor allem nicht im Maschinenbausektor, den die Krise besonders getroffen hat. „Die Branche muss mit einem gefährlichen Cocktail aus Konjunktur­abschwung, politischen Verwerfungen wie Handels­streitigkeiten sowie dem fundamentalen Struktur­wandel im Fahrzeugbau umgehen“, sagt Olaf Wort­mann, Konjunkturexperte beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), dessen Prä­sident Carl Martin Welcker seit 2016 ist. Da der Maschinenbau stärker als andere Branchen vom Export seiner Produkte abhängig ist, treffen ihn die Diskussionen um Strafzölle zwischen den USA, China und der Europäischen Union ins Mark. „Die durch die Politik entstandene Unsicherheit ist Gift für Investitionen“, sagt Wortmann. Viele Unter­nehmen hielten sich derzeit beim Kauf neuer Produktionsmaschinen zurück.

Längere Flaute

Wie flächendeckend der Abschwung im Maschinenbau angekommen ist, zei­gen die Zahlen des VDMA: 2019 ist die Produk­tion der Branche vermutlich um zwei Prozent gesunken. Für 2020 rechnet der Verband mit einem wei­teren Rückgang. Ein Minus in zwei Jahren in Folge gab es im Maschinenbau nicht einmal während der Wirtschafts- und Finanzkrise vor gut zehn Jahren. Und dennoch: So gravierend wie damals ist die jet­zige Krise bei weitem nicht. 2009 war die Produk­tion im Maschinenbau um 25 Prozent eingebrochen – mit dramatischen Folgen wie Massenentlassungen und Insolvenzen.

Davon ist die deutsche Wirtschaft derzeit weit entfernt, auch wenn einige Großunternehmen wie Miele, Brose und Bosch bereits einen – wahrschein­lich schon seit längerem geplanten – Stellenabbau angekündigt haben. Für den Mittelstand sind sol­che Kündigungen immer eine gute Gelegenheit, neue Fachkräfte zu gewinnen. Allerdings sehen sich auch manche mittelständischen Unternehmer dazu gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen. Alfred H. Schütte musste 2019 29 seiner fast 600 Angestellten kündigen. Zudem schickte das Unterneh­men im Mai rund die Hälfte seiner Arbeiter in Produktion und Montage in Kurzarbeit. Keine angenehme Situation. Die Mitarbeiter zeigen laut Geschäftsführer Welcker allerdings Verständnis für diese Maßnahme. „Die merken ja auch, dass die Aufträge fehlen“, sagt er.

Wie lange es dauert, bis der nächste Aufschwung kommt, ist freilich noch offen. Viele Ökonomen und Unter­nehmer gehen von einer längeren Durststrecke aus. 2020 wird es wohl noch nicht bergauf gehen. Dennoch muss der Mittelstand nicht allzu pessimistisch in die Zukunft schauen. Auf mittlere Sicht ist die deutsche Wirtschaft immer gewachsen, das wird sie wohl auch in Zukunft tun.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem aktuellen Titelthema von „Markt und Mittelstand. Wie der Mittelstand die Krise für sich nutzen möchte, können Sie im vollständigen Artikel nachlesen. Hier können Sie das Heft bestellen oder abonnieren.

 

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