Dienstag, 11.05.2021

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Mit Strategie zum Erfolg: Wenn Anleger ihre Entscheidungen im Vorhinein gut durchdenken, haben sie auf lange Sicht mehr Freude beim Handeln.

Finanzierung
Gastbeitrag

Aktien anlegen ohne Angst und Stress – Auf die richtige Börsenstrategie kommt es an

Bilanzskandale, Bankenpleiten und die Dotcomblase. Immer wieder schüren verlustreiche Börsenereignisse die Angst vor Aktien. Eigentlich sollte mit der richtigen Börsenstrategie Angst kein Thema sein. Das Problem: Viele Anleger haben keine Strategie.

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Ulrich Müller ist Börseninvestor und -experte mit 27 Jahren Erfahrung an der Börse. Er ist Gründer der Ulrich Müller Wealth Academy.

Anleger, die ohne Strategie an den Börsen handeln, sind schnell gestresst und neigen zu emotionalen Handlungen, die am Ende Verluste einbringen. Dagegen bringen Strategien wie das Swing-Trading, die Buy-and-Hold-Strategie oder auch eine durchdachte Optionsstrategie solide Renditen ein. Anleger sollten die Unterschiede kennen, wissen, welche Vor- und Nachteile die Strategien haben – und einiges mehr beim Aktienkauf beachten.

Denn es gibt durchaus die Möglichkeit, mit Aktien ordentliche Renditen zu erzielen – unabhängig davon, in welcher Richtung sich der Markt aktuell bewegt. Die passende Strategie ist am Ende eine Frage der Mentalität. Kurz gefasst: Beim Swing-Trading nimmt man kleine Gewinne mit, dafür aber häufiger. Größere Gewinne bietet die Buy-and-Hold-Strategie, hier ist jedoch eine starke Mentalität gefragt. Options Trading bietet dafür die Möglichkeit, eine solide monatliche Rendite einzufahren. Bevor eine Strategie gewählt wird, sollten sich Anleger über vier grundsätzliche Dinge klar werden, die vor dem Aktienkauf zu beachten sind.

1. Der Unterschied zwischen Preis und Wert

Es gibt ca. 50.000 Aktien weltweit – bloß in welche soll man investieren? Bei der Auswahl rückt meist der Preis in den Fokus. Durch Schwankungen verändert sich dieser aber stetig. Mal ist er sehr hoch und auch mal sehr niedrig. Der Preis sagt dabei nichts über den Wert einer Aktie aus. Der Preis entsteht lediglich aus Angebot und Nachfrage. Der Wert entsteht unabhängig vom Preis. Er ist fundamental mit Kennzahlen, Geschäftsmodell und Umfeld des Unternehmens verknüpft und präsentiert sich in Zahlen, Daten und Fakten. Eine Analyse dieser Zahlen, Daten und Fakten hilft, Aktien mit überdurchschnittlichem Wertsteigerungspotential zu identifizieren. Stellt sich beispielsweise ein Unternehmen im Vergleich zum Preis als unterbewertet dar, ergibt sich eine Kaufgelegenheit der Aktie. Nach einer fundamentalen Analyse und der Auswahl einer Aktie, sollten Vorüberlegungen zum Ertrag und Verlust durchdacht werden.

2. Das Risiko-Ertrags-Verhältnis

Anleger sollten sich vor dem Kauf einer Aktie folgende Fragen stellen: Wie viel Geld möchte ich mit meiner Investition verdienen? Wie viel Geld bin ich bereit zu verlieren, wenn etwas schiefläuft? Und wie ist das richtige Verhältnis zwischen beidem? Bei der Beantwortung dieser Fragen hilft das Konzept des Risiko-Ertrags-Verhältnisses. Es gibt an, welchen potenziellen Ertrag ein Anleger für sein gewähltes Risiko festlegen sollte. Beispielsweise sagt eine Investition von 10.000 Euro mit einem Risiko-Ertrags-Verhältnis von 1:3 aus, dass ein Anleger bereit ist, 500 Euro zu riskieren, um 1.500 Euro zu verdienen. Je nach eigener Kaufkraft und Risikofreude kann das Verhältnis im Vorhinein bestimmt und als automatischer Verkaufsauftrag beim Broker hinzugefügt werden.

Ein Börsenbroker ist dabei eine Onlineplattform oder eine Institution die Kauf- und Verkaufsaufträge seiner Kunden telefonisch, per Fax oder über eine Onlineplattform entgegennimmt und diese an die Börse weitergibt. Sollten die Kurse nun plötzlich fallen, ist der Aktienkauf mit dem persönlichen Höchstverlust von 500 Euro abgesichert. Steigen die Kurse bis zum Ertragsziel von 1.500 Euro werden die Aktien auch automatisch verkauft. Die wichtige Börsenregel dabei: Nach dem Aktienkauf unbedingt beim ausgewählten Risiko-Ertrags-Verhältnis bleiben. Die Gier, bei steigenden Kursen das Ertragsziel zu vergrößern, ist groß, schmälert jedoch meist den Ertrag. Die statistische Vergangenheit eines Aktienkurses hilft aber dabei, einzuschätzen, wann der richtige Zeitpunkt für den Ausstieg ist.

3. Die Chartanalyse als Werkzeug für den Aktienkauf und -verkauf

Viele Anleger vernachlässigen oft, den Ausstiegspunkt festzulegen. Dabei ist die Chartanalyse gerade das Instrument, welches eine Kurswende andeutet. Die Chartanalyse ist eine Form der Aktienanalyse, welche das Ergebnis grafisch darstellt. In dieser Grafik werden zukünftige Kurstrends und Trendwechsel aus den vergangenen Kursbewegungen identifiziert. In der Chartanalyse werden dabei mit Hilfe von Indikatoren die Entwicklungen von Börsenkursen prognostiziert, sodass entsprechende Kauf- und Verkaufssignale generiert werden. Anleger sollten sich mit diesem Werkzeug vertraut machen und Kauf- und Verkaufssignale beachten, um möglichst gute Ein- und Ausstiegspunkte festzulegen. Die Chartanalyse kann jedoch keine 100 Prozent sicheren Voraussagen treffen, sondern lediglich auf bestimmte Kurstrends hindeuten. Daher besteht eben auch das Risiko eines Verlustes. Wichtig ist beim Verlust einen Plan B zu haben.

4. Der Plan B

Bei einem Risiko-Ertrags-Verhältnis von 1:3 könnte ein Plan B darin bestehen, denselben Aktienkauf beim Verlust von 500 Euro noch maximal zweimal zu versuchen. Beim dritten Versuch ist durch das Ertragsziel von 1.500 Euro, noch ein Ertrag von 500 Euro in der Gesamtrechnung möglich. Jedoch bleibt es nicht aus, dass eine Aktie sich auch mal irrational verhält und sich entgegen der Analysen mehrmals in die umgekehrte Richtung bewegt. Sollten jetzt Verluste zu Buche stehen, ist es wichtig, nicht den Kopf zu verlieren, sondern seine Verluste zu reflektieren. Mentale Hilfe verschafft dann ein weiterer Plan in der Tasche. Dieser könnte aus einem Strategiewechsel bestehen, um Verluste kurzfristig oder langfristig wieder gut zu machen. Dafür müssen Anleger aber verschiedene Strategien kennen.

Swing-Trading Strategie

Im Swing-Trading geht es darum, kurzfristige Bewegungen im langfristigen Trend einer Aktie zu handeln. Ein Aktienpreis auf einem grafischen Chart dargestellt, sieht aus, als würde er sich in Wellen bewegen. Als Swing-Trader handelt man wie ein Surfer, der große Wellen abwartet, um perfekt zu surfen. Beim Swing-Trading wartet man somit geduldig auf die Punkte, an denen sich der Markt beim Tiefpunkt oder Hochpunkt umkehrt. An den Umkehrpunkten wird die Aktie dann gekauft oder verkauft. Kurshochs und Kurstiefs ergeben sich dabei aus der Chartanalyse. Der Vorteil beim Swing-Trading: Anleger nehmen häufiger kleinere Gewinne mit. Der Nachteil: Exakt das Hoch und Tief einer Swing-Bewegung zu treffen, ist schwierig. Zudem werden Hochs und Tiefs oft verpasst und Zeit vergeht bis zum neuen Swing. Optionen bieten dagegen eine Möglichkeit, auch dann Geld zu verdienen, wenn mal ein Swing verpasst wurde.

Options Trading

Viele Anleger kaufen Dividendenaktien, um regelmäßig Cashflow zu erhalten. Weniger bekannt ist ihnen der regelmäßige Cashflow über Optionen. Wichtig: Optionen sind dabei nicht mit Optionsscheinen zu verwechseln. Grundsätzlich ist eine Option eine Vereinbarung zwischen einem Käufer und einem Verkäufer. Die Option beinhaltet das Recht, eine Aktie zu einem bestimmten Preis in einer bestimmten Zeitspanne bis zu einem festgelegten Ablauftag zu kaufen oder zu verkaufen. Für dieses Recht muss der Käufer der Option dem Verkäufer eine Optionsprämie bezahlen.

Zum Verständnis lässt sich beispielhaft eine Analogie zum Autokauf ziehen. Der Autokäufer wählt ein Fahrzeug, vereinbart einen Preis mit dem Händler und hat zwei Tage Zeit, sich das Geld für den Kaufpreis zu besorgen. Der Autokäufer hat damit das Recht, aber nicht die Pflicht, das Auto in zwei Tagen, zu dem vereinbarten Preis zu kaufen. Der Verkäufer hat aber die Verpflichtung, das Auto in zwei Tagen zu dem vereinbarten Preis zu verkaufen und nimmt für das Options-Recht des späteren Kaufs eine Prämie, die vom Käufer egal in welchem Fall, bezahlt werden muss. Würden dem Verkäufer jegliche Käufer abspringen, so erhält er trotzdem einen regelmäßigen Cashflow durch Prämien.

Beim Options Trading an der Börse kann jeder als Käufer oder Verkäufer auftreten und damit von Optionsprämien profitieren. Vorteil: Über die Optionsprämien kann regelmäßig Geld verdient werden. Nachteil: Optionen können auch zum falschen Zeitpunkt gekauft oder verkauft werden. In weiterer strategischer Ausrichtung dienen Optionen jedoch auch als Verlustabsicherung beim Aktienhandel, was das Risiko insgesamt deutlich verringert. Umfangreiches Wissen und Erfahrung sind für diese Strategien nötig. Wer das noch nicht hat, dem bleibt die einfachste Variante des Aktieninvestments, die Buy-and-Hold-Strategie.

Buy-and-hold-Strategie

Die Buy and Hold-Strategie bezeichnet die Vorgehensweise von Anlegern mit langfristigem Zeithorizont. Als Aktien-Holder bleibt man bei größeren Marktbewegungen passiv. Die Investitionen verbleiben langfristig im Markt. Fallende Kurse werden dabei als Chance für den Nachkauf genutzt. Das damit langfristig eine Rendite eingefahren wird, steht außer Frage, denn viele Aktien steigen seit ihrem Börsengang. Der Vorteil: Mit der Buy-and-Hold-Strategie gehen Anleger weniger Risiko ein als beim kurz- oder mittelfristigen Handel. Zudem ist sie einfach zu verstehen. Der Nachteil: Anleger brauchen Zeit und sie müssen eine besonders starke Mentalität beweisen, um zyklische Kurschwankungen von auch mal minus 50 Prozent auszuhalten.

Niemand sollte Angst vor der Börse haben. Mit einem gut überlegten Risiko-Ertrags-Verhältnis lassen sich mögliche Verluste eindämmen. Zudem verhilft die Chartanalyse, rational zu handeln. Und vor jedem Kauf steht die Auswahl der passenden Aktien – das ist gewissermaßen die Basis des Aktienhandels, unabhängig von der jeweiligen Strategie. Dabei lohnt es sich durchaus, jede der Strategien zu testen – nicht zuletzt, um mehr über den eigenen Investorentyp zu lernen und herauszufinden, welche Strategie die passende ist.

Der Börseninvestor und -experte Ulrich Müller hat 27 Jahre Erfahrung an der Börse und ist Gründer der Ulrich Müller Wealth Academy. Vor der Gründung der Wealth Academy war der studierte Finanzwirt 14 Jahre als Investmentberater tätig. Über Jahre entwickelte er seine eigene Analyse und Bewertungssysteme, die er in der Academy nun an private Anleger weitergibt.

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