Donnerstag, 08.05.2014
Im kapitalintensiven Maschinenbau konnte die Working-Capital-Bindung deutlich gesenkt werden. Und trotzdem gibt es noch Optimierungspotential.

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Im kapitalintensiven Maschinenbau konnte die Working-Capital-Bindung deutlich gesenkt werden. Und trotzdem gibt es noch Optimierungspotential.

Finanzierung
Working Capital ist wichtiges Steuerungsinstrument

Aktuelle Studie analysiert Entwicklung des Working Capital

Das Verhältnis von Working Capital zu Umsatz ist in den Jahren 2010 bis 2012 weitgehend unverändert geblieben. Eine Differenzierung nach Branchen und Unternehmensgröße liefert auch für den Mittelstand interessante Ergebnisse.

In einer aktuellen Studie hat Deloitte die Entwicklung des Working Capital von knapp 230 der umsatzstärksten deutschen Unternehmen über die Jahre 2010-2012 analysiert. Die Untersuchung  zeigt einen Wandel: „Working Capital Management wird heute nicht mehr als ausschließliche Reduzierung des Netto-Umlaufvermögens verstanden. Stattdessen liegt der Fokus stärker auf dem Steuerungsaspekt“, erläutert Carsten Lehberg, Partner Corporate Finance bei Deloitte, und ergänzt: „Es fällt auf, dass Branchen mit starker Working-Capital-Bindung die Optimierung mit einer höheren Priorität – und auch erfolgreicher – verfolgen.“

Die Ergebnisse im Einzelnen: Die Nettoumlaufvermögensbindung liegt in den drei untersuchten Jahren nahezu unverändert bei 56 Tagen. Die Reichweite der Forderungen konnte von 49 auf 46 Tage reduziert werden. Das wurde aber kompensiert durch die Verringerung der Dauer der durchschnittlichen Lieferantenfinanzierung um drei auf 32 Tage. Die Reichweite der Vorräte  blieb konstant. Die absolute Höhe des Überschusses von kurzfristig liquidierbaren Aktiva über kurzfristige Passiva ist aufgrund des Umsatzanstiegs im selben Zeitraum gewachsen. Sie lag 2012 bei 236 Milliarden Euro, ein Plus von 18 Prozent zum Vorjahr.

Working Capital: große Firmen mit geringerer Kapitalbindung

Bedeutsam für den Mittelstand ist die Erkenntnis, dass große Unternehmen eine geringere Kapitalbindung haben. Bei Unternehmen mit einem Umsatz über 5 Milliarden Euro liegt sie bei 45 Tagen, beträgt der Umsatz weniger als 1 Milliarde Euro werden 64 erreicht. „Offenbar gelingt es den großen Unternehmen (…) besser, das Umlaufvermögen zu managen, sei es bspw. durch die Vereinbarung kürzerer Zahlungsziele mit den Kunden oder die Umsetzung von Just-in-Time-Lieferketten“, schlussfolgert die Deloitte-Studie. Auf der Passivseite führt die stärkere Verhandlungsmacht dazu, dass höhere Zahlungsziele vereinbart werden können. Beides sind Ansatzpunkte für den Mittelstand, dessen Unternehmen tendenziell ins kleinere Umsatzsegment fallen.

Die Differenzierung der Ergebnisse nach Branchen ergibt, dass die Kapitalbindungsdauer von einem Tag im Segment Travel und Transport bis zu 90 Tagen im Maschinenbau variiert. Diese großen Unterschiede sind vor allem auf die durchschnittliche Vorratsreichweite zurückzuführen, die in kapitalintensiven Produktionsprozessen mit über 60 Tagen besonders hoch ist, während im Dienstleistungssegment nur ein sehr geringes Vorratsvermögen notwendig ist.

Noch ungenutzte Potenziale

Betrachtet man die Branchen im Verlauf der untersuchten Jahre, sind Verbesserungen vor allem im Maschinenbau (Reduzierung von 96 auf 90 Tage) und im Bereich Elektronik und Elektrotechnik (von 91 auf 87 Tage) aufgetreten. Handel, Dienstleistungen und Travel und Transport haben ihre Kapitalbindungsdauer hingegen erhöht.

„Die klassischen funktionsbezogenen Optimierungen beim Working Capital Management sind bei Weitem noch nicht ausgeschöpft“, fasst Carsten Lehberg zusammen. „ Auch Unternehmen, die bereits intensiv an der Verbesserung des Working Capital gearbeitet haben, stehen weitere Potenziale durch den Einsatz funktions- und unternehmensübergreifender Lösungen offen – wertschöpfungsübergreifende Optimierung/wertorientierte Steuerung des Working Capital oder der Einsatz innovativer Finanzierungsinstrumente zusammen mit Kunden und Lieferanten.“

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