Dienstag, 03.07.2012
Finanzierung
Kapialmarktfinanzierung

Anleihezinsen gestiegen

Die Verunsicherung der Finanzmärkte erschwert Unternehmen die Finanzierung über den Kapitalmarkt. Emittenten müssen höhere Zinsen zahlen.

Volatile Märkte und unsichere Anleger erschweren deutschen Unternehmen die Finanzierung über den Kapitalmarkt. Als Folge der Verunsicherung müssen Emittenten Investoren mit höheren Anleihezinsen locken – die durchschnittliche Verzinsung der Neuemissionen stieg im zweiten Quartal 2012 von 2,8 auf 3,2 Prozent. Dies geht aus der Studie „Emissionsmarkt Deutschland“ der Beratungsgesellschaft PwC hervor.

Anleihevolumen rückläufig

Wie die gesamte Wirtschaft, hielt sich auch der Mittelstand im zweiten Quartal mit neuen Anleihen zurück. 288 Millionen Euro bedeuten einen Rückgang um 22 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten. „Nach einem sehr guten ersten Quartal sind Emissionen in den Mittelstandsegementen der Börsen entsprechend dem allgemeinen Trend zurück gegangen", kommentiertChristoph Gruss, Partner im Bereich Capital Markets & Accounting Advisory Services bei PwC und Verfasser der Studie. Frank Wallau, Projektleiter am Institut für Mittelstandsforschung in Bonn, gibt der Trend aber nicht zu denken: „Die Unternehmen können sich weiterhin gut finanzieren, da die Zinsen für Bankkredite momentan sehr niedrig sind.“

Gesamtvolumen halbiert

Über alle Größenklassen nahm das Anleihevolumen im zweiten Quartal 2012 sogar um mehr als 50 Prozent ab. Gaben deutsche Unternehmen von Januar bis März Anleihen mit einem Volumen von fast 124 Milliarden Euro aus, waren es in den Monaten April bis Juni nur noch 60 Milliarden Euro. „Die anhaltend schwache Entwicklung im Bereich der Eigenkapitaltransaktionen, insbesondere bei Aktienemissionen, schlägt sich nunmehr auch auf den Anleihemarkt nieder. Wesentliche Ursache war die erhebliche Verunsicherung über die Zukunft der Europäischen Währungsunion“, sagt Gruss. Allein dem erfolgreichen ersten Quartal ist es zu verdanken, dass der Halbjahreswert der ersten sechs Monate 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 42 Milliarden Euro zugelegt hat.

Schlechtes IPO-Umfeld

Auch der Eigenkapitalmarkt schwächelt. Insgesamt zwölf Börsengänge erzielten im zweiten Quartal ein Transaktionsvolumen von 33,5 Millionen Euro. Hier ist der Unterschied zum Vorjahr besonders auffällig. 2011 erreichten zum gleichen Zeitpunkt zehn IPOs Emissionserlöse in Höhe von 958 Millionen Euro. Kapitalerhöhungen erzielten im zweiten Quartal 2012 hingegen ein deutliches Plus und kamen auf 1,79 Milliarden Euro (1. Quartal: 1,17 Milliarden Euro). Allerdings geht dieser Anstieg größtenteils auf ein einziges Unternehmen zurück: Fresenius stockte das Kapital um 1 Milliarde Euro auf.

Quelle: PwC, Markt und Mittelstand

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