Montag, 03.12.2012
Finanzierung
Bankenregulierung

Banken wälzen Kosten auf Kunden ab

Trotz Bankenregulierung und Basel III liegen die Margen der Banken so hoch wie zu besten Vorkrisenzeiten. Die Zeche zahlen die Kunden.

Auf jede neue Regulierungsrunde folgen Mantra artig die Klagen der Banken. Die neuen Vorschriften würden ihr Kreditgeschäft knebeln und ihnen jede Chance auf lohnende Margen zunichtemachen. Wie aktuelle Daten des Analysehauses Barkow Consulting zum Kreditgeschäft der Banken in Deutschland zeigen, haben sich die Gewinnspannen der Kredithäuser trotz der historisch niedrigen Kreditzinsen (und wegen des billigen Notenbankgeldes) zuletzt auf ein Zehnjahreshoch verbessert. Sie liegen damit sogar über dem Niveau der Vorkrisenzeit. Den Preis für diese hohen Margen zahlen die Kreditnehmer, an die eventuelle Mehrkosten direkt weitergegeben werden.Bei Firmenkrediten liegt die Marge der Banken demnach derzeit bei 1,95 Prozentpunkten. Die Zinsmarge in der privaten Baufinanzierung liegt laut Barkow sogar nah am Rekordniveau aus dem Sommer. Das Segment ist mit einem ausstehenden Finanzierungsvolumen von 1000 Milliarden Euro der größte Teilmarkt überhaupt für die Institute in Deutschland.

Banken greifen Basel III voraus

Die Bankenregulierung durch Basel III schreibt vor, dass Kreditinstitute riskante Geschäfte mit deutlich mehr Eigenkapital unterlegen müssen, damit sie Verluste besser abfedern können. Die Kosten dafür werden allerdings direkt an die Kunden weitergereicht. Die meisten Banken setzen die Richtlinien, die eigentlich erst im kommenden Jahr in Kraft treten sollen, bereits heute um. Um trotz dieser zusätzlichen Puffer gleichbleibende Renditen zu erzielen, kommen sie um höhere Kosten für die Kreditnehmer nicht herum. Diese werden allerdings durch die Krisenpolitik der EZBund die daraus folgenden extrem niedrigen Zinsenabgemildert.

Der Immobilienboom kommt den Banken nach Ansicht von Barkow ebenfalls zugute. Wie das Beratungshaus Gewos schätzt, wird der deutschlandweite Gesamtumsatz mit Wohnimmobilien in diesem Jahr bei 134,6 Milliarden Euro liegen, was einem Plus von rund 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Neugeschäft macht dabei allerdings nur einen geringen Teil des Finanzierungsvolumens aus. Mehr als 80 Prozent entfallen auf Anschlussfinanzierungen, bei denendie Kunden nur selten den Anbieter wechseln. In diesem Umfeld können die Banken höhere Margen besonders leicht durchsetzen. Barkow glaubt allerdings nicht, dass die aktuell hohen Konditionen von Dauer sind.