Dienstag, 31.01.2012
Finanzierung
Energiecontracting

„Contracting auch bei kleineren Flächen“

Der Markt für Energiecontracting ist groß, ein Vergleich lohnt sich. Im Idealfall stehen energieeffiziente Anlagen nach kurzer Zeit beim Kunden und er realisiert Energieeinsparungen. Frank Stoppa, Referent beim Verband für Wärmelieferung über die Fußangeln dieser Verträge.

MUM: Ihr Verband widmet sich dem Thema Contracting, also einer vertraglichen Energielieferung über einen bestimmten Zeitraum, in der durch Energieeinsparmaßnahmen Kostensenkungen realisiert werden. Wer bietet in Deutschland Contracting an?
Stoppa: Unser Verband umfasst 285 Mitglieder aus dem Bereich Energielieferung. Davon bieten 245 auch Contracting an. Es gibt einen großen Anbietermarkt in Deutschland. Die meisten Stadtwerke haben Contracting im Programm. Insgesamt dürften mehr als 500 Unternehmen Contracting aktiv am Markt anbieten.

 

MUM: Für wen ist das interessant? Ab wann lohnt sich der Gang zum Contractor?
Stoppa: Nach unserer Erfahrung sollten es schon 1.000 Quadratmeter beheizte Fläche sein, die zu bewirtschaften sind. Der Markt ist leider relativ unübersichtlich. Wir bieten eine Ausschreibungsplattform für Unternehmen an. Darauf können Projekte detailliert abgebildet und ausgeschrieben werden. Mitglieder des VfW haben Zugriff auf die Daten und richten ihre Angebote direkt an die Interessenten.

 

MUM: Was sind die gängigen Vertragsmuster beim Contracting?
Stoppa: Der Markt teilt sich in zwei Bereiche. Beim Energieliefer-Contracting geht es in der Regel um eine Wärmeversorgung, oft gekoppelt mit einer Stromversorgung. In der Regel werden auch Investitionen getätigt, an denen sich der Kunde beteiligen kann. Die Verträge belaufen sich beim Liefercontracting zwischen 10 und 15 Jahren.
Das Energieeinspar-Contracting umfasst in der Regel einen kürzeren Zeitraum, meist liegt er bei fünf Jahren. Bei diesem Modell wird der Energieverbrauch im Gebäude optimiert. Die Investitionen übernimmt der Contractor; diese werden ausschließlich aus den Kosteneinsparungen durch Energieeffizienzverbesserungen refinanziert.

 

MUM: Wo sehen Sie die Vorteile für den Kunden?
Stoppa: Für den Kunden bringt das Contracting in jedem Fall eine Einsparung; das ist Teil des Modells. Hinzu kommen Emissionseinsparungen, da die Anlagen energieeffizienter ausgestellt werden. Der Contractor übernimmt Garantien der Wärme- und Stromversorgung und gewährt eine Ausfallsicherheit. Wenn die neuen Anlagen in der Bilanz des Contractors stehen, steigt die Eigenkapitalquote beim Kunden. Der Kunde kann sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Die Kostenplanung ist vereinfacht und der Wert der Immobilie steigt. Auch hat der Contractor ein höheres Fachwissen, was dem Kunden zugutekommt.

 

MUM: Mit welchen Nachteilen muss der Kunde rechnen?
Stoppa: Die lange Laufzeit der Verträge bedeutet ein lang anhaltendes Abhängigkeitsverhältnis. Hier muss die Vertrauensbasis stimmen. Auch gibt es das Risiko, dass der Contractor ausfällt. Der VfW bietet dazu eine Versicherung an. Bei uns kann man Projekte prüfen lassen. Wichtig sind die Referenzen des Contractors. Darauf sollte der Kunde achten.
Ein weiterer Nachteil ist die mangelnde Kostentransparenz. In die Kalkulation des Contractors kann der Nutzer nicht reinschauen. Klarheit sollte er sich über die Transparenz der Preisänderungsklauseln verschaffen. Welche Basiswerte werden hier zugrundegelegt und erfolgt die Preisentwicklung analog zur Preisentwicklung des eingesetzten Brennstoffs?

 

MUM: Wie sieht es bei den Erneuerbaren Energien aus? Gibt es dazu entsprechende Angebote von Seiten der Contracting-Firmen?
Stoppa: Wer auf Erneuerbare Energien umsteigen möchte, hat zunächst einen hohen Investitionsaufwand. Angeboten werden beispielsweise Biogasanlagen, Blockheizkraftwerke, Heizungsanlagen für Hackschnitzel und Pellets oder Solarthermie. Denkbar ist auch die Vermietung der Dachfläche. All dies ist auch über Contracting möglich. Zudem gibt es einige Anbieter, die sich speziell auf das Thema Erneuerbare Energien konzentriert haben.

 

MUM: Welche Möglichkeiten der öffentlichen Förderung gibt es?
Stoppa: Nicht sehr viel. Für Neuinvestitionen und Beratungen stehen KfW-Mittel bereit. Speziell beim Thema Contracting gibt es keine Möglichkeit einer öffentlichen Förderung. Im Gegenteil, das Marktanreizprogramm für BHKWs wurde gestrichen, ebenso die Energiesteuererstattung.

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