Mittwoch, 07.04.2021

Shutterstoc / Mino Surkala

Drogeriemarkt: Der 18-Jährige Kevin David Lehmann ist im Besitz von dm-Anteilen im Wert von 2,8 Milliarden Euro.

Finanzierung
Forbes-Liste

Der reichste Jung-Milliardär ist ein deutscher Mittelständler

Der 18-jährige Erbe der Drogeriemarktkette dm landet zum ersten Mal in der neuen Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt. Er ist der jüngste Neuzugang in einer Sammlung von Superreichen, in der es vor Rekorden wimmelt: Noch niemals in der 35jährigen Geschichte dieser Liste, ist das Vermögen der Milliardäre derart stark gewachsen wie im Pandemiejahr 2020.

Am 20. September des vergangenen Jahres ist Kevin David Lehmann etwas passiert, das in seinem Alter bisher keinem Deutschen widerfahren ist: Er wurde 18 Jahre alt, erhielt damit ein Mitspracherecht über sein Vermögen, das bislang von einem Treuhänder verwaltet wurde - und landete mit den rund 3,5 Milliarden US-Dollar, über die er nun verfügen kann, in der neuesten Ausgabe der Liste der Superreichen, die das US-Magazin Forbes jetzt wieder veröffentlich hat.

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Milliardär geworden ist Lehmann Junior bereits mit 14 Jahren, als ihm sein Vater Günther Lehmann, seine Anteile an der Drogeriemarktkette dm übertrug: 2, 8 Milliarden Euro gab der damals 76-Jährige an den Sprössling weiter, wie aus Eintragungen im Handelsregister hervorging. An die große Glocke hängte das vor vier Jahren niemand. Die Familie Lehmann bevorzugt es traditionell im Hintergrund zu bleiben. Während dm-Gründer Götz Werner als Vorzeigeunternehmer bekannt ist und schon vor Jahren seine Anteile an eine Stiftung übertragen hat, blieb Günther Lehmann unsichtbar.

Er war 1974 als Gesellschafter bei dm eingestiegen. Gründer Werner hatte da gerade seinen zweiten Laden eröffnet. Für weitere Expansionen fehlte ihm das Geld. Lehmann, damals Gesellschafter der badischen Supermarktkette Pfannkuch, sprang ein. Im Gegenzug bekam er 50 Prozent der Anteile am Unternehmen. Heute ist dm mit mehr als 60 000 Angestellten und rund 3700 Filialen die größte Drogerie-Kette Europas. Dass sich der Erbe nun ins Geschäft einmischt, ist bislang aber nicht absehbar.

Lehmann Junior ist einer von nur einer Handvoll Milliardären, die schon als Teenager in die Forbes-Liste aufgenommen worden sind. Deutsche sind an sich nur selten dabei: Albert von Thurn und Taxis, der zwölfte Prinz in seiner Familie, der sein Vermögen an seinem 18. Geburtstag offiziell geerbt hatte, fiel nach der Finanzkrise von 2008 aus der Reihe der Superreichen, weil sich sein Vermögen um einige Millionen verkleinert hatte.

Die Liste, die es bereits seit 35 Jahren gibt, ist eine Legende. Als Forbes sie in der vergangenen Nacht veröffentlichte, wurde schnell klar, dass das weltweite Pandemie-Jahr für die Reichen auf der Welt eine hervorragendes Jahr gewesen ist. Es gab viel staatliche Hilfe für Großkonzerne, Kryptowährungen schossen in die Höhe, und auch die die Aktienkurse kannten nur eine Richtung: nach oben. Die Zahl der Milliardäre auf der Jahresliste explodierte. Es gab 493 Neuankömmlinge, das entspricht einem neuen Milliardär alle 17 Stunden. 2755 Superreiche mit einem Gesamtvermögen von 13,1 Billionen US-Dollar sind nun aufgeführt. Im vergangenen Jahr waren es "nur" acht Billionen Dollar. 86 Prozent der Milliardäre, die schon im vergangenen Jahr auf der Liste standen, sind noch einmal reicher geworden.

Der reichste Neuankömmling stellt mit 38,2 Milliarden US-Dollar das deutsche Mitglied in diesem erlauchten Club deutlich in den Schatten: Es ist Miriam Adelson aus Nevada, die ihren Ehemann Sheldon beerbt und damit Adelsons Casino-Imperium übernommen hat. Weitere bemerkenswerte Neuzugänge sind der Film- und TV-Produzent Tyler Perry, Whitney Wolfe Herd, Mitgründerin der Bumble-Dating-App, sowie - die jüngste selbstgemachte Milliardärin der Welt - Guillaume Pousaz aus Europa, Gründerin des Zahlungsunternehmens Checkout.com.

Auf den vordersten Plätzen gibt es weniger Überraschungen: Jeff Bezos ist zum vierten Mal in Folge der reichste Mensch der Welt. Sein Vermögen hatte Anfang März, als die Forbes-Rechner ihren Stichtag hatten, einen Wert von 177 Milliarden US-Dollar, das war ein Anstieg von 64 Milliarden US-Dollar gegenüber dem Vorjahr und liegt vor allem am steigenden Kurs der Amazon-Aktien. Elon Musk, der größte Gewinner, schoss mit einem Vermögen von 151 Milliarden US-Dollar auf Platz zwei, er verfügt über 126,4 Milliarden US-Dollar mehr als vor einem Jahr, als er noch auf dem bescheidenen Platz 31 rangierte. Auch für seinen Höhenflug ist der Anstieg der Tesla-Aktien um 705 Prozent der entscheidende Auslöser.

Auf dem dritten Platz steht der erste Europäer: Es ist der französische Luxusgüter-Tycoon Bernard Arnault, sein Vermögen hat sich von 76 Milliarden auf 150 Milliarden Dollar hübsch verdoppelt, da der Wert seiner Anteile am Luxusgüterkonzern LVMH, zu dem Marken wie Louis Vuitton, Sephora und Christian Dior zählen, um 86 Prozent gestiegen ist. Insgesamt sind Europas Milliardäre um eine Billion Dollar reicher als vor einem Jahr. Microsoft-Legende Bill Gates und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg liegen auf den Plätzen vier und fünf. Warren Buffet rangiert direkt dahinter und landet zum ersten Mal nicht unter den Top-fünf. Die vermögendste Frau in diesem Jahr ist die Kosmetikerbin Francoise Bettencourt Meyers aus Frankreich, zu deren Reich etwa L’Oréal gehört.

61 Menschen, die noch auf der Forbes-Liste 2020 aufgeführt waren, stiegen ab – es ist die geringste Zahl von Absteigern seit zehn Jahren. Zu ihnen zählt die Kosmetik-Unternehmerin Kylie Jenner. 23 Milliardäre starben – unter ihnen der Schweizer Benjamin de Rothschild, Erbe eines berühmten Bankvermögens und der brasilianische Bankmagnat Joseph Safra.

Die USA haben immer noch mehr Milliardäre als jedes andere Land mit 724, aber China rückt mit 698 auf. Indien hat mit 140 die dritthöchste Anzahl an Milliardären. Insgesamt sind die 1149 Milliardäre aus Ländern im asiatisch-pazifischen Raum 4,7 Billionen US-Dollar wert, während die US-Milliardäre insgesamt 4,4 Billionen US-Dollar auf die Waage bringen.

Den Neidfaktor etwas senken, könnte die Erkenntnis, dass es in diesem Jahr einen Rekord von 1975 Milliardären gibt, die ihr Geld nicht wie Lehmann Junior geerbt haben, sondern es selbst verdienten. Die Quote der Selfmade-Millionäre liegt jetzt bei mehr als 70 Prozent und steigt unaufhörlich. Vor 20 Jahren war es nur etwa die Hälfte der Personen auf der Forbes-Liste, die ihren Reichtum selbst erwirtschaftet hatten. Forbes hat sich auch angeschaut, wie die Neuankömmlinge in der Reichsten-Liste zu ihrem Geld gekommen sind, und stellt fest: Das Engagement in Kryptowährungen, die Gründung sogenannter SPACs (Special Purpose Acquisition Companies), traditionelle Börsengänge und Investitionen in die Gesundheitsversorgung in Zeiten der Pandemie haben die Reichen noch reicher gemacht.

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