Donnerstag, 31.07.2014

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Finanzierung
EZB-Stresstest: Deutsche Banken haben kaum Sorgen

Deutsche Banken optimistisch für Stresstest

Der neuste Stresstest der EZB macht den deutschen Banken keine Angst. Immer mehr empfinden die regelmäßigen Tests sogar als überflüssig. Trotzdem bleiben die Institute weiter vorsichtig und bereiten sich auf Rückschläge vor.

Mit der Münchner Hypothekenbank ist erstmals eine deutsche Bank durch den Stresstest der EZB gefallen. Ende vergangenen Jahres erreichte sie eine Kernkapitalquote von 6,3 Prozent und lag damit unter der geforderten Hürde von acht Prozent. Um die Lücke zu schließen und die Bedingungen des Tests zu erfüllen, hat der genossenschaftliche Immobilienfinanzierer in den vergangenen Monaten 400 Millionen Euro bei seinen Eigentümern eingesammelt.

Trotz dieses Negativbeispiels sind die deutschen Banken insgesamt optimistisch und rechnen nicht damit, dass der Stresstest für sie zu einem Problem werden wird. Nur 6 Prozent rechnen damit, dass sie im Anschluss an den Stresstest und die Prüfung der Vermögenswerte (Asset Quality Review) frisches Kapital beschaffen müssen. Zu diesem Ergebnis kommt das neue „Bankenbarometer“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Insgesamt wurden für die Studie 294 Banken in mehreren europäischen Ländern befragt, in Deutschland nahmen 44 Banken an der Umfrage teil.

Weit weniger optimistisch sind die Banken in Spanien. Hier rechnen 35 Prozent der befragten Häuser damit, dass sie im Anschluss an den Stresstest frisches Kapital beschaffen müssen. Hinzu kommen weitere 25 Prozent, die solch ein Ergebnis zumindest für möglich halten. Europaweit rechnen 26 Prozent der Banken damit, dass der Stresstest Mängel bei der Kapitalversorgung aufdecken könnte.

Banken sehen Stresstest kritisch

Während in Spanien und anderen Ländern Europas mit negativen Ergebnissen gerechnet wird, empfinden die deutschen Banken die regelmäßigen Stresstests zunehmend als überflüssig. Nur noch 17 Prozent halten sie für notwendig, zu Jahresbeginn waren es noch 22 Prozent. Dirk Müller-Tronnier, Leiter Banking & Capital Markets bei EY, macht dafür auch den Test selbst verantwortlich: „Die Methodik der EZB ist für die Banken nicht immer völlig transparent. Darüber hinaus haben viele Banken offenbar mittlerweile den Eindruck, dass der Stresstest keine dramatischen Mängel als Licht bringen wird.“ Trotz dieser Bedenken gehen immerhin 87 Prozent der deutschen Banken davon aus, dass die Bilanzprüfung zumindest für einige beteiligte Institute Konsequenzen haben wird.

Deutsche Banken vorsichtig optimistisch

Obwohl viele europäische Banken mit einem negativen Ergebnis des Stresstests rechnen, erwarten 60 Prozent der befragten Institute mit einer Verbesserung ihres operativen Geschäfts. Besonders optimistisch sind die Banken in Spanien und den Niederlanden, in Deutschland erwarten immerhin 40 Prozent eine Verbesserung, allerdings rechnet ein Viertel mit einer Eintrübung, europaweit sind dies nur 14 Prozent. Für Claus-Peter Wagner, Managing Partner Financial Services Deutschland bei EY, ist dieser gedämpfte Optimismus allerdings kein Grund zur Sorge: „Flächendeckender Optimismus wäre ein Grund zur Sorge. Man müsste dann davon ausgehen, dass mehrere Banken ihre Geschäftsentwicklung völlig falsch einschätzen.“ Bei der Bewertung ihrer Risiken sind die deutschen Banken allerdings vergleichsweise zuversichtlich: Nur noch 17 Prozent der Institute rechnen für das kommende Halbjahr mit einer leicht steigenden Risikovorsorge im eigenen Kreditgeschäft. 16 Prozent erwarten hingegen eine leicht sinkende Risikovorsorge. „Die deutschen Banken sind überwiegend der Meinung, dass sie ihre Probleme weitgehend abgearbeitet haben“, bestätigt Claus-Peter Wagner.

Dass die deutschen Banken trotzdem weiter wachsam sind und sich auf potentielle Rückschläge einrichten, zeigt der anhaltende Trend zu Kostensenkungen. Jede dritte deutsche Bank will in den kommenden Monaten Personal abbauen und nur 21 Prozent wollen zusätzliche Mitarbeiter einstellen. „Der Kostendruck in der Branche bleibt hoch, nach wie vor suchen die Institute nach Einsparpotenzialen und setzen den Rotstift an“, erklärt Claus-Peter Wagner. Der Stellenabbau soll vor allem die Verwaltung treffen.

Den Personaleinsparungen stehen weiter steigende Grundgehälter gegenüber, nur 7 Prozent der deutschen Banken rechnen mit einer sinkenden Gesamtvergütung, 30 Prozent erwarten stattdessen einen Anstieg. Den Grund dafür sehen die Experten vor allem in den neuen Richtlinien für Bonuszahlungen. Seit der Einführung der strengeren Regeln verschiebt sich das Gehaltsgefüge der Banken zunehmend
zugunsten des Festgehalts.