Dienstag, 19.12.2017
Reden und verstehen: Nicht nur – aber auch – beim Thema Finanzierung wirft so mancher mit Buzzwords und Fremdwörtern um sich.

Illustration: TCmake_photo/Thinkstock/Getty Images

Reden und verstehen: Nicht nur – aber auch – beim Thema Finanzierung wirft so mancher mit Buzzwords und Fremdwörtern um sich.

Finanzierung
Mittelstandsfinanzierung

Diese drei Schlagworte sollten Sie 2018 kennen

Wenn es um das Thema Finanzierung im Mittelstand geht, dürften 2018 drei Schlagworte die Diskussion – unternehmens- wie branchenübergreifend – bestimmen. Wir erklären die drei „Buzzwords“ und verraten, was Mittelständler wissen sollten.

Fintechs

Als Fintechs bezeichnen sich Start-ups aus dem Finanzdienstleistungsbereich, die mehr oder weniger originelle digitale Geschäftsmodelle entwickelt haben, mit denen sie etablierten Mittelständlern die Finanzierung ihrer unternehmerischen Aktivitäten erleichtern wollen. Das können Onlineversicherungsportale ebenso sein wie webbasierte Plattformen für Crowdlending oder Kreditvergabe. Allen Fintechs gemein: Sie buhlen mit günstigen Konditionen, einfacher Bedienbarkeit und quasi Echtzeit- Entscheidungen um die Gunst ihrer potentiellen Kundenklientel.

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Der Markt dieser Finanz-Startups ist hart umkämpft. Einige Neugründungen haben schon wieder aufgeben müssen – weil ihnen das Eigenkapital ausging oder die Kunden ausblieben. Diese Konsolidierung dürfte sich fortsetzen. Für mittelständische Unternehmen, die nicht mehr nur auf ihre angestammte Hausbank setzen wollen, ergeben sich aus dem Fintech-Boom Chancen, aber auch Risiken: Dank cleverer Algorithmen hinter einigen der Onlineofferten lässt sich manches Finanzierungsschnäppchen machen. Achten sollten Unternehmen aber darauf, dass die Fintechs mit den sensiblen Firmendaten sicher, solide und seriös umgehen.

Factoring

Einen bis dato im Mittelstand ungekannten Boom erlebt derzeit das Factoring, also der Verkauf von Forderungen. Allein im ersten Halbjahr 2017 wuchs der Factoringmarkt für kleine und mittelständische Unternehmen um 10 Prozent. Für 2018 prognostizieren Experten einen weiteren Anstieg. Die Idee hinter dem Finanzierungsinstrument ist simpel: Statt sich mit säumigen Kunden herumplagen oder gar Inkasso-Eintreiber einschalten zu müssen, verkauft das Unternehmen seine Forderungen aus offenen Lieferrechnungen an einen Finanzdienstleister. Der bezahlt im Gegenzug den Betrag prompt – abzüglich einiger Prozent, die er als Profit für sich behält. Mit dem Verkauf der Forderungen geht auch das Risiko eines Komplettausfalls des Schuldners an den Käufer über.

Bei einigen Mittelständlern stößt Factoring allerdings noch auf Vorbehalte, weil sie sich um ihre Reputation sorgen. Sie fürchten, sie könnten durch den Forderungsverkauf bei ihren Lieferanten und Kunden den Eindruck erwecken, sie befänden sich in Bonitätsnöten und brauchten dringend Liquidität. Allein schon diesen vagen Anschein einer Insolvenz wollen zahlungskräftige Mittelständler um buchstäblich jeden Preis vermeiden. Ausweg hier: das sogenannte Stille Factoring.

Private Equity

Privaten Finanzinvestoren (sogenannten Private-Equity-Investoren) haftet noch immer das Image der münteferingschen Heuschrecke an. Doch die Praxis zeigt längst: Wenn mittelständische Unternehmer alt werden und ihre Firma verkaufen wollen (weil sie nicht in der Familie gehalten werden kann oder soll), sind sie mit den Finanzinvestoren häufig prima bedient. Es gibt eine ganze Reihe von solchen Beteiligungsgesellschaften, die sich selbst (und zu Recht) als mittelständisch bezeichnen und deren Geschäftsgebaren keineswegs darauf ausgerichtet ist, das gekaufte Unternehmen möglichst rasch zu filetieren und portionsweise zu verkaufen. 

Etliche dieser Holdings haben sich auf Beteiligungen im Mittelstandssektor spezialisiert. Einige der PE-Manager saßen früher selbst in der Geschäftsführung von mittelständischen Unternehmen und kennen daher die Besonder- und Eigenheiten dieses Sektors aus eigener Anschauung. Auch Investitionsund Haltezyklen von fünf Jahren und länger sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Für verkaufswillige Mittelständler ein besonderes Schmankerl: Die PE-Beteiligungsgesellschaften schwimmen derzeit im Geld und suchen händeringend nach Möglichkeiten, die Kohle renditeförderlich zu investieren. Selten waren die Zeiten besser als heute, das unternehmerische Lebenswerk durch einen lukrativen Verkauf zu vergolden.


Der Text gehört zu einem Thema aus der Markt-und-Mittelstand-Ausgabe 12/2017 – 01/2018. Hier können Sie das aktuelle Heft bestellen und „Markt und Mittelstand“ abonnieren.