Mittwoch, 21.01.2015
Investitionen: Neue Maschinen stellen sich nur wenige deutsche Mittelständler in ihre Hallen – und wenn, dann als Ersatz für alte Anlagen. In Expansion wird nur selten investiert.

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Investitionen: Neue Maschinen stellen sich nur wenige deutsche Mittelständler in ihre Hallen – und wenn, dann als Ersatz für alte Anlagen. In Expansion wird nur selten investiert.

 

Finanzierung
Diagnose Mittelstand 2015 des DSGV

Eigenkapitalquote erreicht Rekordwert

Die Eigenkapitalquote im Mittelstand ist auf einem Höchststand. Dennoch sinkt die Nachfrage nach Krediten für Investitionen. Grund dafür ist laut „Diagnose Mittelstand 2015“ fehlendes Vertrauen.

Die Eigenkapitalausstattung im Mittelstand erreicht einen neuen Rekordwert. Im Durchschnitt verzeichneten mittelständische Betriebe 2013 eine Eigenkapitalquote von 22,3 Prozent. Dies ergab die „Diagnose Mittelstand 2015“ des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV).

In allen Branchen und Größenklassen des Mittelstands hat sich die Kapitalisierung verbessert, selbst kleinere Unternehmen mit einem Umsatz unter einer Million Euro kamen 2013 auf 17,2 Prozent. Trotz der hohen Quote sind mittelständische Unternehmen zurückhaltend bei der Anfrage nach Krediten für Investitionen. Nach wie vor ist der Kredit das wichtigste Finanzierungsinstrument, Kapitalmarktinstrumente werden nicht verstärkt nachgefragt.

Nur 16 Prozent der befragten Sparkassen-Experten geben an, dass ihre Kunden mehr Investitionsmittel abfragen. Bei 45,8 Prozent haben die Mittelständler weniger Gelder abgerufen. Und auch bei der Verwendung der Mittel ist Zurückhaltung ablesbar: Mehr als die Hälfte sind in Ersatzinvestitionen geflossen. Lediglich  ein Fünftel der Unternehmen ruft diese Mittel für Expansionsinvestitionen ab.

DSGV-Präsident Georg Fahrenschon sieht darin eine drohende Investitionsschwäche: „Wer heute nicht investiert, läuft Gefahr, morgen ins Hintertreffen zu geraten.“ Für die „Diagnose Mittelstand 2015“ hat der DSGV rund 250.000 Bilanzdaten mittelständischer Unternehmen analysiert und Kundenbetreuer der 415 deutschen Sparkassen befragt.

Aufsteigender Ast: Die Eigenkapitalquote mittelständischer Unternehmen erhöht sich von Jahr zu Jahr.

Aufsteigender Ast: Die Eigenkapitalquote mittelständischer Unternehmen erhöht sich von Jahr zu Jahr.

Wenig Investitionen trotz guter Finanzierungsbedingungen

Fahrenschon kritisiert, dass niedrige Zinsen allein keinen Investitionsaufschwung bewirken könnten.  Verantwortlich für den fehlenden Investitionsschub sei vielmehr das fehlende Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Er fordert den Abbau von Schulden und Reformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in de Euro-Ländern. Damit steige wieder das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit. Gründe für die die Unsicherheit sind laut Sparkassenberater  geopolitische Krisen und die weitere Entwicklung in der Euro-Zone.  Als besonders unberechenbar werde die Situation im Nahen Osten wahrgenommen, auch die kritische Lage im Ukraine-Russland-Konflikt spiele eine Rolle und nicht zuletzt verunsichere die wachsende Bedrohung durch islamische Terroristen in Europa.

Wachstum dank Ölpreisverfall und schwachem Euro

Die Umsatzrentabilität der mittelständischen Unternehmen ist von 7,7 Prozent 2012 auf 6,4 Prozent 2013 gesunken. Die Personalaufwandsquote ist auf 19,2 Prozent gestiegen. Außer in einigen Bereichen, in denen das Thema Mindestlohn durchschlägt, ist nach Einschätzung der Experten aber noch nicht absehbar, dass die Entwicklung der Arbeitskosten das Wachstum hemmen könnte.

Das Wachstum wird optimistisch eingeschätzt. Der DSGV rechnet 2015 mit einem Wachstum von bis zu 1,5 Prozent. Gründe dafür sind der Ölpreisverfall, der für die Unternehmen wie ein Sonderkonjunkturprogramm wirkt. Der schwache Euro stärkt zudem die Exporte.

Seit Mitte 2014 hat sich der Ölpreis in etwa halbiert und liegt teilweise unter 50 Dollar pro Barrel Rohöl. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Analysten halten mittlerweile sogar die Marke von 40 Dollar für kein Extremszenario mehr.