Donnerstag, 11.02.2016
Internetseiten beteiligen sich Nutzer mit Geldbeträgen an der Umsetzung einzelner Projekte. Die Schwarmfinanzierung, die einst bei Unternehmensgründungen rege genutzt wurde, hat sich inzwischen auch im Mittelstand etabliert – doch nicht immer eignet sie sich.

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Das beliebte Crowdfinanzierung funktioniert recht simpel: Über spezialisierte Internetseiten beteiligen sich Nutzer mit Geldbeträgen an der Umsetzung einzelner Projekte. Die Schwarmfinanzierung, die einst bei Unternehmensgründungen rege genutzt wurde, hat sich inzwischen auch im Mittelstand etabliert – doch nicht immer eignet sie sich.

Finanzierung
Schwarmfinanzierung im Fokus

Eignet sich Crowdfunding für den Mittelstand?

Schnelles Geld über Crowdfunding sammeln und auf den mühsamen Gang zur Bank verzichten? Das verspricht die Schwarmfinanzierung. Doch ganz so einfach ist es nicht. Wann sich Crowdfunding für den Mittelstand lohnt – und was die Crowd dafür verlangt.

Wenn ein Mittelständler schnell und unbürokratisch Geld benötigt, erweist sich der Gang zur Hausbank oft als Holzweg. Die Geldinstitute verlangen Auskunft und Sicherheiten. Nerven und Zeit sparen kann man auf Internet-Portalen, die Firmen Crowd-Kapital anbieten meist in der Form von nachrangigen Darlehen. Das Geld kommt von Privatpersonen, die kleine Summen (100, 500 oder 1.000 Euro und mehr) anlegen wollen. Crowdfunding eignet sich dabei für die unterschiedlichsten Anliegen.

Best-Practice-Beispiele für Crowdfunding

Klaus Thiele, Geschäftsführer des Lüneburger Immobilienunternehmens Garbers Partner, nahm von Privatanlegern 1,8 Millionen Euro für ein Neubauprojekt auf, um durch diese Eigenkapital-ähnlichen Mittel seine Bonität zu steigern und somit leichter und günstiger an Fremdkapital zu kommen.

Eingesammelt hat das Geld die auf Immobilienfinanzierung spezialisierte Plattform Exporo.de, mit dreizehn Millionen Euro für elf Projekte die Nummer 1 in diesem Segment. Vorstand Julian Oertzen: „Das Geld der Crowd ist für Mittelständler oft ein Liquiditätspuffer, der ihnen ein Plus an unternehmerischer Flexibilität gibt.“ Zwei weitere Vorteile: Der Unternehmer kann die Laufzeit des Darlehens relativ frei gestalten und er bleibt Herr im Haus, weil er Crowdinvestoren kein Mitspracherecht einräumen muss.

Benno Hübel, Geschäftsführer der 1880 gegründeten Berliner Schokoladen-Manufaktur Sawade, beschaffte sich 1,35 Millionen Euro von Schwarm-Investoren über Companisto.de. Wichtiger als das frische Kapital war ihm noch der Werbeeffekt: „Wir bekommen über die Plattform Zugang zu rund 40.000 überwiegend jungen, Internet-affinen potentiellen Kunden. Die hätten ohne die Online-Finanzierungsaktion den Namen Sawade wahrscheinlich nie gehört.“ Doch die großen Vorteile verlangen den kapitalsuchenden Mittelständlern auch einiges ab.

Crowdfunding: Transparenz und guter Indikator

Billig ist das Crowd-Darlehen nicht: Thiele muss die 1,8 Millionen Euro am Ende der Laufzeit mit sechs Prozent Zinsen jährlich zurückzahlen. Das ist ein üblicher Satz. Auch bei anderen Portalen, wie Bankless24.de, Companisto.de oder Seedmatch.de. Hinzu kommen Gebühren für die Plattform.

Geeignet ist eine Crowdfinanzierung nur für Mittelständler, die bereit sind, Details ihres Projekts transparent zu machen. Der Schwarm will wissen, wofür er Geld gibt. Dadurch ist die Crowd aber auch ein guter Indikator, weil ihre Reaktion zeigt, ob das Vorhaben erfolgsversprechend ist. Auch die Fachleute der Plattform nehmen das Projekt unter die Lupe. Oertzen: „Diese Prüfung hilft dem Unternehmer, mögliche Schwachstellen in seinem Konzept zu identifizieren und zu beheben.“

Info

Darauf sollten Unternehmen bei einer Crowdfinanzierung achten:

  • Plattform-Fokus: Ist das Portal auf meine Branche/Zielgruppe spezialisiert?
  • Finanzierungsvolumen: Hat die Plattform schon vergleichbare Finanzierungsvolumen platziert?
  • Finanzierungsgarantie: Gibt die Plattform eine Garantie, dass die Fundingsumme zustande kommt oder nicht?
  • Service: Wer kümmert sich um die Betreuung, Verwaltung und Abrechnung der Anleger?