Freitag, 16.03.2012
Finanzierung
Gesetzentwurf zur Verbesserung der Zahlungsmoral

Einfallstor für Zahlungsverzug

Im Windschatten eines Gesetzentwurfs zur Verbesserung der Zahlungsmoral hat Siemens seine Zahlungsziele verlängert. Ein Widerspruch? Mitnichten!

Vor den Brüsseler Vorgaben werden wir nicht verschont. Es droht die Umsetzung einer EU-Richtlinie in deutsches Recht mit dem irreführenden Namen „Gesetz zur Bekämpfung von Zahlungsverzug“. Doch für deutsche Unternehmen könnte das Gesetz zum Bumerang werden und dem Zahlungsverzug erst Tür und Tor öffnen. Schuld sind die nationalen Ungleichgewichte: Während das Zahlungsverhalten gerade in den südeuropäischen Ländern katastrophal ist, gelten in Deutschland andere Maßstäbe. Selbst im Baugewerbe werden aktuell über 80 Prozent der Rechnungen bis 30 Tage nach Rechnungseingang gezahlt. In Spanien ist hingegen ein Held, wer ein Zahlungsziel von 90 Tagen realsieren kann.

Ähnliche Verhältnisse drohen künftig auch in Deutschland. Laut Entwurf können private Unternehmen eine über 60 Kalendertage hinausgehende Zahlungsfrist in Anspruch nehmen. Siemens hat daraufhin flugs die Geschäftsbedingungen angepasst. Als Regelfall erklärt der Großkonzern ein Zahlungsziel innerhalb von 90 Tagen. Dies widerspricht sogar der bisherigen EU-Richtlinie. Aber davon lässt Siemens sich nicht beeindrucken. Bald könnte es ja einen Freifahrtschein für diese Praktiken geben. Die Zulieferer haben das Nachsehen und müssen sich an den Liquiditätsentzug anpassen. Südeuropa kann nicht der Maßstab sein in Sachen Finanzen.

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