Freitag, 04.10.2019
Sichere Datenübertragung: Mit der Blockchain können Verträge wie Kreditunterlagen fälschungssicher dokumentiert werden.

Illustration: robertiez/ iStock / Getty Images Plus

Sichere Datenübertragung: Mit der Blockchain können Verträge wie Kreditunterlagen fälschungssicher dokumentiert werden.

Finanzierung
Unternehmensfinanzierung

Blockchain: „Die Entwicklung hängt von den Fintechs ab“

Weshalb die Blockchain den Zahlungsverkehr verändern wird und welche Rolle Fintechs dabei spielen, erklärt Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Center der Frankfurt School of Finance & Management, im Interview.

Wann lohnen sich für mittelständische Unternehmen Finanzierungen über Fintechs?

Vor allem bei kleineren Krediten im fünf- oder niedrigen sechsstelligen Bereich sind Fintechs eine gute Alternative zur klassischen Bankfinanzierung. Die Anbieter bearbeiten die Kreditanfragen deutlich schneller als Banken, und der gesamte Prozess ist unbürokratischer.

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Einige erste Fintechs entwickeln Angebote auf Blockchain-Basis. Wann sind diese für den Mittelstand sinnvoll?

Noch gibt es in der Praxis wenige Anwendungsbeispiele dafür, das wird sich jedoch bald ändern. Bislang kommt die Blockchain, eine dezentrale und damit sehr sichere Datenverarbeitungsmethode, etwa bei Schuldscheinen zum Einsatz. Da die Daten des Dokuments dezentral auf mehreren Computern gespeichert werden, ist die Übertragung fälschungssicher. Doch die Blockchain kann noch viel mehr und wird daher in Zukunft auch die Unternehmensfinanzierung revolutionieren. Demnächst können sich etwa Maschinen oder Geräte mit Hilfe der Technologie sicher mit Zahlungsnetzwerken verbinden.

Philipp Sandner leitet das Blockchain Center der Frankfurt School of Finance & Management. Es berät Unternehmen dazu, wie sie Blockchain-Lösungen sinnvoll einsetzen können. Zudem sitzt der Ökonom im Fintech-Rat des Bundesministeriums der Finanzen.

Foto: Frankfurt School of Finance & Management

Philipp Sandner leitet das Blockchain Center der Frankfurt School of Finance & Management. Es berät Unternehmen dazu, wie sie Blockchain-Lösungen sinnvoll einsetzen können. Zudem sitzt der Ökonom im Fintech-Rat des Bundesministeriums der Finanzen.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Ein selbstfahrendes Auto, das auf einem kostenpflichtigen Stellplatz parkt, kann die Gebühren für das Parkticket automatisch über die sichere Blockchain-Schnittstelle an den Parkautomaten überweisen. Entscheidend ist hier, dass das „Ding“ Auto an das „Ding“ Parkplatz Geld transferiert, also gar keine Menschen mehr direkt an der Zahlung beteiligt sind. Ähnliches ist auch im Maschinenpark eines Mittelständlers möglich. Eine Produktionsmaschine, die mit Hilfe des Internet of Things erkennt, dass sie Rohstoffe nachbestellen muss, wird demnächst die Rechnung selbständig bezahlen können.

 

Klingt nach Zukunftsmusik.

Das ist nicht so weit weg, wie Sie möglicherweise denken. Die Technologie ist in weniger als einem Jahr marktreif – zumindest für kleinere Einsatzmöglichkeiten. Wie schnell diese Vision in der Realität Wirklichkeit wird, hängt daher vor allem vom Mut der Unternehmen ab, diese Angebote auch einzusetzen. Banken oder Finanzkonzerne sind hier gar nicht unbedingt erforderlich, Fintechs schon. Über kurz oder lang werden die Unternehmen aus meiner Sicht erkennen, dass die Vorteile der Blockchain enorm sind. Gerade für die nächste Welle der Digitalisierung.

Worauf sollten Unternehmen bei der Wahl der Fintechs achten, wenn sie mit deren Unterstützung Blockchain-Lösungen einführen möchten?

Auf keinen Fall sollte man nur mit einem Anbieter zusammenarbeiten. Im Markt gibt es viel Dynamik, und ein einzelnes Fintech kann ganz schnell pleitegehen. Wenn ich mit mehreren Unternehmen kooperiere, ist die Insolvenz eines einzelnen Anbieters kein großes Problem. Gleichzeitig bin ich als Kunde sensibel dafür geworden, welche Anbieter noch existieren. Manche Fintechs werden in Zukunft verschwinden, doch die Blockchain wird definitiv bleiben.